Schwarze bringen Farbe in Italiens evangelische Gemeinden
Maria Bonafede
Benedikt XVI. hat kein Interesse an den Protestanten als Partnern. Dies sagt Pfarrerin Maria Bonafede, die Moderatorin der Waldenserkirche, der ältesten evangelischen Kirche Italiens. Aufregend ist für die zerstreute protestantische Minderheit der Zustrom von Migranten.
Unter dem amtierenden Papst würden die Evangelischen vom katholischen Umfeld stärker unter Druck gesetzt als zu Zeiten Johannes Pauls II., sagte Bonafede bei einem Besuch in der Schweiz dem Internet-Dienst Livenet.ch. Weiterhin zielten katholische Kreise darauf ab, die evangelischen Gemeinden aus der Öffentlichkeit zu drängen, so dass sie unsichtbar werden. Allerdings schätzten einzelne katholische Bischöfe die Protestanten. Bonafede nennt die Oberhirten von Perugia in Umbrien und Pinerolo im Piemont. "Und wir haben an der Basis der katholischen Kirche viele Freunde."
"Frischer Glaube" von jenseits des Meeres
Mit all den Brüdern und Schwestern, die von Afrika, Asien und Osteuropa nach Italien kommen, bietet sich den kleinen evangelischen Gemeinden Italiens eine grosse Chance. "Rumänische, polnische und philippinische Christen beleben unsere Szene. Einige Gruppen integrieren sich, andere nicht." Es gibt überalterte Waldenser- und Methodistengemeinden in Kleinstädten, die nun Zuwanderer haben, beispielsweise junge Familien aus Ghana. Im Veneto suchen Afrikaner Arbeit, auch in Sizilien kommen Schwarze in die Gottesdienste. Die Gemeinden haben sich laut der Kirchenleiterin mit ihrem "frischen Glauben" auseinanderzusetzen. "Sie suchen die evangelischen Gemeinden auf. Unsere Sonntagschulen leben mit den schwarzen Kindern auf."
Starke katholische Laienbewegungen
Der Rückhalt der katholischen Kirche in Italiens Bevölkerung bröckelt ab. Nach einer Studie praktizieren den Glauben noch 20 Prozent. Vier von fünf Italienern halten sich von der Kirche fern. Bonafede: "Die Basis der katholischen Kirche ist schwach." Die meisten Katholiken hätten die Kirche nötig für Taufe, Trauung und Bestattung. Anderseits sind konservative Laienbewegungen wie ‚Communione e Liberazione', die Focolarini und Sant'Egidio sehr lebendig. Sie überzeugten durch Nächstenliebe und Dienste an den Armen, sagt Bonafede. Mit den beiden letztgenannten unterhielten die Waldenser und Methodisten gute Kontakte.
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