Christen im Nationalrat

Sozialdemokrat diskutiert mit SVPler die Bundesratswahl

Sie sind überzeugte Christen, die beide der Methodistischen Kirche angehören. Politisch unterscheiden sich die Nationalräte Philipp Hadorn (SP) und Erich von Siebenthal (SVP) aber. Das war auch am Wahltag vom 14. Dezember so.

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Gleiche Kirche, aber völlig unterschiedliche politische Haltungen: SP-Nationalrat Philipp Hadorn (links) besucht die EMK Gerlafingen SO, SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal die EMK Gstaad BE.
Sind Sie glücklich über den Ausgang der Bundesratswahlen?

Philipp Hadorn: Aufgrund der Ereignisse im Vorfeld dieser Wahlen bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Grundsätzlich halte ich eine Doppelvertretung der SVP im Bundesrat für angebracht. Doch das intransparente Verhalten der SVP-Führung und das unsorgfältige Vorgehen bei der Auswahl der Kandidaten waren nicht zielführend für eine konstruktive Zusammenarbeit im Bundesrat.

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Erich von Siebenthal
Erich von Siebenthal: Ich kann nicht glücklich sein. Wir hatten mit Hansjörg Walter und Jean-François Rime gute, für alle wählbare Kandidaten. Es wäre eine einmalige Gelegenheit gewesen, auch einmal einen Bauern zu wählen. Doch die andern Parteien wollten der SVP einfach keinen Sitz zugestehen. Ich bedaure auch, wie die einzelnen Parteien vor den Wahlen miteinander umgegangen sind - und da sind alle mitschuldig. Wenn man sich gegenseitig so kritisiert und diffamiert, wird es nicht einfacher, nachher gemeinsam gute Lösungen zu finden.

Wurden Sie vor diesen Wahlen von Christen angegangen?

Hadorn: Einzelne Christen haben mir auf den Weg mitgegeben, ich möge meine Verantwortung wahrnehmen und mithelfen, die Stabilität aufrecht zu erhalten. Konkret also eine Wahlempfehlung für Eveline Widmer-Schlumpf.

Von Siebenthal: Nein, gar nicht. Ich bin froh, denn ich hätte nichts versprechen können. Ich nehme meinen Auftrag nach bestem Wissen und Gewissen wahr und rechne damit, dass mir Gott den richtigen Weg zeigt, gerade in einer so schwierigen Konstellation.

Was war für Sie wesentlich bei diesen Wahlen, gerade als Christ?

Hadorn: Mir war wichtig, dass Menschen in den Bundesrat gewählt werden, die mit Respekt vor Gleich- und Andersdenkenden im Interesse unseres Landes und in Verantwortung vor Gott eine konstruktive Zusammenarbeit sicherstellen.

Von Siebenthal: Für mich war wichtig, dass ich mich in unserer Fraktion klar geäussert habe. Ich habe gesagt, dass wir die FDP nicht angreifen sollten, dass Hansjörg Walter aber eine Wahl annehmen sollte, wenn er trotzdem gewählt würde. Von der Sache her ist die Wahl geordnet über die Bühne gegangen, das ist wichtig. Doch ich bedaure es, dass unsere eigenen Exponenten mit ihrem Vorgehen gegen die FDP viel Kopfschütteln ausgelöst haben.

Nie werde in der Politik so viel gelogen wie bei Bundesratswahlen, meinte ein TV-Kommentator. Teilen Sie diese Meinung?

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Philipp Hadorn
Hadorn: Das ist so sicher nicht zutreffend. Es gab eine spezielle Konstellation, die sich bei den Wahlen zugespitzt hat. Doch ich stelle fest, dass es bei der Auswahl der SVP-Kandidaten einige Nebengeräusche gab. Dort wurden offensichtlich nicht alle Vorabklärungen mit der nötigen Sorgfalt getroffen und wurde entgegen vorgängigen Versprechen das Wahlverhalten während des Verfahrens geändert. Alle übrigen Parteien legten im Voraus transparent ihr Wahlverhalten dar und hielten sich daran.

Von Siebenthal: Ich halte das für ein allgemeines Problem in der Politik: Wem kann man eigentlich noch trauen? Ich gehe nicht davon aus, dass bei den Bundesratswahlen mehr gelogen wird als sonst. Wir hatten gewisse Signale so gewertet, dass wir uns Hoffnungen machten auf den zweiten Sitz. SP und CVP sagten stets, Eveline Widmer-Schlumpf werde nur unterstützt, wenn es zu einer klaren Annäherung zwischen CVP und BDP komme. Davon kann keine Rede sein.

«Ich schwöre vor Gott dem Allmächtigen ...» Was ging in Ihnen vor bei der Vereidigung des Bundesrates?

Hadorn: Dieser Akt hat mich sehr gefreut. Der Eid manifestiert, dass unsere Regierung in der Verantwortung vor Gott und vor den Menschen steht. Es stimmt mich zuversichtlich, dass die Regierung damit für die neue Legislatur den Schutz und Segen Gottes in Anspruch nimmt. Wenn die Regierung ein Bekenntnis zu Gott ablegt, kann das auch Auswirkungen haben auf die Schweizer Bevölkerung und ein breites Interesse für den Glauben an Gott wecken.

Von Siebenthal: Das war ein sehr eindrücklicher Moment. Damit verband ich die Hoffnung und auch das Gebetsanliegen, dass die Bundesräte wirklich das Beste machen wollen für unser Land. Es ist wichtig, dass wir die Bundesräte an diesen Eid erinnern.

Ich habe kurz nach der Wahl gerade den neuen Bundesrat Alain Berset getroffen. Ich habe ihm gratuliert und Gottes Segen gewünscht. Bundesräte sind in einer sehr schwierigen Aufgabe und darauf angewiesen, dass wir sie im Gebet mittragen.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von Idea Spektrum zur Verfügung gestellt.

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Datum: 22.12.2011
Autor: Andrea Vonlanthen
Quelle: idea

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