Fussball und Religion haben nach Ansicht der evangelischen Theologieprofessorin Johanna Haberer eine Reihe von Gemeinsamkeiten. «Fussball inszeniert sich selbst als Religion,» unterstrich sie auch mit Blick auf die WM 2006.
Auch die Medien hätten ihren Anteil an dieser Inszenierung von Fussball“, sagte Haberer, die in Erlangen Professorin für christliche Publizistik ist. Sie verwies auf die «quasi-religiöse» Darstellung von Nationaltorwart Oliver Kahn in der «Bild»-Zeitung bei der letzten Fussball-WM. Damals hatte das Boulevard-Blatt Kahns Hand in Originalgrösse abgebildet und die Leser im Text aufgefordert, die eigene Hand in die des Torhüters zu legen, wenn die Nationalhymne erklingt oder wenn die deutsche Elf in Bedrängnis geraten sollte.
Johanna Haberer
Religiöse Funktionen ohne Inhalt
Kahn und Fussball hätten für die Deutschen religiöse Funktionen erfüllt, ohne inhaltlich etwas mit dem Christentum gemein zu haben, argumentierte Haberer. Die «Medien-Religion» brauche aber nicht nur ihre Helden, sondern auch ihre Sündenböcke. Deshalb sei der Torwart später ebenso zum Sündenbock inszeniert worden.
«Im Fussball inszenierte sich schon immer das Spiel der Welt um Gut und Böse», sagte die Theologin weiter. In den alten Kulturen Mittelamerikas seien nach Ballspielen Menschenopfer gebracht worden: in manchen Kulturen die Sieger, in anderen die Verlierer.
Die Pfarrerin und Universitätspredigerin betont die Unterschiede. "Fussball ist gnadenlos säkular, religiös aufgeladen, anders als mein Glaube, Ich würde keinen Fussball mit ins Grab nehmen, sondern lieber ein Gesangbuch, als Zeichen der Hoffnung auf ein Jenseits."
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