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Buch-Interview: Und der Dalai Lama lächelte

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Bruno Waldvogel-Frei
Ihr Buch "Und der Dalai Lama lächelte ..." ist eigentlich eine Streitschrift.
Was haben sie denn gegen den Dalai Lama und gegen den Buddhismus?

Ich schreibe weniger gegen den Dalai Lama als gegen die Blindheit des Westens. Da ist auf der einen Seite die berechtigte Faszination für die fremde Welt des Tibet. Auf der andern Seite wird diese Welt idealisiert. Vor diesem Hintergrund kann der Dalai Lama für den tibetanischen Buddhismus missionieren.

Missionieren? Der Dalai Lama ruft die Menschen des Westens immer wieder dazu auf, Christ zu bleiben. Nicht gerade das, was man von einem Missionar erwartet.
Stimmt – aber nur vordergründig! Der tibetische Buddhismus setzt bewusst magische Techniken zur Eroberung neuer Gebiete ein. Wie das genau geschieht, habe ich anhand der Vorbereitungen zu „Kalachakra for Worldpeace“ in Graz beschrieben – nachzulesen in meinem Buch.

Wenn wir genau hinschauen, sehen wir, dass das buddhistische Weltbild mit dem christlichen absolut nicht zu vereinen ist. Während die Christen an einen Gott glauben, den sie um Hilfe bitten dürfen, sind die Buddhisten überzeugt, alles aus sich heraus schaffen zu können. Damit macht der Buddhismus seine Anhänger zu coolen Akteuren. Ähnlich wie in den Matrix-Filmen, wo Neo zu einer eigentlichen Erlöserfigur hochstilisiert wird. Diese Coolness, dieser Stoizismus hat etwas Faszinierendes. Die Folge ist aber ein mitleidloser Egoismus, wo jeder versucht, sich selber zu verwirklichen. Achtsamkeit und Respekt für den andern, die angeblich so zentralen Werte des Buddhismus, sind nichts als Schlagworte die der Dalai Lama geschickt unter das Volk bringt.
Denkt man z.B. den Kharma-Gedanken zu Ende, darf man dem Armen gar nicht zu einem neuen Leben verhelfen, weil er sonst gegen sein Kharma verstösst und dann im nächsten Leben in die Tierwelt absteigen muss. Die Armen sind arm, weil sie es verdient haben. Wenn derartige Gedanken nun auch noch religiös begründet bei uns Schule machen...

Ihre Ängste werden nicht von allen Kirchenvertretern geteilt.
Ich weiss. Viele von meinen Kollegen sind dankbar, wenn sie sich einen Moment lang im Glanz seiner Heiligkeit aufhalten dürfen. Statt den christlichen Standpunkt genau darzulegen und ihn dem Dalai Lama entgegenzustellen, nicken sie brav zu allem, was er sagt. Interreligiöse Gespräche im Fernsehen oder in Gotteshäusern werden so zu einem Monolog des Dalai Lama, bei dem die Gastgeber christlichen Vertreter zwei, drei kleine Fragen beisteuern, mehr nicht. Mit Dialog hat das nichts zu tun.

Und dieses Ungleichgewicht war für Sie der Anlass, eine Abrechnung mit dem tiebtischen Buddhismus zu schreiben?
Nur am Rand. Entscheidend für meinen Entschluss waren die Ideen, ich im Kalachakra Ritual und in der rituellen Zerstörung der kunstvollen Sandmandalas. Beide Rituale werden in Europa immer wieder durchgeführt und von Tausenden von Menschen getragen. Doch Kalachakra ist ein Text, der zur spirituellen (und physischen) Welteroberung aufruft. Und die Zerstörung der Mandalas weist auf eine nihilistische Grundhaltung, die auf die Zerstörung der Seelen zielt. Ich beschrieb diese Gefahren in einem Arbeitspapier, und Freunde rieten mir daraufhin, ein Buch zu schreiben.

Kenner des Buddhismus -Wissenschafter oder buddhistische Lehrerverwerfen die Hände, wenn man Ihr Buch erwähnt. Sie sagen, das Kalachakra sei eine alte Schrift, die man symbolisch lesen und deuten müsse. So wie die teilweise blutrünstigen Texte aus dem alten Testament.
Das gibt es so im Tantrismus nicht – dort sind Symbol und Realtität dasselbe. Man kann symbolisch morden oder real – da die ganze Welt eine Illusion ist, spielt es letztlich keine Rolle. Ausserdem holt der Dalai Lama höchst persönlich in allen politischen Fragen bei einem okkulten Medium, dem Nechung Orakel, Rat. Klingt nicht sehr symbolisch. Es gibt eine eigentliche Tibet-Lobby. Die theologischen und relgionswissenschaftlichen Seminare an den Universitäten sind voll von Special friends of his Holiness. Von ihnen kommt heftigster Widerstand, wenn man am Bild des Dalai Lama kratzt.

Das tönt, als sei da eine grosse Unterwanderung im Gang.
Der Buddhismus bekämpft andere Religionen nicht offen. Er stülpt sich vielmehr über die andern Religionen, in unserem Fall über das Christentum, höhlt es aus, übernimmt Teile davon und macht die buddhistische Lehre damit für die Westler konsumierbar. Für den Preis, dass der christliche Schöpfergott letztlich aufgelöst wird. Ich kann nicht einsehen, was an dieser Selbsterlösungsreligion so erlösend sein soll. Also ich möchte jedenfalls nicht auf die Erlösung durch Christus verzichten.

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Was Sie da beschreiben sind Mechanismen, die man aus Alien-Filmen wie "The Invasion of the body-snatchers" kennt.
Klingt verrückt, stimmt aber so im Kern. Und die christlichen Kirchen schauen tatenlos zu nach dem Motto: es ist alles dasselbe. Gegen diese Passivität schreibe ich an.

Buchinfos:

Waldvogel-Frei, Bruno: Und der Dalai Lama lächelte
Die dunklen Seiten des tibetischen Buddhismus
Schwengeler
Best.Nr.: 818386, ISBN: 3-85666-386-X, 144 Seiten
Bestell-Links: Schwengeler
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Datum: 12.08.2005

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Menschsein bedeutet, sich von Zeit zu Zeit auf Neues einlassen zu müssen. Für die einen ist das spannend, sie lieben das Abenteuer, das Entdecken und Auskundschaften. Für andere ist es eher anstrengend, sich auf Unbekanntes einzustellen.

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