In der Hauptstadt Conakry, die auf einer Halbinsel am
Atlantik liegt und zwei Millionen Einwohner aus allen Volksgruppen hat,
herrscht derzeit grosse Spannung. Die zweite Runde der Präsidentenwahl, die am
19. September hätte stattfinden sollen, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
Die Gründe dafür reichen Jahrzehnte zurück.
Unterwegs zu den Peul: Strasse im Wald Guineas.
Guinea gehört zu den Ländern Westafrikas, die selten in den
Schlagzeilen auftauchen. Es ist sechs Mal so gross wie die Schweiz und hat etwa
zehn Millionen Einwohner. Das guineische Volk setzt sich aus über 40
verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen. Sie sprechen jeweils ihre eigene
Sprache, die Amtssprache ist Französisch.
Putschisten und Attentäter
Nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1958 war Guinea ein
sozialistischer Staat unter der Herrschaft von Ahmed Sekou Touré, der politisch
anders Denkende hinter Gitter brachte. Nach seinem Tod 1984 übernahm General
Lansana Conté die Macht. Wegen Armut, Missständen und Korruption kam es 2007 zu
Massendemonstrationen mit mehreren hundert Toten. Nach Zugeständnissen des
Präsidenten beruhigte sich das Land. Als er Ende 2008 starb, entstand ein
Machtvakuum. Nach zwei Tagen übernahm eine Militärregierung unter Hauptmann
Moussa Dadis Camara die Macht. Als politische Gegner am 28. September 2009 im
Fussballstadion von Conakry eine Massenkundgebung durchführten, feuerte das
Militär in die Menge und tötete vermutlich viele Dutzend Menschen. Am 3.
Dezember 2009 überlebte Präsident Camara ein Attentat schwer verletzt. Seither
führt der Vize-Präsident und Verteidigungsminister Sékouba Konaté die
Regierungsgeschäfte. Mit dem von ihm ernannten Premierminister aus der
Opposition hat er auf Präsidentschaftswahlen hingearbeitet, um dem Land
Stabilität zurückzugeben.
Hartes Leben in einem reichen Land
Guinea ist reich an Bodenschätzen und hat ein günstiges
Klima, aber es gehört trotzdem zu den ärmsten Ländern der Welt. Zum einen lässt
sich das auf Misswirtschaft zurückführen. Ein weiterer Grund ist Korruption und
Ausbeutung der Ressourcen durch einige wenige, so dass der Ertrag in private
Taschen fliesst statt in die Staatskasse. Guinea zählt zu den zehn korruptesten
Ländern der Welt. Die Auswirkungen der Korruption sind verheerend und ziehen
sich durch alle Lebensbereiche. Dies fängt beim Verkehrspolizisten an, der die
Hand aufhält, über Lehrer, die für Geld oder Sex bei der Klausur ein Auge
zudrücken, bis hin zur Vetternwirtschaft auf höchster politischer Ebene.
Die Lebenserwartung beträgt 54 Jahre, die Hälfte der
Bevölkerung ist jünger als 17 Jahre. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 36%.
Es besteht allgemeine Schulpflicht, aber bei weitem nicht jedes Kind geht auch
zur Schule. Obwohl die öffentlichen Schulen kein Schulgeld kosten, müssen doch
Schuluniformen, Hefte und Kugelschreiber gekauft werden, was kinderreiche
Familien häufig vor Probleme stellt. An öffentlichen Schulen ist eine
Klassenstärke von 200 Schülern nicht ungewöhnlich, so dass der gewünschte
Lernerfolg häufig ausbleibt und es vorkommt, dass Fünftklässler noch nicht
lesen können.
Die Kindersterblichkeit ist 15,5 Mal so hoch wie in der
Schweiz. Krankheiten, die in Europa harmlos sind, können hier tödlich enden, da
medizinische Hilfe häufig zu spät gesucht wird. Einerseits werden meistens zuerst
Zauberdoktoren konsultiert, andererseits sind Ärzte und Medikamente teuer.
Obwohl 1965 die Genitalbeschneidung von Mädchen offiziell verboten wurde, wird
dieser Initiationsritus noch verbreitet praktiziert. Hilfsorganisationen
schätzen, dass 99% der guineischen Frauen an den Geschlechtsorganen verstümmelt
sind.
Die Hälfte der Guineer ist unter 14-jährig.
Religion
Guinea wird in vier natürliche Regionen unterteilt. In
dreien ist jeweils eine Volksgruppe vorherrschend: die Susu im Küstengebiet,
die Peul im Fouta Djalon (Bergland) und die Malinke in Oberguinea
(Haute-Guinée). Diese drei Regionen sind sehr stark muslimisch geprägt. Als der
Islam im 17. Jahrhundert von Osten her nach Guinea vordrang, wurden diese
Gebiete islamisiert. Die südöstlichste Region (Waldguinea) wurde dabei
ausgespart. Daher konnte hier der christliche Glauben wesentlich besser Fuss
fassen, als im 19. Jahrhundert die ersten katholischen Missionare ins Land
kamen. Heute sind 85% der guineischen Bevölkerung Muslime, 10% sind Anhänger
von Naturreligionen und 5% sind Christen. Die beiden letzteren sind vorwiegend
in Waldguinea zu finden.
Das Land ist vom Volksislam geprägt, also einem muslimischen
Glauben gemischt mit animistischen Elementen. Es herrscht Religionsfreiheit in Guinea,
aber ein Muslim, der sich zu Jesus Christus bekehrt, hat mit starken Problemen
zu kämpfen: Von sozialer Isolation über wirtschaftliche Nachteile bis hin zu
Lebensgefahr.
Mit einer Pfingstkonferenz will die Vineyard-Bewegung über Pfingsten den geistlichen Aufbruch in Europa fördern. Wer ist die Vineyard, und was bewegt...