Film «Bottled Life»

«Wir tun so, als wäre Wasser eine gottgegebene Sache…»

Ein Kinofilm mit dem doppelsinnigen Namen «Bottled Life» (Abgefülltes Leben) sorgt für heftige Diskussionen. Er beleuchtet den umstrittenen Welthandel mit Flaschenwasser und zeigt Aktivisten, die sich im Kampf gegen Nestlé auch auf Gott berufen.

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Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck: «Wenn wir einen Liter Wasser abfüllen, dann ist die ganze Welt entrüstet.»
Der neue Kinofilm «Bottled Life» sorgt für Zündstoff. «Wir tun heute so, als wäre Wasser eine gottgegebene Sache, die es in unendlicher Menge für immer gibt», erklärt Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» vom 29. Januar 2012. Er spricht von einem «rein ideologischen Film», der nicht zu einer Lösung des Problems beitrage. «Wenn wir einen Liter Wasser in eine Flasche abfüllen und diese irgendwohin transportieren, dann ist die Welt über diesen Vorgang entrüstet», erklärt er weiter. Selbst gesehen hat Brabeck den von ihm kritisierten Film allerdings nicht: «Nein, ich habe ihn nicht gesehen. Dafür hatte ich keine Zeit.»

«Kein einseitiger Film»

Die Schweizerische Depeschenagentur spricht von einem «PR-Desaster für den Weltkonzern», denn es sei «kein einseitiger Film», wie Nestlé behauptet.

Der Berner Filmemacher Urs Schnell und der Journalist Res Gehriger wollten keinen einseitigen Film machen und dem Nahrungsmittelkonzern die Möglichkeit zur Stellungnahme geben, aber Nestlé hat sich geweigert, beim Film mitzumachen. Es sei der falsche Film zur falschen Zeit, hiess es vor Drehbeginn in der Konzernzentrale.

Dank Filmaufnahmen bei den offiziellen Pressekonferenzen und Ausschnitten aus PR-Filmen kam Verwaltungspräsident Peter Brabeck auch ohne offizielle Mitarbeit im Film ausführlich zu Wort. «Ich bin ganz klar aufs Wasser gekommen, je mehr ich nachgedacht habe, was eigentlich der wichtigste Faktor ist, dass unsere Firma noch einmal 140 Jahre bestehen kann», begründet Nestlé-Chef Brabeck seine Strategie.

Rechtslage kommt Nestlé zur Hilfe

Mit Beispielen aus den USA, Nigeria und Pakistan zeigt Regisseur Urs Schnell auf, welche Auswirkungen die Strategien und Denkweisen des mächtigsten Lebensmittelkonzerns der Welt haben und wie vielerorts die unklare Rechtslage Nestlé zur Hilfe kommt. Ein solches Beispiel ist der US-Bundesstaat Maine, wo der Schweizer Konzern im grossen Stil Quellrechte aufkauft und ganze Regionen darunter leiden, weil Nestlé-Tanklastwagen rund um die Uhr das Wasser abtransportieren und in die Fabrik fahren, wo das Wasser in Plastikflaschen abgefüllt wird.

Einzig der US-Kleinstadt Shapleigh gelingt es, sich mit einem juristischen Trick erfolgreich gegen Nestlé zu wehren. Gestützt auf die amerikanische Verfassung erklärt die Gemeinde das Grundwasser zum lebensnotwendigen Gut. Es sind mehrheitlich republikanische Frauen, die Nestlé in die Knie zwingen. Ihren Sieg feiern die Aktivistinnen damit, dass sie das Lied «God bless America» (Gott segnet Amerika) anstimmen. Auf den «Segen» des frei zugänglichen Wassers warten andere Gemeinden in den USA und vor allem in der Dritten Welt noch immer.

«Wasser ist ein Menschenrecht»

Die christlichen Kirchen haben schon 2005 mit der «Ökumenischen Erklärung zum Wasser als Menschenrecht und als öffentliches Gut» ein deutliches Zeichen gesetzt. 2010 hat die UNO das Recht auf sauberes Trinkwasser zum Menschenrecht erklärt. Wasser ist lebenswichtig. Es ist kein Zufall, dass Wasser auch im christlichen Glauben eine grosse Symbolkraft besitzt.

Der Film «Bottled Life» läuft momentan in den Schweizer Kinos.

Webseiten:
«Bottled Life»

Kinovorführungen in der Schweiz

Datum: 31.01.2012
Autor: Markus Döbeli
Quelle: Jesus.ch

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