Letzte Wahrheit

Glaubt Dan Brown, wie er selbst behauptet, möglicherweise tatsächlich daran, dass seine wirklichkeitsfremden Fehlinterpretationen wahr sind? Oder ist er philosophisch gesehen vielleicht postmodernistisch eingestellt? Postmodernisten, darunter Dekonstruktionisten, vertreten folgende Überzeugung: "Was immer für Sie wahr ist, ist schlicht und einfach die Wahrheit.

Es gibt keine objektiven Massstäbe oder allumfassenden Normen, da alles relativ ist." Gerade in diesen Tagen, da ich diese Abhandlung schreibe, versucht man, die Geschichtswissenschaften zugrunde zu richten. Dabei hat man inzwischen offensichtlich auch die Literatur ins Visier genommen (Im Grunde kann man sie durchaus als dasjenige Gebiet bezeichnen, auf dem Postmodernisten mit ihren entsprechenden Bemühungen begonnen haben: "Vergessen Sie die Wahrheit, die der Autor Ihnen vermitteln wollte - lassen Sie nur das gelten, was Ihnen wahr erscheint.").

Ich meinerseits würde mich unter keinen Umständen in einem Krankenhaus behandeln lassen, in dem die Ärzte das verschreiben könnten, was ihnen gerade einfällt, weil sie meinen, dies sei für einen bestimmten Patienten medizinisch notwendig ("Ich weiss, dass er eine Blinddarmentzündung hat, aber ich entferne ihm heute Morgen lieber die Mandeln!"). Und würde jemand in einem Flugzeug sitzen wollen, deren Piloten die Flughöhe ständig ändern würden - je nachdem, ob sie sich gerade in einer depressiven Phase oder einer Hochstimmung befinden?

Die Wahrheit enthält mehr wahre Sachverhalte als irgendwelche subjektiven, gegen sie gerichteten Angriffe - ungeachtet dessen, aus welcher Laune heraus man derzeit auch immer handeln mag. Brown fragt in seinem Roman: "Was gibt es Schöneres als Verschwörungstheorien?" (S. 233). Man kann nur hoffen, dass es am Ende für jeden "nichts Schöneres" gibt, als die Wahrheit mehr als alles andere zu lieben.

Autor: Paul L. Maier
Quelle: Dan Browns Sakrileg, Hank Hanegraaff & Paul L. Maier, CLV , ISBN 3-89397-553-5


Quelle: Fossilien: Stumme Zeugen der Vergangenheit

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