Im Streit mit der katholischen Kirche über Verhütungsmittel auf Krankenkassenkosten hat der amerikanische Präsident Obama am Freitag ein Stück weit nachgegeben. Das Zugeständnis stellt jedoch die katholischen Bischöfe und evangelischen Lebensrechtler nicht zufrieden.
Katholische Kirche St. Joachim in Chatham, Chicago
Die Bischofskonferenz nannte die Änderungen «beschränkt und unklar». Die Regelung müsse ganz aufgehoben werden; alles andere sei keine Lösung, sondern belaste das Gewissen der Menschen, schrieben die Bischöfe am Freitag. Denn der Präsident habe den Auftrag ans Ministerium bestätigt, landesweit Sterilisierung und Verhütungsmittel (inkl. die Pille danach) in die Krankenversicherungen einzuschliessen.
Kirchliche Arbeitgeber müssen nicht zahlen
Das Weisse Haus hatte zuvor mitgeteilt, die kirchlichen Einrichtungen müssten ihren Mitarbeitern doch keine eigene Krankenversicherung mit Kostenübernahme von Verhütungsmitteln anbieten. Vielmehr sei es an den Versicherungen, den Angestellten von katholischen Schulen und Universitäten, Wohlfahrtseinrichtungen und Spitälern auf Anfrage die Kosten von Mitteln zur Familienplanung zu vergüten. Gemäss dem ursprünglichen Vorhaben hätten wie alle Arbeitgeber auch kirchliche Einrichtungen ihren Angestellten Krankenversicherungen mit voller Übernahme der Verhütungskosten anbieten müssen.
«Buchhalterische Tricks»
Durch die umstrittene Verordnung dürfte sich die konservative Front gegen Präsident Obamas Gesundheitsreform im Wahlkampfjahr versteift haben. Richard Land von den Südlichen Baptisten schrieb: «Mr. President, buchhalterische Tricks allein werden nicht genügen». Obama habe den «Schrei des Gewissens» seiner Mitbürger nicht ernst genommen. Das Einlenken des Weissen Hauses sei eine «Unterscheidung ohne Unterschied».
Die Südlichen Baptisten haben einen eigenen Gesundheitsvorsorgeplan ‚GuideStone‘ für 200‘000 Pastoren, Missionare und Angestellte ihres Kirchenbundes. GuideStone-Präsident O.S. Hawkins bezeichnete den letzten Schritt des Weissen Hauses einen «beleidigenden Affront». Die Administration Obama habe noch nicht begriffen, dass sie diesen Konflikt nicht mit Wortspielen aus der Welt schaffen könne.
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