In Jordanien erwartet ihn der Tod

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Sultan Assawahri (rechts) erzählt im Fernsehen seine dramatische Geschichte.
Der Jordanier Sultan Assawahri war einst ein guter Moslem. Dann entschied er sich für ein Leben als Christ. Während seiner Abwesenheit wurde seine Frau ermordet, von ihrem eigenen Vater – wegen «Abfallen vom Islam». Sultan droht das gleiche Schicksal. In der Schweiz scheint er dennoch abgewiesen zu werden.

Sultan Assawahri und sein Bruder Saddam sitzen auf dem Flughaben in Kloten fest, seit dem 7. Februar 2009. Sultans Asylantrag wurde in erster Instanz abgelehnt, ein Widererwägungsgesuch ist hängig. Assawahri will nicht zurück nach Jordanien, aus gutem Grund. Sultan ist heute Christ. Der ehemalige Moslem schilderte seine Lebensgeschichte in einem christlichen, arabischen Fernsehsender. Als einer, der den Islam verlassen hat, ist er quasi vogelfrei.

Sultan Assawahri wuchs als «guter Moslem» auf. In seinen Teenager Jahren wurde er in Jordanien von einer Terrorzelle geködert. Er habe sich für den «heiligen Krieg» vorbereitet. «Ich wollte in den Krieg im Irak. Ich wollte „ungläubige Amerikaner“ töten, irgendwann als Märtyrer umkommen, um ins Paradies zu gelangen!» Schliesslich sei er tatsächlich im Irak angekommen. «Ich wollte Amerikaner töten, aber es gelang nicht.» Er sei 20 Tage im Irak gewesen.

Frau ermordet – wegen Abfall vom Islam

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Das römische Theater in Amman (Foto Markv).
In einer Diskussion zwischen Moslems und Christen habe er dann den Unterschied zwischen dem Islam und dem Christentum entdeckt und die Liebe, die der Gott der Bibel zeigt, habe ihn angesprochen. Sultan Assawahri entschied sich für ein Leben mit Jesus – und galt dadurch in seiner Heimat als «Abgefallener». Seine Frau Rana Riad Muhammad Siwahra wurde von ihrer Familie unter «Hausarrest» gestellt. Sultan wurde angehalten, zum Islam zurückzukehren, dann wäre alles wieder in Ordnung, dann würde niemand in töten wollen; denn inzwischen kursierte sein Namen auf islamistischen Internet-Seiten.

Dann gelang Rana die Flucht zu Sultan. Sie sagte, dass sie mit ihm leben wolle und dass sie am besten ins Ausland fliehen würden. Auch sie wolle den Gott der Bibel finden.

Doch dann, als Sultan gerade weg war, fand Ranas Vater seine Tochter. Er tötete sie am 28. August, 2008, wenige Tage vor Ranas 21. Geburtstag; sie war die Mutter zweier Mädchen. Fünf bis sechsmal stach er ihr mit einem Messer in den Bauch und in die Brust, ehe er ihren Schädel mit einem Stein einschlug. Danach wusch er seine Hände und ging auf den Markt, wo er später verhaftet wurde.

«Es ist für immer dein Fehler!»

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Jordanien ist ein Königreich. 95 Prozent der Einwohner sind Moslems.
Die jordanische Presse berichtete von einem «unklaren» Motiv, von einer «Meinungsverschiedenheit» und einem Mord im Affekt. Abfall vom Islam oder der Islam selbst werde in der Presse nie als Motiv geschildert.

Im christlichen, arabischen Satellitenfernsehen «Qanat al-Haya» («Live TV») in der Sendung «Su’al Jar’i» («gewagte Frage»), schilderte Sultan seine Lebensgeschichte (Hier geht’s zur Sendung) und dass seine Frau wegen der islamsichen Kultur ermordet wurde.

In die Fernsehsendung wurde auch Ranas Familie zugeschaltet. Und während der Vater sagte: «Das ist ewig dein Fehler», ist im Hintergrund die Mutter zu hören, die brüllt: «Du Hurensohn!» und «Du Abschaum, Christenhund!»

Weitere Anrufer in der Sendung sagten, dass nicht sicher sei, ob Rana bereits Christin gewesen sei. Man habe also womöglich eine Unschuldige getötet, es sei falsch gewesen. Das Töten von «Abgefallenen» stellten die Anrufer eher nicht in Frage.

Sultan will seine Töchter zurück, doch die hat der Schwiegervater an sich gerissen – eine Praxis, die in islamischen Staaten verschiedentlich zu beobachten ist: Wenn in einer islamischen Familie die Eltern den Glauben wechseln, kann es kritisch werden, weil die Gesellschaft fordert, dass islamische Kinder nicht von «ungläubigen» Eltern erzogen werden – das Sorgerecht wird womöglich entzogen.

«Welche Religion macht den Vater zum Tochtermörder?»

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Die jordanische Flagge.
Eine Frage stellt sich Sultan: «Was ist das für eine Religion, die den Vater dazu bringt, seine eigene Tochter zu ermorden?» Denn, so Sultan: «Mein Schwiegervater war immer ein guter Mann! Es ist die Religion, die ihn zu dieser Tat instruiert hat.»

Das Problem sei, dass solche Fälle in der islamischen Welt dauernd geschehen, die meisten würden den Weg nicht einmal in die dortige Lokalpresse finden.

Sultan Assawahri ist seither auf der Flucht, seit besagtem 7. Februar 2009 in der Schweiz, zusammen mit seinem Bruder Saddam. «Ich habe hier meinen Pass abgegeben und ich kann meinen Fall belegen.» Dennoch sei der Entscheid negativ ausgefallen. «Doch zurück nach Jordanien kann ich nicht. Wenn der Vater seine Tochter umbringt, was tut er dann mit mir?» Christen werde das Leben selbst im als «moderat» bezeichneten Jordanien schwer gemacht. «Die Polizei kann mich dort nicht schützen, sie könnte mich höchstens in Schutzhaft nehmen.»

«Meine Geschichte kann man überprüfen!»

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Strassenszene in Amman (Foto Matanya).
In Kloten begann Sultan einen Hungerstreik, den er inzwischen wieder beendet hat. «Ich bin nicht hierher gekommen, um zu essen, sondern um in Sicherheit zu sein und ein neues Leben zu beginnen. Aber besser hier in Frieden sterben, als dort getötet zu werden.» Was ihn ärgere, sei, dass Moslems, die ihre Pässe «verloren» haben, problemlos reingelassen werden, wenn sie eine Hollywood-Geschichte auftischten.

Verschiedentlich kommt vor, dass Jordanier sich für Palästinenser ausgeben, um Asyl zu erschleichen. «Ich bin ehrlich, man kann meine Geschichte prüfen, ich habe meinen Pass dabei und bin nachweislich in Gefahr. Warum werde ich nicht reingelassen?» Auch ein Gefängnis in der Schweiz bezeichnet Sultan als immer noch besser als eine Rückkehr in ein islamisches Land, wo Mordaufrufe gegen ihn kursieren.

Links zum Thema:
Das Video mit Sultan Assawahri (arabisch, ins Englische übersetzt) – Sultan ist ab der siebten Minute in der Sendung
Sultans Geschichte auf einer koptischen Nachrichtenseite (englisch)
Ein weiterer Fall aus Jordanien (englisch)
Wenig Toleranz erfahren ausländische Christen (englisch)

Datum: 05.03.2009

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