Gottesdienst mit Raucherpause

Eine Gemeinde für Zuhälter und Prostituierte

Gemeinde ist für Menschen da. Als Maria den Auftrag erhält, eine Gemeinde in Mitteleuropa zu gründen, kommen als erstes Zuhälter und Prostituierte. Zunächst verunsichert merkt sie, dass genau diese Menschen eine Gemeinde brauchen. Und sie ist überzeugt: «Ich bin nur zum Predigen hier, und um die Menschen zu lieben – den Rest überlasse ich Gott.»

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Jesus verärgerte die religiöse Elite seiner Zeit, indem er mit Sündern, Lügnern, Dieben und Prostituierten Zeit verbrachte – sie akzeptierte, sie liebte, ihnen Gottes befreiende Gnade anbot. Als Maria den Auftrag bekam, eine Gemeinde in einem kleinen Bergdorf in Mitteleuropa zu gründen, wusste sie nicht, welche Menschen kommen würden. Sie fand jedoch schnell heraus, dass die ersten Besucher Zuhälter und Prostituierte waren.

Ein erster «Deal»

Einer von ihnen bat Maria, eine Andacht bei ihm zu Hause zu leiten und für sein Unternehmen zu beten. Als sie herausfand, was für ein «Unternehmen» es war, betete sie lieber dafür, dass Gott sein Unternehmen verändern würde. Der Zuhälter liess sich darauf ein, sich einen anderen Job zu suchen, unter der Bedingung, dass er genug Geld verdienen würde, um seine Familie ernähren zu können. Maria half ihm, einen Kredit aufzunehmen, sodass er eine Viehzucht aufbauen konnte. Nun verdient er sein Geld mit redlicher Arbeit.

Normale Menschen, chaotisches Leben

Seit Maria die Veränderung im Leben dieses Mannes miterlebt hat, ist ihr Glaube gewachsen, ebenso wie ihr Herz für weitere Besucher ihrer jungen Gemeinde. «Ich sehe sie einfach als normale Menschen an – Menschen, deren Leben etwas durcheinandergeraten ist, wie bei den meisten Menschen.» Da sie schon etliche Jahre in dieser Gegend gelebt hatte, wusste Maria, dass viele Männer und Frauen ohne Arbeit oder Ausbildung in die Prostitution rutschen, weil es oft der einfachste Weg ist, an Geld zu kommen und ihre Kinder zu ernähren.

Raucherpausen im Gottesdienst

Maria fand schnell heraus, dass sie ihre Gemeindearbeit für Zuhälter und Prostituierte entsprechend gestalten musste. «Etwa die Hälfte meiner Predigten handeln von Heiligung und davon, was es bedeutet, sein Leben anders zu leben, seine Mitmenschen human zu behandeln, sie zu lieben.» Hin und wieder gibt es schwere Fragen zu beantworten, wie beispielsweise: «Warum durfte Salomo so viele Frauen haben? War er ein Zuhälter? Warum heisst es in der Bibel, dass kein anderer Mensch jemals so viel Weisheit hatte wie er?»

Maria ist die Einzige in ihrer jungen Gemeinde, die nicht raucht. Doch sie weiss, dass ihre Gottesdienstbesucher es nicht länger als eine halbe Stunde ohne Zigaretten aushalten, und dass es sinnlos ist, eine Predigt zu halten, wenn die Zuhörer sich nicht konzentrieren können. Also baut sie Raucherpausen in ihre Gottesdienste ein. «Ich tue, was ich tun muss», sagt sie. «Mir bleibt nichts, als mich auf den Heiligen Geist und sein Wirken zu verlassen. Ich bin nur zum Predigen hier, und um die Menschen zu lieben – den Rest überlasse ich Gott.»

Die Auswirkungen

Ihre Geduld zahlt sich aus. Die Zuhälter kamen ursprünglich nur in die Gemeinde, um «einfach mal zu schauen», und jetzt bitten sie Maria um Gebet. Sie bekennen ihr sündiges Tun und bitten um Vergebung. In den vergangenen zwei Monaten gab es keinen einzigen Fall von Menschenhandel in der gesamten Gemeinschaft.

Zum Thema:
Ausstieg aus dem Milieu: Früher Zuhälter – heute Pastor
Präsent im Rotlichtmilieu: Gespräche mit Frauen, Freiern und Menschenhändlern
Kirche zwischen Nachtclubs: «Wenn Jesus eine Gemeinde gründen würde, wäre es definitiv im Rotlichtviertel!»

Datum: 26.02.2017
Quelle: Joel-News

Kommentare

Mutig, mutig, dachte ich, als ich diesen Artikel las. Ich musste an das Buch von Nadia Bolz-Weber denken: "Ich finde Gott in den Dingen, die mich wütend machen". Ich bewundere Menschen, die die solch "exzentrische" Aufgaben übernehmen. Ich glaube, dass Gott bestimmte Menschen für solche Aufgaben ausgerüstet hat. Ich finde darin die Grösse Gottes, seinen "Humor", aber auch seine unendliche Lieben zu den Menschen, die solche Wege möglich machen. Ich bin im "normalen christlichen Rahmen" aufgewachsen und von extremen Ausrutschern bewahrt geblieben. für mich eine Gnade, aber keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Für mich eine Motivation für solche Menschen zu beten.

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