WM 2010

Ist Fußball die neue Religion für Afrika?

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Tinyiko Sam Maluleke
Was kommt für Südafrika und den Schwarzen Kontinent nach der WM, wenn die Welt nicht mehr hinguckt? Der Theologe Tinyiko Sam Maluleke hat im Mai diese Frage gestellt.

Der südafrikanische Teilnehmer an der Weltmissionskonferenz im schottischen Edinburgh streicht heraus, dass die WM für sein Land und die Nachbarn ein grosses Ziel darstellte, auf das man hinarbeitete. Was wird nachher die Völker motivieren? Es gebe kein Land mehr von einem ungerechten System zu befreien, sagt Maluleke, der dem Südafrikanischen Rat der Kirchen vorsteht. Was kommt nach den Höhepunkten dieses Mega-Events, auf den hin sich ganz Afrika gefreut hat? Die Vision einer Neuordnung der Beziehungen zwischen den Ländern Afrikas und dem Westen habe in den letzten Jahren an Leuchtkraft verloren.

Afrika will gehört werden

Dass die Wuwuzelas tröten, nimmt Maluleke als Beleg dafür, dass Afrika sich Gehör verschaffen will - mit seinen eigenen Tönen, nicht so, wie andere von ihm reden. "Hier ist ein Kontinent, der immer noch nach Anerkennung schreit, nach Würde, nach positiver Deutung." Der Theologe findet die zeitliche Nähe der Edinburgher Weltmissionskonferenz, die im Mai stattfand, und der Fussball-WM sinnig: Denn heute wachse die Kirche im globalen Süden am raschesten, "und viel vibrierende christliche Mission geht hier ab".

Auf die Frage nach den tieferen Gründen dafür meint Maluleke, der Süden trage die Last der schattierten Kirchengeschichte nicht. Die Menschen könnten sich das Christliche unbeschwerter aneignen und es bekräftigen. "Ich denke, die Menschen fühlen sich freier, Christen zu sein, ohne die Verlegenheit, die man heute in Europa und anderswo antrifft." Zudem sei der Glaube im Süden nicht so ins Private abgedrängt worden.

Kichen an der WM

Laut Tinyiko Sam Maluleke haben die Kirchen an der WM viel zu tun. Sie könnten zur Gastlichkeit des Landes beitragen, den Tourismusfachleuten zur Seite stehen. Kirchen könnten das touristische Angebot mit Menschlichkeit anreichern, "so dass es nicht nur um Tourismus geht, sondern um Gastfreundschaft". Andererseits hätten sich die Christen auch um die zu kümmern, die jetzt besonders ausgebeutet würden, auch Prostituierte. Von überallher kämen in diesen Wochen Geschäftemacher nach Südafrika. "Die Kirche sollte sich um die kümmern, die in dieser Zeit nicht für sich selbst sorgen können." Die WM dürfe nicht nur ein Event der Reichen und für die Reichen sein.

Maluleke erinnert in diesem Zusammenhang an die Geschichte vom armen Lazarus, der krank vor der Türe des Reichen lag. Die Kirche müsse sich um Lebensqualität und Teilhabe für die Armen bemühen - über die Festfreude dieser vier Wochen hinaus. 

Pseudo-Religion

Ja, auh für Maluleke ist Fussball eine Form von Religion - eine ärmliche verglichen mit dem Christentum. Die Gesänge zeigten, dass sich der Fussball von der Religion Energien ausleihe. Nationalismus und Heldenverehrung hätten etwas Quasi-Religiöses. Darum sollten die Kirchen darauf hinweisen, dass niemand, kein Start, göttlich ist - und das Ganze ist ein Spiel. Aber für den armen Dorfjungen im südafrikanischen Buschdorf sei die WM eben doch ein Anstoss, auf ein Ziel hinzuarbeiten und in dem, was er tue, besser zu werden.
Datum: 21.06.2010

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