Hanspeter Nüesch: „Auch meine Karrierepläne wurden in Frage gestellt“
Hanspeter Nüesch
Sie haben sich entschlossen, auch ihre berufliche Laufbahn für die Sache Gottes einzusetzen: Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Ideen. Wir stellen sie mit einem kurzen Interview vor. Heute Hanspeter Nüesch, Leiter von Campus für Christus.
Jesus.ch: Hanspeter Nüesch, wie, wann und wo bist du Christ geworden? Hanspeter Nüesch: Ich hatte – seit ich mich erinnern kann – eine spezielle Gottesbeziehung wie die Beziehung zu einem guten Vater. Als „Hobby“ habe ich mich schon früh mit anderen Glaubensformen und Religionen auseinandergesetzt. Dadurch wurden meine christlichen Überzeugungen immer stärker.
Welche Erfahrung oder Einsicht hat deine Entscheidung, Christ zu werden, am stärksten beeinflusst?
Als ich schon Präsident der Evangelischen Hochschulgemeinde in St. Gallen, realisierte ich eines Tages, dass mein christlicher Glaube mehr im Kopf ablief als im Herz, und dass ich mein Leben nie bewusst unter Gottes Leitung gestellt hatte. Ich erlebte auch wenig von der kraftvollen Gegenwart Gottes, welche die Bibel Christen zuspricht. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich mich bislang geweigert hatte, die Regie meines Lebens Jesus Christus anzuvertrauen. Nach einem mehrwöchigen inneren Ringen erklärte ich Gott die Bereitschaft, seinen Willen ohne Widerspruch zu akzeptieren, selbst wenn er meine Karrierepläne zunichte machen und mich sogar als Missionar nach Japan schicken würde. Dies war ziemlich das Schlimmste, was ich damals vorstellen konnte! Stunden nach diesem Gebet spürte ich Gott ganz nahe und wurde mit Liebe, Freude und der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt. Sogar mein Traumleben veränderte sich nach dieser Erfahrung. Aber auch meine Karrierepläne wurden in Frage gestellt.
Was machst du zurzeit als „christlicher Profi“?
Ich leite seit 1983 das Missions- und Schulungswerk Campus für Christus in der Schweiz, zu dem etwa 20 verschiedene Arbeitszweige gehören. Unser grösster Dienstbereich liegt aber nicht in der Schweiz, sondern im Ausland, wo wir in vielfältigen Partnerschaftsprojekten (Russland, Kuba, Afghanistan, Nordkorea, Mongolei, China, Argentinien…) engagiert sind.
Was hat dich bewogen, dich beruflich für die Sache Gottes einzusetzen?
Das Statement eines europäischen Verantwortlichen einer internationalen Firma beim Anstellungsgespräch: „If you want to achieve something besides business too, we can’t recommend this job for you.“ (Wenn Sie ausserhalb des Geschäftslebens auch noch etwas erreichen wollen, dann können wir Ihnen diesen Job nicht empfehlen.) Ich wollte aber neben einer beruflichen Kariere auch etwas für die Sache Gottes bewegen. Trotz ausserordentlich hohem Salär lehnte ich deshalb das Angebot ab, das mir sonst total entsprochen hätte (Traumjob!), und entschied mich, Mitarbeiter bei einem Missionswerk zu einem Bedarfslohnansatz zu werden.
Was bedeutet dieser Entscheid für deinen persönlichen Lebensstil?
Ich habe von allem Lebensnotwendigen mehr als genug. Ich kann ja nicht zwei Hosen gleichzeitig tragen. Darüber hinaus erlebe ich Gott als sehr grosszügig.
Welchen Gefahren sind christliche Profis am meisten ausgesetzt?
Aufgrund meiner Erfahrungen glaube ich, dass mehr christliche Profis wegen entmutigenden, enttäuschenden Erwartungen aufgeben als wegen krassem Fehlverhalten. Deshalb darf unsere Erfüllung nicht im wechselndem „Erfolg“ unserer Arbeit wurzeln, sondern in unserer Beziehung zu unserem göttlichen Vater und Freund.
Was macht dir bei deiner Arbeit am meisten Freude?
Mich freut es ganz besonders, wenn ich zusammen mit Vreni und unseren vier Kindern für Gottes Sache einsetzen kann, wie das kürzlich bei der Konferenz EXPLO 04 der Fall war. Zudem schätze ich Gespräche mit Journalisten aller Art. Sie helfen mir, meine Überzeugungen zu klären.
Was möchtest du als christlicher Profi und als Christ in der Welt verändern?
Ich möchte, dass Gott wieder die Ehre erhält, auf die er ein Anrecht hat, und dass alle Menschen Jesus Christus als Erlöser und Gott als liebenden Vater kennen- und lieben lernen.
Hanspeter Nüesch (*1949) verheiratet mit Vreni, 4 Kinder im Alter von 18 – 25 J., ist Leiter von Campus für Christus Schweiz. Er wohnt mit seiner Familie in Boppelsen ZH
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