Welche sexuellen Wünsche hat mein Partner?

In Talk-Shows und im Schulunterricht werden intime erotische Details diskutiert. Nur in der Ehe herrscht oft lähmendes Schweigen. Wie lernen wir über Sex reden?

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Let's talk about sex now!
Ein älterer Mann sagte mir: «Ich habe mit meiner Frau nie über Sex geredet.» Bei anderen Paaren haben offene Gespräche über Erotik, sexuelle Bedürfnisse und intime Wünsche noch immer Seltenheitswert. Im besten Fall schiebt man sich «ansprechende» Artikel aus Zeitschriften hin und her, legt dem Partner dezent ein christliches Buch auf den Nachttisch: «Das solltest du mal lesen!» Wobei das Thema dann meistens erledigt ist. Tragisch wird die intime Sprachlosigkeit, wo das sexuelle Miteinander von einem oder beiden Partnern als konfliktvoll erlebt wird. Dann sind tief gehende Verletzungen oft vorprogrammiert.

Nicht «zwecklos»

Zugegeben: Die Sexualität gehört zu den verletzlichsten Bereichen unseres Lebens. Vermutlich fällt es deshalb vielen so schwer, darüber ins Gespräch zu kommen. Ein anderer Grund könnte in übersteigerten Erwartungen an die Dauer und Intensität intimer Gespräche liegen. Setzen sich Absprachen zum sexuellen Miteinander in der Partnerschaft dauerhaft nicht um, resignieren viele Paare und stellen das Intimgespräch als «zwecklos» ein. Doch die Tabuisierung des Sexuellen im Gespräch kann fatale Folgen für eine Partnerschaft haben. Und nicht nur dort. Aus pädagogischer Sicht ist uns mit der Sexualität eine lebenslange Entwicklungs- und Gestaltungsaufgabe gegeben, über die wir als Eltern, Kinder, Heranwachsende und Ehepartner miteinander im Gespräch bleiben müssen.

Sich selber kennen

Wer guten Sex will, muss seinen Körper kennen und annehmen. Erst das Ja zu unserem sexuellen Empfinden macht frei zum unverkrampften Austausch im Gespräch. Und nur wer auf die eigenen körperlichen Bedürfnisse, Signale und Grenzen achtet, wird sich dem Partner liebevoll zuwenden und offen auf seine Wünsche und Bedürfnisse eingehen können.

Alte Anleitung

Auch langjährige Partner kennen die sexuellen Wünsche und Bedürfnisse des anderen nur selten genau. Wir verändern uns ständig. Deshalb müssen sich Paare immer wieder neu aufeinander einstellen und übereinander aufklären: Was steigert unsere Lust auf den Partner? Wo sind wir sexuell besonders erregbar? Welche Zärtlichkeiten wünschen wir uns und wie lassen wir uns am liebsten «verführen»? Auch über Sehnsüchte und erotische Fantasien gilt es zu sprechen: Was würden wir in unserem sexuellen Zusammensein gerne verändern, ausprobieren, erproben? Ein schönes Beispiel des intimen Dialogs ist das Hohelied des Königs Salomo. Seine offene Beschreibung der kreativ-lustvollen Seiten der körperlichen Liebe gibt eine gute Anleitung dafür, wie wir es im Gespräch miteinander auch tun können.

Mitteilen lernen

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Entspanntes Miteinander: Ein Buch kann eine Einstiegshilfe zum Gespräch sein.
Sagen Sie Ihrem Partner spontan, was Sie an ihm schätzen, was ihn begehrenswert macht, wie gut Ihnen seine Liebe tut! Aber überlassen Sie Gespräche nicht immer dem Zufall. Auch die sexuelle Partnerschaft braucht eine geregelte Kommunikation. Treffen Sie konkrete Absprachen und planen Sie den äusseren Rahmen. Ein romantisches Nachtessen, ein Entspannungsbad oder ein Spaziergang: All dies vermeidet das Gefühl einer «therapeutischen Sitzung». Artikel aus Zeitschriften und Büchern bieten hilfreiche Einstiegsmöglichkeiten. Legen Sie die Gesprächsthemen miteinander fest. Hören Sie einander zu und nehmen Sie einander ernst!

Datum: 19.04.2002
Autor: Günther Kress
Quelle: Chrischona Magazin

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