Nationaler Gebetstag

Hoffen auf ein geistliches Erdbeben

Am 1. August feierten 5000 Christen im Aarauer «Schachen» ein fröhliches Fest der Einheit und des Gebets. Der Verein «Gebet für die Schweiz» und die «Agentur C» hatten geladen und Teilnehmer aus allen Kantonen und Denominationen folgten dem Ruf. Es war aber auch ein Tag, an dem Busse getan wurde.

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Fahnen, Menschen und Schweizer Kreuze wohin das Auge reicht. Der Aarauer Schachen war am 1. August Schauplatz eines buntes Festes.
Ein Erdbeben wie 2005 nach dem Treffen der Aargauer Fahnenträger hat es nicht gegeben. In Anbetracht des nur sechs Kilometer entfernten Atomkraftwerks Gösgen konnte man darüber allerdings auch ganz froh sein. Aber zumindest ein «geistliches Erdbeben» hatte sich Hans-Peter Lang, Präsident des Netzwerks «Gebet für die Schweiz», im Vorfeld gewünscht. Besonders in zwei Bereichen sollte etwas bewegt werden: Zum einen stand die Einheit der Christen im Vordergrund. «Die Einheit untereinander und die Einheit mit Gott sind ganz wichtig. Heute sollte alles Trennende aufgedeckt werden», erklärte Lang im Anschluss an das Treffen. In seiner Ansprache hielt er fest: «Selten haben wir in einer Zeit gelebt, in der uns das Zusammenleben von Menschen und Völkern, wirtschaftliche Unruhen und politische Herausforderungen so sehr gefordert haben, wie heute.»

Rückzug aus der Welt

Den anderen Schwerpunkt brachte Hans-Peter Lang bereits am Morgen in der Begrüssungsrede zum Ausdruck: «Der Nationale Gebetstag soll ein Bekenntnis sein zu unseren abendländischen christlichen Werten, für die Erhaltung des biblischen Menschenbildes und zugleich eine Schuldanerkennung unseres Rückzugs aus der Welt hinter die Kirchenmauern.» Er forderte die Anwesenden heraus: «Sind wir die Gemeinde, die Salz und Licht ist? Die eine Stimme Gottes in der Welt ist, Kraft für die Kraftlosen, Freude für die Freudlosen? Das Brot Gottes gehört in die Welt!» Christen sollten nicht mehr länger «Endverbraucher der Liebe Gottes» sein. In den ausgeprägten Gebetszeiten am Nachmittag wurde dann auch in kleinen Gruppen bewusst Busse für eigene Verfehlungen und Fehler der Kirche getan.

Geistliche Geschichtsbücher

Begonnen hatte das Treffen bereits am Vormittag, um elf Uhr. Unter strahlend blauem Himmel trugen etwa 1000 Fahnenträger ihre Kantons- und Gemeindefahnen vom Aarauer Bahnhof in den Schachen. Eine Prozession, die auch bei den Aarauer Bürgern nicht unbemerkt blieb. Verschiedene Grussworte in den vier Landessprachen eröffneten den Tag. Joel Blunier als Vertreter der Evangelischen Allianz Aarau betonte, der Fokus solle auf das «Vereinende und nicht auf das Trennende» gelegt werden. Christen könnten konstruktiv in die «geistlichen Geschichtsbücher des Landes» eingreifen. Anschliessend wurde der Schweizerpsalm in den Landessprachen gemeinsam gelesen, gefolgt von einer authentisch beschwingten Lobpreiszeit und verschiedenen Gebeten und Proklamationen.

Stärken der Schweiz

Vor dem eigentlichen Gebetsteil am Nachmittag richtete Urs Hoffmann, Regierungsrat des Kantons Aargau, einige Worte an die Anwesenden. Er beleuchtete das Thema Einheit von der politischen Warte aus. Der «Wille zur Einheit» gehöre nämlich zu den klassischen Stärken der Schweiz. Schon die alten Eidgenossen hätten die Einheit gesucht, um sich gegen Gefahren von aussen zu wappnen. Letztlich sässen alle im gleichen Boot. «Gott hat uns den Auftrag gegeben, die Welt zum Wohle aller zu gestalten», betonte Hoffmann. Auch die «traditionellen christlichen Werte wie soziales Engagement, Rücksicht auf Andersdenkende, Achtung der Schöpfung und Solidarität» zählte er zu den Stärken der Schweiz. Er rief dazu auf, für den Aargau und die Politiker zu beten. Diesem Anliegen kam Hans-Peter Lang nur allzu gern nach und betete gleich an Ort und Stelle für den SP-Regierungsrat. Dann ging es weiter mit einer Gebets- und Bussezeit, persönlich sowie auch stellvertretend für das Land. Den Schlusspunkt um 16 Uhr setzte ein Segen von Vertretern verschiedener Denominationen.

Ob es tatsächlich ein «geistliches Erdbeben» geworden ist, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Auf jeden Fall wurden die Anwesenden neu erfrischt und zur Einheit ermutigt. Und nicht zuletzt war es ein Schritt in Richtung einer Kirche, die, wie Lang es ausdrückte, «den Menschen in Liebe dient und für sie im Gebet einsteht».

Diesen Artikel hat uns freundlicherweise «ideaSpektrum Schweiz» zur Verfügung gestellt.

Datum: 10.08.2012
Autor: Christof Bauernfeind
Quelle: ideaSpektrum Schweiz

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