US-Kirchen üben Kritik

Armut müsste im US-Wahlkampf ein Thema sein

Etwa ein Drittel der 100’000 Kinder und Teenager in der Hauptstadt Washington wachsen in Haushalten mit Einkommen unterhalb der Armutsgrenze auf.

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15 Prozent der US-Bürger leben unterhalb der Armutsgrenze.
Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 spielt jedoch das Thema Armut kaum eine Rolle. Das rief die Kirchen auf den Plan. Die beiden US-Präsidentschaftskandidaten – Amtsinhaber Obama und der Republikaner Mitt Romney – sprächen so gut wie gar nie über das Problem Armut, beklagen kirchliche Verbände. Wahlberater hätten den Präsidenten und seinen Herausforderer offenbar überzeugt, dass Armut kein gewinnbringendes Thema um Stimmen im Wahlkampf sei, sagte der Vizepräsident des Nationalen Verbandes der Evangelischen Christen, Galen Carey.

«Moralischer Skandal»

Dabei sind in den USA nach Regierungsangaben 46 Millionen Menschen arm, also 15 Prozent der Bevölkerung. Kinder sind die Hauptleidtragenden wirtschaftlicher Not. 22 Prozent der unter 19-Jährigen in den USA oder 16 Millionen lebten in Armut – ein «moralischer Skandal» in der reichen Nation, befand jüngst die Leiterin der Hilfsorganisation «Children's Defense Fund», Marian Wright Edelman.

Kein populäres Thema

Der Direktor der christlichen Hilfsorganisation «Bread for the Word» («Brot für die Welt»), David Beckmann, ein lutherischer Pastor und Wirtschaftsexperte, spricht von einem «Skandal». Kein Präsident seit dem Demokraten Lyndon Johnson in den 60er Jahren habe den Kampf gegen Armut zur nationalen Priorität erhoben habe. 

Freilich sei es schwierig, in den USA Wähler mit dem Thema Armut zu mobilisieren, räumte Beckmann ein. Die meisten US-Amerikaner fühlten sich als Angehörige der Mittelklasse. Die Armen, das seien daher «die Anderen». Wem es wirtschaftlich schlecht gehe, der stufe das selbst als zeitweiligen Ausrutscher ein.

Der Pastor rechnet vor: In den USA gebe es rund 350’000 Kirchengemeinden. Wollten die Gemeinden nur die Lebensmittelhilfsprogramme ersetzen, die der Haushaltsentwurf des republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan streichen wolle, müsste jede Gemeinde pro Jahr 50’000 Dollar aufbringen. Dass die Armutsrate bei Minderheiten so hoch sei, gelte als ein Grund für das politische Schweigen zur Armut, erklärt Beckmann.

Statements abgegeben

Der interreligiöse Verband «Circle of Protection» (Schutzkreis) hat Obama und Romney um Statements zur Armut gebeten. Die dreiminütigen Antwortvideos stehen nun im Netz.

Präsident Obama sagte, sein christlicher Glaube lehre, dass jeder «seines Bruders und seiner Schwester Hüter» sei. Man dürfe das Haushaltsdefizit nicht auf Kosten der Verwundbarsten reduzieren. Romney betonte, Wirtschaftswachstum sei das beste Mittel gegen Armut. Er wolle jedoch die ärmsten Bürger schützen.

Link zum Thema:
Barack Obama und Mitt Romney äussern sich in einem dreiminütigen Video zur Armut

Datum: 26.10.2012
Quelle: Livenet / epd

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