Ob diese Kleidung freiwillig gewählt ist? Gerade im Iran kämpfen Studentinnen seit langem gegen den Kleiderzwang.
Frankreich verbietet ab nächstem Jahr wohl das Tragen von Ganzkörperschleiern wie etwa Burka und Nikab muslimischer Frauen. Diesen Entscheid fällte die grosse Kammer des französischen Parlaments mit 335 zu einer Stimme.
Der Gesetzesentwurf muss im September 2010 der Form halber noch vom Senat genehmigt werden - erste Strafen könnten ab Frühjahr 2011 verhängt werden. Wer sich dann noch öffentlich vermummt, muss eine Strafe von bis zu 150 Euro bezahlen, darunter fällt das Tragen von Burka oder Nikab. Zusätzlich oder als Alternative kann eine Teilnahme an staatsbürgerlichem Unterricht verordnet werden. Wird eine Frau in diese Kleidung gezwungen, droht dem Mann eine Geldstrafe von 30'000 Euro sowie ein Jahr Haft; sind die Betroffenen noch Minderjährig könnten laut der «Welt» sogar zwei Jahre Haft und 60'000 Euro Busse ausgesprochen werden. Der Stimme enthalten hatten sich Sozialisten, Linke und Grüne.
Der Mann kann tragen was er will – und auch die Frau hat zu tragen, was er will (Foto: Encore Stefano Coviello)
«Verstoss gegen Werte»
«Das Gesicht zu verstecken, eine Teilhabe an der Gesellschaft zu verweigern, das ist der Grundstein für Gruppenbildung», wird Justizministerin Michèle Alliot-Marie im «Blick» zitiert. Das Parlament bezeichnete im Mai die Vollverschleierung in einer Resolution als Verstoss «gegen die Werte der Republik».
Im April hatte bereits Belgien ein Burka-Verbot beschlossen. Silvana Koch-Mehrin, Vizepräsidentin des europäischen Parlaments hatte damals in einer Kolumne in der «Bild am Sonntag» als «mobiles Gefängnis» bezeichnet und weiter: «Ich begrüsse diesen Beschluss ganz ausdrücklich. Ich wünsche mir, dass auch in Deutschland - und in ganz Europa - das Tragen aller Formen der Burka verboten wird. Wer Frauen verhüllt, nimmt ihnen das Gesicht und damit ihre Persönlichkeit. Die Burka ist ein massiver Angriff auf die Rechte der Frau, sie ist ein mobiles Gefängnis. Die vollständige Verhüllung von Frauen ist ein aufdringliches Bekenntnis zu Werten, die wir in Europa nicht teilen. Und ich gebe offen zu: Wenn mir auf der Straße voll verschleierte Menschen begegnen, bin ich irritiert. Ich kann nicht einschätzen, wer da mit welcher Absicht auf mich zukommt. Ich habe keine Angst, aber ich bin verunsichert. Niemand soll in seiner persönlichen Freiheit und in seiner Religionsausübung eingeschränkt werden. Die Freiheit darf aber nicht so weit gehen, dass man Menschen öffentlich das Gesicht nimmt. Jedenfalls nicht in Europa.»
In mehreren Ländern, darunter auch in der Schweiz, wird über ein Burka-Verbot diskutiert.
Kurzkommentar
So kommt sich manche Frau vor, die gezwungen wird, eine Burka zu tragen – ein etwas verändertes Tiananman-Protest-Bild (Foto v i p e z)
Wenn Schuppen und Burkas von den Augen fallen
Verschiedentlich sind verschleierte Frauen in Talkshows zu sehen und sie erklären, dass, sie sich freiwillig so kleiden. In Einzelfällen mag dies stimmen. Freilich wird sich keine Frau finden lassen, die öffentlich das Gegenteil bekundet, es wäre ihrer Sache - gelinde gesagt - nicht dienlich, denn wer dazu gezwungen wird, lebt generell in Unfreiheit. Selbst in manchen islamischen Ländern ist diese Kleidung teils unerwünscht, was beispielsweise Khomeini während eines Exilabstechers in der Türkei entsetzt bemerkte. Verstärkt ins öffentliche Leben finden diese Gewande, die viele als Stoffkäfige erleben, unter anderem dank Gruppen wie etwa der Taliban. Es macht keinen Sinn, diese intolerante Doktrin zu tolerieren und zuzulassen, dass sie gegen Frauen angewendet werden darf.
Hätte jede Muslimin die Freiheit, sich so zu kleiden, wie sie wirklich will, würden (nicht nur) uns Westlern Schuppen und Burkas von den Augen fallen. Bedauerlich ist, dass ausgerechnet «Amnesty International» («es ist eine Verletzung des Rechts der Frau, ihr religiöses empfinden auszudrücken») das Verbot kritisiert und Frankreichs Sozialisten, Linke und Grüne nicht ein klares Votum zeigten - ist es doch immerhin ein Angriff auf die Würde der Frau, gelebte Unterdrückung und eine Degradierung zu Menschen zweiter Klasse.
Gleiches Recht für alle. Das muss auch für muslimische Frauen gelten. Und da ist die «Amnesty»-Meinung wenig hilfreich. Denn mit der Burka zeigt weniger die Frau ihre religiöse Gesinnung. Im Gegenteil, sie muss dadurch zur Schau stellen, dass sie der Besitz eines Mannes ist und dass sie weder Stimme noch Gesicht hat - ja, dass sie des öffentlichen Lebens beraubt ist.
Die Heilsarmee ist in die öffentliche Kritik geraten, weil sie einer leitenden Mitarbeiterin kündigte, die eine gleichgeschlechtliche Beziehung führt...