Wie christlich ist der neue "Narnia"-Film?

Der erste Film der "Chroniken von Narnia" kommt in die Kinos. Unzählige Fans der Geschichte des christlichen Autors C.S. Lewis auf der ganzen Welt warten gespannt darauf, zu sehen, wie die amerikanischen Filmprofis Disney und Walden Media den berühmten Epos auf die Leinwand gebracht haben. Wir haben uns den Film vorab angesehen. Er erzählt von der Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Glaubens und wie er scheinbar mit der Rationalität in Konflikt gerät.

Wer die Geschichte von "Narnia" kennt, weiss, dass hier ein Krieg zwischen der bösen weissen Hexe mit ihren düsteren Untertanen und den Bewohnern von Narnia geführt wird. Daher bleibt es nicht aus, dass Kämpfe ausgefochten werden und Waffen klirren, wenn Hass auf Furcht prallt. Der Film stellt diesen Konflikt prächtig dar, daher sollten sich zarte Gemüter bewusst sein, dass dies kein Disney à la "Bambi" ist, sondern hier düstere Gestalten in die Schlacht ziehen. Wer aber einigermassen an die Sehgewohnheiten des heutigen Kinos gewöhnt ist und "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" gesehen hat, den wird im Narnia-Film nichts schocken können.

Ein Genuss sind die geschliffenen Computer-Effekte. Hier sprechen Tiere so realistisch und selbstverständlich wie Menschen. Aber so drollig ein sprechender Biber auch wirken mag, so scheusslich kommen auch massige Orks oder einäugige Zyklopen rüber. Der Zuschauer kann sich auf eine bunte Welt der Fantasie-Wesen gefasst machen, und manches Mal glaubt man sich in einen anderen Film versetzt, in dem bereits zur Weihnachtszeit Orks gegen Hobbits kämpften. Dabei werden die sprechenden Tiere stets mit einem ironischen Augenzwinkern präsentiert: Als sich Edmund etwa mit seinem neuen Pferd vertraut macht und es anfeuert mit "Los, Pferdchen", dreht sich dieses bloss um und sagt lässig: "Ich heisse Philip."

Biblische Symbolik im "Narnia"-Film

Der Film hält sich weitestgehend an die Vorlage von C.S. Lewis. Lediglich kleinere Szenen wurden hinzugedichtet. So findet sich etwa eine gefährliche Überquerung des vereisten Flusses nicht im Buch. In der Original-Vorlage kommen die Wölfe den verfolgten Helden auch nie so nah, dass sie sie fast mit ihren Zähnen erwischen. Die wesentlichen Inhalte jedoch und vor allem die Parallelen zur biblischen Erlösungsgeschichte sind eins zu eins umgesetzt.

So ist für Christen die ergreifende Opferung des Löwen Aslan deutlich als Anspielung für den Stellvertreter-Tod Jesu am Kreuz erkennbar. "Es ist vollbracht!", sagt Aslan, als er die Hexe besiegt. Und der Altar, auf dem er stellvertretend für den "sündigen" Edmund hingerichtet wird, zerbricht nach seinem Tod in zwei Stücke. Aslan erklärt: die Hexe habe die uralte Prophezeiung falsch verstanden, "denn sonst hätte sie gewusst, dass, wenn ein freiwilliges Opfer, das keinen Verrat begangen hat, anstelle eines Verräters getötet wird, der Steintisch zerbricht und der Tod selbst weichen muss". Aslan ersteht auf wundersame Weise und in gleissendem Licht wieder auf und bringt die Schlacht um Narnia zu einem glücklichen Ende.

Vorher kommen, Maria und Magdala gleich, die beiden Mädchen Lucy und Susan im Morgengrauen als erste zum Leichnam Aslans und trauern um den eigentlichen König von Narnia. Des öfteren wird derjenige Zuschauer an die Kreuzigung Jesu erinnert werden, der die Passions-Geschichte gelesen oder den entsprechenden Film von Mel Gibson gesehen hat. Als Aslan zur Schlachtbank geführt wird, tanzt und feiert eine hasserfüllte Meute um ihn herum, verspottet und demütigt ihn.

Das Thema Vergebung wird ganz klar angesprochen, wenn Edmund, der alle verraten hat, reumütig zu seinen Geschwistern zurückkehrt und Aslan daraufhin alle ermahnt: "Was geschehen ist, ist geschehen. Von den vergangenen Taten Edmonds ist jetzt nicht mehr zu sprechen."

Gut nachgespürt ist auch der teuflische Charakter der bösen Hexe: erst verführt sie Edmund (mittels Süssigkeiten) dazu, seine Geschwister zu verraten, und wirft ihm kurz darauf genau diese Tat vor. Sie verspricht ihm die Herrschaft über Narnia, doch letzten Endes lügt sie ihn permanent an, um noch mehr Macht zu erlangen.

Das Unmögliche glauben

Nirgends im Film wird der Zuschauer freilich direkt mit der neutestamentlichen Aussage konfrontiert. Aber doch zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, dass man manchmal von der Wirklichkeit überrascht wird und als wahr anerkennen muss, was man vorher vollständig als "irrational" abgelehnt hat. Nicht grundlos heisst die bekannte Autobiographie von Lewis "Surprised by Joy" - "Überrascht durch Freude".

Mehrmals steht eine Person in dem Film fassungslos vor einer märchenhaften Offenbarung und bringt nur ein "Unmöglich...!" hervor. So muss die ältere Schwester Susan, die alles rational betrachtet, schliesslich doch die Existenz des Landes Narnia einsehen, und dass ein Schrank die Tür zu ihm ist. Gleichfalls muss die weisse Hexe mitten im Siegestaumel plötzlich erkennen, dass Aslan von den Toten wieder auferstanden ist und stammelt, wie zuvor Susan, nur ein "impossible!".

Es ist ausgerechnet der unnahbare Professor, bei dem die Kinder zu Beginn des Films einziehen, der die Geschichte um Narnia am besten kennt. Als Lucy von ihrer Entdeckung erzählt und alle Kinder sie für ihre durchgegangene Fantasie tadeln, ist er der einzige, der Lucy Glauben schenkt. Die schlaue Susan mäkelt: "Es ist so unlogisch!" Doch der Professor erwidert: "Was lehrt man den Kindern heutzutage bloss in der Schule!" Glauben ist doch nicht irrational! Nicht durch Zufall sind es Kinder, die später Könige werden, denn gerade ihr kindlicher Glaube macht sie zu Auserwählten. Und nicht durch Zufall ist es die Jüngste der vier, die Narnia als erstes findet.

Und der Zuschauer? Zum Schluss des Films, schon während des Abspanns, wird ihm noch einmal der mysteriöse Wandschrank präsentiert, der das Tor zu Narnia ist. Seine Tür geht auf, und ein gleissendes Licht tritt aus ihm heraus und fällt in die Dunkelheit, als wolle er den Zuschauer bitten: Betritt Narnia! Glaube daran, auch wenn es unmöglich erscheint!

Dossier: www.narnia.jesus.ch

Datum: 30.11.2005

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