Lutheraner-Treffen im Mutterland der Reformation

Gäste aus 79 Ländern

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Teilnehmer aus 79 Nationen werden erwartet (Foto: LWB/Dirk Zimmermann)
Stuttgart ist Ende Juli Zentrum der evangelischen Welt: Vom 20. bis 27. Juli 2010 erscheinen Delegierte aus den 140 Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zur elften Vollversammlung.

Zuletzt trafen sich die Lutheraner 1990 in Brasilien, 1997 in Hongkong und 2003 in Kanada. Stuttgart ist die zweite LWB-Vollversammlung in Deutschland, die erste fand 1952 in Hannover statt. Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsorgan des Bundes von rund 70 Millionen Christen und findet in der Regel alle sechs Jahre statt. Erwartet werden Gäste aus 79 Ländern.

Das Grosstreffen im Mutterland der Reformation steht unter dem Leitthema «Unser tägliches Brot gib uns heute». Die vierte Bitte des Vaterunsers steht für ein breites Spektrum an Themen: Die mehr als 400 Delegierten und mehr als tausend weitere Tagungsteilnehmer wollen im Stuttgarter Kongresszentrum Liederhalle «prophetische Antworten auf alle Ungerechtigkeiten» finden, die das Leben der Menschheit bedrohen.

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20 Prozent aller Vollversammlungsdelegierten werden junge Erwachsene bis 30 Jahre sein (Foto: LWB/Dirk Zimmermann)
Antworten finden

Dies sind unter anderem Armut, Mangel an sauberem Wasser, Aids, negative Folgen einer neoliberalen Globalisierung, interreligiöse Konflikte sowie die Verletzung der Menschenrechte. 2008 insgesamt 82 Millionen US-Dollar für humanitäre Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit verwendet. Das sind mehr als 80 Prozent der Gesamtausgaben des kirchlichen Dachverbandes.

Der 1947 im schwedischen Lund gegründete Lutherische Weltbund hat heute Zuwachs vor allem bei Kirchen in Afrika und Asien. Dennoch bleibt Deutschland das Land mit der höchsten Zahl lutherischer Christen (rund 13 Millionen) weltweit. Grösste lutherische Einzelkirche ist nach LWB-Angaben die schwedische Kirche mit mehr als sechs Millionen Lutheranern.

Weltweit zweitgrösste lutherische Kirche ist die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania mit mehr als fünf Millionen und drittgrösste LWB-Mitgliedskirche die Äthiopische Evangelische Kirche Mekane Yesus mit jetzt rund fünf Millionen
Christen.

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Die Versammlung will sich um mehr Gerechtigkeit sorgen (Foto: LWB/Dirk Zimmermann)
Reibungen

Diese Bandbreite unterschiedlicher Kulturen und Ethnien löst allerdings auch Reibungen aus. So sind es vor allem lutherische Christen aus dem Süden - aber auch in Osteuropa - die zu den Fragen Sexualethik, Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder Ordination von Frauen zu Pfarrerinnen eine ablehnende Haltung einnehmen, anders als der weitgehend liberale Westen - so gibt es in Schweden die weltweit erste offen lesbisch lebende lutherische Bischöfin.

Wegen des Konflikts um den Umgang mit der Homosexualität steht die anglikanische Weltgemeinschaft am Rand der Kirchenspaltung. Auch auf der LWB-Vollversammlung werden dazu kontroverse Diskussionen erwartet. «Ich vermute, am Ende des Gesprächsprozesses werden die Mitgliedskirchen des LWB sicher nicht gemeinsam erklären, dass sie Homosexualität bejahen, aber dass die unterschiedlichen Auffassungen und Vorgehensweisen in dieser ethischen Frage nicht kirchentrennend sind», sagt der Theologieprofessor und Ökumene-Experte Joachim Track dem evangelischen Magazin «zeitzeichen».

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Déborah Rosenkranz steuert zwei Lieder zum Kirchentag bei (Foto: Sturn Photography)
Palästinenser wird Präsident

In Stuttgart wollen die Lutheraner zudem ein dunkles Kapitel Kirchengeschichte aufarbeiten. Die Verfolgung der Täufer-Bewegung im 16. Jahrhundert - dem sogenannten linken Flügel der Reformation - war mit lutherischer Theologie gerechtfertigt worden. Für die erlittenen Grausamkeiten, durch die auch viele Menschen ihr Leben verloren, soll eine Bitte um Vergebung verabschiedet werden. Hintergrund sind Verhandlungen zwischen Lutheranern und Mennoniten, einer aus der Täufer-Bewegung entstandenen historischen Friedenskirche.

Auch ein neuer LWB-Präsident soll in Stuttgart gewählt werden. Der palästinensische Bischof Munib A. Younan (Jerusalem) gilt als aussichtsreichster Bewerber für die Nachfolge des amtierenden US-Bischofs Mark Hanson, dessen Amtszeit ausläuft. Younan ist seit 2003 LWB-Vizepräsident. Generalsekretär ist seit 1994 Ishmael Noko aus Simbabwe. In der zweiten Jahreshälfte 2010 wird er abgelöst von dem chilenischen Pfarrer Martin Junge.

Datum: 13.07.2010
Quelle: Epd

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