Hebamme: „Seit der Fristenregelung entscheiden die Frauen vorschnell“

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Rebecca Sutter, Hebamme.
Rebecca Sutter, Hebamme, arbeitete in einer Schweizer Uniklinik. Vor vier Jahren wurde die Fristenregelung per Volksentscheid angenommen. Seitdem hat, wie Sutter feststellt, der Umgang mit dem werdenden und sterbenden Leben bedenkliche Züge angenommen.

Nach der Erfahrung von Rebecca Sutter werden Frauen oft noch Jahre nach der Abtreibung depressiv und müssen fachliche Hilfe in Anspruch nehmen – ein Umstand, der so in den Statistiken nicht auftaucht.

Livenet.ch: Rebecca Sutter, Sie haben auf der Entbindungsstation einer Uniklinik gearbeitet und vieles gesehen. Was hat sich durch die Fristenregelung verändert?
Mir fiel auf, dass viele Frauen voreilig ihr werdendes Kind abtreiben. Sie sprechen nicht mehr darüber, da es vor der zwölften Schwangerschaftswoche keine Beratungspflicht mehr gibt. Keiner muss davon erfahren…

Wie verhalten sich die Frauen?
Sie möchten nicht über die Abtreibung sprechen. Es gibt gar keinen Anlass, weil es ja nicht mehr gesetzwidrig ist. Mir scheint, dass die Fristenregelung das Gewissen der Frauen einschläfert und sie zu einem vorschnellen Entschluss treibt.

Wäre es da nicht besser, die Ärzte würden weiterhin ein Beratungsgespräch führen und so vielleicht eine Abtreibung verhindern?
Doch, das wäre gut. Aber ein richtiges Beratungsgespräch ist sehr aufwendig. Den Ärzten fehlt oft die Zeit dazu und nicht selten auch der Wille. Die eigene Überzeugung respektive die Gleichgültigkeit der Beratenden spielt eine sehr grosse Rolle.

Weshalb werden immer noch so viele Kinder sogar nach der zwölften Woche abgetrieben?
Viele Diagnosen können erst um die Woche siebzehn gestellt werden. Eventuell muss dann eine Untersuchung wiederholt werden. Bis ein Ergebnis definitiv vorliegt, vergeht nochmals Zeit. Und danach müssen die Eltern ihrerseits abwägen, ob sie sich für oder gegen das Kind entscheiden wollen. So kommt es, dass die Abtreibung nicht selten erst um die 20. Schwangerschaftswoche herum vorgenommen wird. Wie ich es selbst erlebt habe.

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In Deutschland wurde bekannt, dass Kinder sogar nach der 25. Woche abgetrieben werden. Sie wären dann in einem Brutkasten bereits lebensfähig!
Ja, ich habe davon gehört. Das Tragische ist, dass diese Kinder geboren werden und dann lieb- und schutzlos liegengelassen werden, bis sie sterben. So etwas habe ich in der Schweiz aber nie erlebt.

Aber Sie haben als Hebamme auch zwei Abtreibungen durchgeführt, die sie später stark belastet haben.
Ja, das ist richtig. Ich habe in der Ausbildung und auch an meinen Arbeitsplätzen meine persönliche Haltung stets deutlich ausgedrückt. Aber in zwei Stress-Situationen sah ich mich trotzdem gezwungen, den Frauen Medikamente für ihre Abtreibung zu geben. Das hat mich sehr belastet. Ich dachte, Gott würde mir nie vergeben. Ich hatte deswegen schlimme Albträume.

Wie haben Sie diese Situation überwunden?
Ein Traum brachte mir Klarheit. Ich träumte so intensiv, wie ich es vorher nicht kannte. Ich durfte mein eigenes Kind sehen, das ich durch eine Eileiterschwangerschaft verloren hatte, und konnte ihm meine Liebe spüren lassen. Ich sah, wie es zu Gott lief, und wusste auf einmal, dass auch die abgetriebenen Kinder bei Gott sind. Da war mir auch klar, dass Gott mir vergeben hatte.

Sie arbeiten in einem christlichen Verein, der Frauen hilft, ihre Abtreibung zu verarbeiten. Laut Statistik gibt es aber fast keine solchen Probleme...
Kurz nach der Abtreibung schätzen viele Frauen ihren Entscheid tatsächlich als richtig ein. Oft sind sie dann ja immer noch in einer schwierigen Lebenssituation; arbeitslos, ohne Partner oder in finanziellen Nöten. Zudem ist es nicht mehr gesetzwidrig, bis in die zwölfte Woche hinein ein Kind abzutreiben. Warum das Ganze also plötzlich hinterfragen?

Tatsächlich aber bereuen sehr viele Frauen später ihren Entscheid. In ihrer Not beanspruchen sie auch fachliche Hilfe, was sie enorm viel Mut kostet. Leider ist das Thema „Abtreibungstrauma“ ein Tabu in der Gesellschaft und fast gänzlich unbekannt.

Lesen Sie auch die Kurzreportage über Rebecca Sutters Alltag als Hebamme
„Schreiben Sie, es war eine Fehlgeburt“
Hintergründe zum Abtreibungstrauma („Post Abortion Syndrom“):
Abtreibung erzeugt Leid
Ein Tabu aus politischen Gründen


Autor: Iris Muhl
Quelle: Jesus.ch

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