Papst Benedikt XVI. während dem Besuch in Oesterreich.
Papst Benedikt XVI. hat vor einem "Verrat" des Sonntags als christlicher Wochenfeiertag gewarnt. "Ohne den Herrn und ohne den Tag, der ihm gehört, gerät das Leben nicht", sagte der Papst in einer Festmesse im Wiener Stephansdom am Sonntag.
Er kritisierte, der Sonntag habe sich in den westlichen Gesellschaften zum Wochenende und zur blossen Freizeit gewandelt. "Wenn die freie Zeit nicht eine innere Mitte hat, von der Orientierung fürs Ganze ausgeht, dann wird sie schliesslich zur leeren Zeit", sagte das Kirchenoberhaupt.
Ökologische und soziale Aspekte
Benedikt XVI. unterstrich auch die ökologische und soziale Dimension des Sonntags. Christen sähen in dem Auferstehungstag Christi den ersten Tag der Schöpfung und damit das "wöchentliche Schöpfungsfest". Christen sollten angesichts der menschlichen Bedrohung der Umwelt diese Dimension bewusst aufnehmen, so der Papst. Der Sonntag im religiösen Sinn lasse auch die "Freiheit und Gleichheit aller Geschöpfe Gottes" spüren. Dabei erinnerte er an die vom christlichen Wochenfeiertag übernommene Tradition des jüdischen Sabbat als strikter Ruhetag.
"Gib der Seele ihren Sonntag"
Die Teilnahme am Sonntagsgottesdienst sei für Christen "nicht ein Gebot, sondern eine innere Notwendigkeit", so der Papst. Er erinnerte an frühkirchliche Glaubenszeugen, die für die Feier des Sonntags in den Tod gegangen seien. "Auch wir brauchen die Berührung mit dem Auferstandenen, der durch den Tod hindurch uns trägt", sagte Benedikt XVI. "Wir brauchen diese Begegnung, die uns zusammenführt, die uns einen Raum der Freiheit schenkt, uns über das Getriebe des Alltags hinausschauen lässt auf die schöpferische Liebe Gottes, aus der wir kommen und zu der wir gehen."
Freizeit sei "gerade in der Hetze der modernen Welt gewiss etwas Schönes und Notwendiges", sagte der Papst. Auf den Gottesdienst als Mitte des Sonntag zu verzichten, würde aber "dem Leben selbst sein Grund nehmen, seine innere Würde und seine Schönheit". Benedikt XVI. zitierte ein Wort des Münchener Kardinals Michael von Faulhaber (1869-1952): "Gib der Seele ihren Sonntag, gib dem Sonntag seine Seele."
Allianz für den Sonntag
Auch Kardinal Christoph Schönborn warb für den Schutz des Sonntags. Es gelte, den Wochenfeiertag "gegen verschiedene Aushöhlungstendenzen zu verteidigen". So hätten sich der Österreichische Gewerkschaftsbund, Vertreter aus Wirtschaftskreisen und katholische Organisationen und Verbände zu einer "Allianz für den Sonntag" zusammengeschlossen.
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