Die reformierte Basler Kirche spricht in einem neuen Büchlein Menschen, die am Glauben interessiert sind, mit Du an. Ein kleiner Katechismus lädt in neun Schritten zur Begegnung mit Gott ein. Der letzte Schritt ist die «Sehnsucht nach Vollendung».
Das Spalentor in Basel
Am 27. November übergab Kirchenratspräsident Lukas Kundert den «Basler Katechismus» den Mitgliedern der Kirche zur Diskussion. Die Erläuterung von Hauptstücken des christlichen Glaubens in Form eines Gesprächs hat alt Münsterpfarrer Franz Christ im Auftrag des Kirchenrats erarbeitet.
Von Gott gesucht und angesprochen
«Brannte nicht unser Herz in uns?» Der Titel des Büchleins nimmt die Frage von Männern auf, denen Jesus der Auferstandene am Ostertag begegnet war. Es geht aus von Erfahrungen, die tief innen berühren, führt zum Unser-Vater-Gebet und zum Wort Gottes, der vielstimmigen Bibel. Ihre Sprache mag fremd klingen; das Büchlein versichert: «Du bist ein Mensch, der von Gott angesprochen ist. Das ist es, was den Menschen menschlich macht, dass er von Gott gesucht und geliebt wird.»
«Liebesgeschichte höherer Ordnung»
Danach kommt der Katechismus auf den «geradezu aggressiven Aberwillen gegen den Begriff der Sünde» zu sprechen: «Man meint, das Problem los zu sein, wenn man den Begriff eliminiert.» Doch damit gerate die Gesellschaft in die Sackgasse des erbarmungslosen Moralismus. Jesus steht in der Mitte des Büchleins; durch ihn «hörst und versteht du die ganze Biblische Geschichte als eine Liebesgeschichte höherer Ordnung…: In Jesus sind wir alle erwählt und geliebt… Erst jetzt verstehst du, was dir gefehlt hat»
Miteinander vor Gott und aktiv in der Welt
Der Katechismus schildert in der Folge die Kirche als Gemeinschaft, in der alle Glaubenden «freien Zugang zu Gott haben», behandelt kurz Taufe und Abendmahl und kommt dann auf das Handeln aus Liebe zu sprechen, das auf die Zehn Gebote antwortet. Schliesslich der Kontrapunkt zum säkularen Bewusstsein: «Die Welt als ganze und du damit sind völlig abhängig von Gott… Wir sind Geschöpfe und nicht die Meister des Universums, ja nicht einmal unsere eigenen Meister.» Christen hoffen auf das Reich Gottes «und verlieren sich nicht in einem Jenseits, sondern arbeiten und kämpfen, solange und so gut sie können, für die Verbesserung irdischer Zustände».
Reformiertes Fragen nach Bekenntnis
Die Abgeordneten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes hatten 2009 beschlossen, landesweit über das Bekennen der Reformierten nachzudenken und zu diskutieren. Die Basler Kirchensynode befand 2010 dass es die Reformierten wieder wagen könnten, die Inhalte ihres Glaubens verbindlicher auszudrücken. Lukas Kundert äusserte im Gottesdienst am 27. November 2011 die Hoffnung, dass der nun erschienene Katechismus «gelesen wird, Fragen auslöst, Zustimmung findet, durchaus auch Widerstand provoziert». Reaktionen sollen gesammelt und später mit dem Katechismus veröffentlicht werden.
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