Heilsarmee-Offizierin Elsbeth Oberli trifft oft auf Einsamkeit und Not. Sie erzählt.
Auf Hausbesuch: Elsbeth Oberli
Eine Katze steigt mit mir die Treppe hoch. Oben empfängt mich der Mann vor der Tür. Ich habe für ihn eine Besorgung gemacht, weil er nur noch mit Mühe aus dem Haus kann. Vor ein paar Monaten ist seine Frau gestorben. Er versucht darüber zu sprechen. Hat er recht gehandelt, sie ins Spital einweisen zu lassen? Dort starb sie, ohne dass sie sich verabschieden konnten. Er weint um seine Lebenspartnerin. Nun ist er allein. Er ist dankbar, seine Not mit mir teilen zu können.
Heimwärts
Seine Gesundheit macht ihm Mühe, löst Ängste aus. Die Einsamkeit macht ihm zu schaffen, Sehnsucht kommt auf, seiner Partnerin zu folgen – er ist bereit zu sterben. Aber wann wird es so weit sein?
Wenig später erhalte ich den Bericht, dass er im Spital sei. Ich besuche ihn: «Es geht heimwärts!», sagt er und sein Gesicht strahlt. Drei Wochen später besuche ich ihn zum letzten Mal. Das Ende ist da. Aber auch die Hoffnung ist im Raum, dass Gott ihn sicher in die Ewigkeit geleitet. Es war schön, ihn begleiten zu dürfen.
Nöte teilen
An zwei Tagen pro Woche bin ich in der Stadt unterwegs, um Besuche zu machen. Ich weiss, dass sich hinter vielen Türen viel Not und Einsamkeit verbirgt. So trete ich in Lebensräume unterschiedlicher Menschen, jüngeren und sehr oft betagten. Dass ich an ihren Nöten Anteil nehmen darf, macht mein Leben reich.
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