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1.Mai: der Tag der Arbeit

Jesus liebte die Benachteiligten

Was hat der 1. Mai mit den christlichen Gemeinden, Gemeinschaften und Kirchen zu tun? Viel, meint Nationalrat Philipp Hadorn in einem Kommentar für Livenet.

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Philipp Hadorn
«Mehr Schutz, mehr Lohn und mehr Rente» lautet der Slogan zum 122. offiziellen Tag der Arbeit. Der Ruf nach internationaler Solidarität, über alle Grenzen hinweg, verstummt auch dieses Jahr nicht, und dies zu Recht. Der arabische Frühling sucht nach neuer Mitgestaltung der Bevölkerung, Konfliktherde finden sich über den ganzen Globus verteilt. Nicht nur Europa kämpft sich durch eine Wirtschaftskrise, und der Finanzindustrie droht der Kollaps.

Der soeben publizierte Verteilungsbericht des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) zeigt auf, dass ungerechte Besitzverteilung und ungleiche Lohnentwicklungen eine ernsthafte Gefahr auch für den sozialen Frieden in der Schweiz sind. Wenn einer einfachen Arbeiterfamilie heute faktisch weniger Geld zur Verfügung steht als vor 10 Jahren, aber gleichzeitig obere Einkommenssegmente durchschnittlich um 17 Prozent zulegten, und wenn heute die 5 Prozent Reichsten in der Schweiz 75 Prozent des Besitzes auf sich vereinen und dies vor 15 Jahren noch 58 Prozent waren, wirft das Fragen auf. Zudem sind heute die Sozialwerke (inkl. AHV und Pensionskassenrenten) unter Beschuss, die Steuergesetze privilegieren Bessergestellte und die Fremdenfeindlichkeit nimmt zu.

Auch heute ziehen Tausende Arbeitnehmende hinter den Fahnen von Gewerkschaften und Linksparteien durch die Strassen unzähliger Städte, sammeln sich auf Plätzen, – und der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit und Frieden findet auch in bürgerlichen Medien Resonanz.

Die persönliche Beziehung zu Jesus Christus, verbunden mit dem Studium der Bibel, der uns überlieferten Lehre Christi, führte bereits bei den ersten Nachfolgern Christi zu sozialen Aussagen. Nach einer Zeit der Perversion des christlichen Glaubens als Mittel der Machtkonzentration von Würdenträgern in Kirche und Welt, entwickelten sich – nach den damals unübersehbaren dramatischen Auswirkungen der industriellen Revolution – klare Positionen zu den damals aktuellen sozialen Fragen. Während die katholische Soziallehre wohl mit Adolf Kolping eine effektive Sozialbewegung auslöste, betonte der Pietismus die soziale Verantwortung neben der persönlichen Glaubensentscheidung. Und später prägte in der Schweiz der reformierte Theologe Karl Barth den Christlichen Sozialismus. Auch verschiedene Freikirchen wie die Methodisten und die Heilsarmee haben ihren Ursprung als Antwort auf eine persönliche Zuwendung zu Gott mit einem grossen sozialen Engagement verbunden.

Der Ruf Christi ist auch heute noch der Gleiche: Die Annahme des Opfergeschenkes Christi darf in eine persönliche Beziehung zu Jesus führen. Nachfolge Christi bedeutet den Blick weg von den eigenen Bedürfnissen. Er erkennt die Not von Benachteiligten, Einsamen, Schutzbedürftigen, Lohnabhängigen, Flüchtlingen, Gefangenen, Alleinerziehenden, Ausgestossenen, Kranken, Süchtigen und Suchenden. Und die Liebe Jesus kann dazu führen, dass wir in unserem Nächsten Christus sehen und uns deshalb für soziale Gerechtigkeit, gegen Krieg und für soziale Sicherheit über alle Grenzen hinweg einsetzen.
«Es lebe die Internationale Solidarität» ist ein 1. Mai-Ruf, den gerade auch Christen betend aus vollem Herzen mit durch die Gassen rufen dürfen – auch ausserhalb unserer Gemeinde- und Kirchenräume!

Philipp Hadorn, SP Nationalrat & Gewerkschaftssekretär SEV lebt mit seiner Frau und drei Söhnen in Gerlafingen SO, wo sie zur evangelisch-methodistischen Kirche gehören.

Zum Thema:
Gott hatte die Hand im Spiel

Datum: 01.05.2012
Autor: Philipp Hadorn
Quelle: Livenet

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