Kirchenleiter fordern Alternativen zum Wirtschaftswachstum
Für Alternativen zum Wirtschaftswachstum setzt sich eine evangelische Initiative ein, der sich führende Kirchenrepräsentanten angeschlossen haben. Unterstützt wird sie von der Präses der EKD-Synode und Politikern.
Das Deutsche-Bank-Hochhaus in Frankfurt
Als Hauptziel hat sich die Initiative vorgenommen, eine Öffentlichkeitskampagne der EKD zum Thema «Wirtschaft braucht Alternativen zum Wachstum» zu erreichen. Dazu dient auch eine Online-Petition. Am 21. November veranstaltet die Initiative in Leipzig einen Thementag, unter anderem mit der «Lutherbotschafterin» und früheren EKD-Ratsvorsitzenden, Margot Kässmann.
Mehr Musse und Entschleunigung
Die Grünen-Politikerin Göring-Eckardt wendet sich in einem Votum zu der Initiative gegen «das Mantra 'Wachstum, Wachstum, Wachstum'», das gebetsmühlenartig erklinge. Ein unhinterfragtes «Höher, Schnell, Weiter» zerstöre die Grundlagen des Zusammenlebens und nachkommender Generationen. Die Vorsitzende des EKD-Kirchenparlaments spricht sich für eine «Wende zum Wachsen nach menschlichem Mass» aus: «Wollen wir die Schöpfung bewahren, dann müssen wir uns genau fragen, wovon wir in Zukunft mehr wollen. Ich denke da an immaterielle Güter wie Kultur, menschliche Beziehungen, Gesundheit, soziale Gerechtigkeit oder schlicht: Musse und Entschleunigung.»
«Wachstum kann Götze werden»
Nach den Worten der mitteldeutschen Bischöfin Junkermann ist Wachstum um seiner selbst und um des Gewinnes willen «ein moderner Götze» geworden. Der braunschweigische Landesbischof Weber warnt: «Wenn wir immer nur auf Wachstum – auf schneller, höher, weiter und reicher – setzen, dann setzen wir auch auf Ungerechtigkeit und Ausbeutung der Schöpfung.» Nach Ansicht des sächsischen Landesbischofs Bohl sind die zerstörerischen Folgen der Wachstumsideologie unübersehbar. Dem anhaltinischen Kirchenpräsidenten Liebig zufolge geht es darum, «Alternativen vorzulegen, die den Bedürfnissen der gesamten Weltbevölkerung Rechnung tragen». Der leitende Geistliche von Bremen, Renke Brahms, fordert: «Im Gegensatz zu einem ungebremsten Wachstum brauchen wir eine Wirtschaft im Dienst des Lebens.»