Afrikanische Demokratie und Islam

Kenias Kirchen mit neuer Verfassung unzufrieden

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Kenia
Die Kenianer haben am Donnerstag eine neue Verfassung im Verhältnis 2:1 angenommen. Die Kirchenleiter des ostafrikanischen Landes, die sich dagegen ausgesprochen hatten, wollen nun die Gesetzgebung im Parlament beeinflussen.

Während im Nachbarland Somalia islamistische Milizen wüten, stimmte Kenia über eine neue Verfassung ab, die das nach 2007 geschaffene Ministerpräsidentenamt aufhebt, die Macht des Präsidenten aber beschneidet und die Neuverteilung von besetztem Land möglich macht. Das Resultat eindeutig; es kam nur zu wenigen Zwischenfällen. Erziehungsminister William Ruto, der Führer der Verfassungsgegner, gestand noch vor Bekanntgabe eines offiziellen Endergebnisses die Niederlage ein. Der Sekretär des Nationalen Kirchenrats, Peter Karanja, beklagte indes Unregelmässigkeiten in der letzten Phase, bis hin zur Stimmabgabe.

«Gott wird unser Richter sein»

Leiter und Pastoren aus den meisten Kirchen Kenias hatten sich politisch stark engagiert und gegen die neue Verfassung gekämpft. Der Primas der Anglikaner votierte allerdings kurz vor dem 4. August noch für Stimmfreigabe. Nachher äusserte der Präsident der Bischofskonferenz, Kardinal Njue die Überzeugung, die Christen hätten ihre Verantwortung mit Sorgfalt und Respekt wahrgenommen. «Gott wird unser Richter sein.» Das Parlament wird nun insgesamt 49 Gesetze erarbeiten und beschliessen, um die Verfassung umzusetzen.

Abtreibung - und Kadis

Der eine Hauptgrund für den anhaltenden Widerstand in den Kirchen ist die Beibehaltung von islamischen Gerichten. Der andere, dass künftig neben Ärzte auch anderes ausgebildetes medizinisches Personal die Erlaubnis zu Abtreibungen geben kann. Die wertkonservativen Christen befürchten, dass damit unkontrollierter Abtreibung Tür und Tor geöffnet wird.

Islamische Gerichte, die in familienrechtlichen Fragen urteilen, gab es schon bisher: 1963 hatte der Sultan von Sansibar auf seine Jurisdiktion über den Küstenstreifen verzichtet, doch wurde Muslimen dort zugestanden, ihre Familien- und Erbstreitigkeiten von islamischen Richtern (Kadis) entscheiden zu lassen. Im Zuge des Wachstums der muslimischen Minderheit wurden im übrigen Land weitere islamische Gerichte geschaffen. Im Mai urteilte jedoch das Obergericht in Nairobi, Kadis dürften nicht amtieren und ihre Berücksichtigung in der Verfassung gebe Muslimen Vorteile gegenüber anderen Religionsgemeinschaften. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt.

Mit Scharia gegen Fanatismus?

Ob die nun per Volksentscheid genehmigte Bestimmung dem ethnisch wie religiös gespaltenen Land zu einer besseren Zukunft verhilft, bleibt abzuwarten. Somalische Flüchtlinge, fast alle Muslime, strömen ins Land und machen den Einheimischen Angst. Die Kirchen sind mit dem muslimischen Begehren konfrontiert, Bestimmungen der Scharia zunehmen durchzusetzen. Zwei Monate vor der Fussball-WM hatten islamische Gelehrte in der Stadt Mandera, unweit der somalischen Grenze, das Public Viewing untersagt. Muslime befürworten Kadi-Gerichte mit dem Argument, so werde der Einfluss von Imamen begrenzt. Wenn Kadis die Anwendung der Scharia regelten, könnten sie der Islamisierung einen Damm entgegensetzen.

Granaten auf Grossveranstaltung

Die Kirchen hatten sich mit Oppositionsparteien zusammengetan und Grossveranstaltungen durchgeführt, um ihre Argumente unters Volk zu bringen und mit Nachdruck Änderungen zu fordern. Im Juni wurden drei Granaten in eine im Zentrum Nairobis versammelte Menge geworfen. Sie töteten sechs und verletzten gegen 80 Personen. Kirchenvertreter gaben der Regierung eine Mitschuld an dem Anschlag.

Datum: 09.08.2010

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