Boppis Morgengedanken: Minarett

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Minarett hin oder Minarett her – solange niemand von meinem Balkon herunter zum Gebet ruft, stört es mich und meine Nachbarn herzlich wenig. Weiss nicht, was die Schweizer da haben. Wo liegt denn der Hund begraben?

Dass Minarette zum Leben erweckt werden – oder nicht doch eher, dass unsere Kirchen sterben?! Aussterben? Die eindeutig wichtigere Frage ist doch wohl, warum wir so ein Geschrei um das Geschrei eines Muezzins machen, während wir die traditionellen Kirchenglocken zum Schweigen bringen. Und christliche Symbole und Gebete aus unseren Schulzimmern entfernen! Wahrscheinlich müssten die Moslems gar keine Minarette bauen – sondern einfach nur noch zehn Jahre abwarten, bis von den freundlichen Schweizern keiner mehr in die Kirche hüpft. Dann könnten sie diese leerstehenden, zu geschichtsträchtigen Mahnmalen verkommenen Gebäude aufkaufen und vom Kirchturm herunter gleich mit den Kirchenglocken zum Gebet rufen.

Natürlich darf man über so ein Thema eigentlich gar nicht schreiben. Geschweige denn zeichnen. Doch im morgendlichen Dämmerlicht sieht die Sache gar nicht so bedrohlich aus, wie sie immer gemalt wird. Mein Lösungsansatz gleicht vielleicht ein wenig meiner ungestümen Frisur, ist aber so im Halbschlaf doch ganz ansehnlich. Wie wärs, wenn wir aufhören mit diesem Angst-Krieg?! Anstatt das Fremde zu bekämpfen wäre es doch viel sinnvoller, das Eigene zu bewahren.

So heisst es in der Bibel nicht umsonst: Ist Gott für mich, wer kann gegen mich sein! Anstatt sich vor einer schleichenden Islamisierung zu fürchten und wie ein in die Ecke gedrängtes Tier um sich zu beissen, wäre es doch viel kraftvoller, sich wieder einmal auf die eigenen, christlichen Werte zu besinnen und für diese einzustehen! Wenn die so gut sind, wie wir immer behaupten, dann werden sie doch den einen oder andern überzeugen und gewinnen. Ich versuche, Hoffnung statt Angst zu leben. Gar nicht immer so einfach. Vor allem, wenn ich im Spiegel meine Frisur betrachte.

Datum: 20.07.2007
Autor: Andreas Boppart

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