Gibt es einen Fussballgott?

Wenn man die Kommentare zu Fussballspielen verfolgt, muss es einen Fussballgott geben. Schliesslich wird er ständig bemüht und zitiert. Ist er mehr als eine Erfindung der Journalisten? Schalkes Manager Rudi Assauer hat sich davon abgewendet: „Ich glaube nicht mehr an den Fussballgott“, sagte er nach einer bitteren Niederlage seiner Mannschaft. Mit dem christlichen Gott lässt sich der Fussballgott wohl nicht identifizieren.

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Wie alle Götter bleibt der Fussballgott unsichtbar. Angeblich lenkt er das Spiel aus dem Geheimnisvollen heraus, indem er Torchancen eröffnet, die die Spieler dann "verwandeln" oder „vergeben“ können. Ein Tor im Fussball wird mit Freudensprüngen gefeiert, Spieler umarmen sich. Manche werfen sich auf die Knie, breiten die Arme aus. Ihr Gestik drückt Dank aus – der sich offensichtlich an den Fussballgott richtet.

Fussball ist keine Religion

Der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buss, warnt davor, Fussball als Religion zu verkaufen. Das Spiel sei zwar voller religiöser Rituale und damit ein Gleichnis für das Leben und für die Religion, sagte Buss. Der Grund der Religion sei aber allein Gott.

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Trainer Otto Rehagel, der mit Griechenland die Europameisterschaft holte, sagte: "Der Sinn des Lebens eines Fussballspielers kann doch nicht darin bestehen, sein Geld gut anzulegen und an den Fassaden seiner gekauften Häuser hoch zuschauen." Rehagels Aussage macht deutlich: Was macht unser Leben aus? Worauf kommt es an?

„Der Fussball kann eine ernsthafte Konkurrenz sein zur Religion”, erläutert der Theologe Hans Küng, „er kann Ersatzreligion werden. Man spricht ja sogar vom Fussballgott. Die gesamte Stimmung, die dem einzelnen suggeriert, das, was er gerade erlebt, sei das Grösste. Wenn der Fussball nur die Leere des Kopfs und des Herzens füllt und sonst nichts drin ist, wird's gefährlich“

Die Landesbischöfin von Hannover, Margot Kässmann, zum Sinn und Unsinn des Fussballs: „Begeisterung für Fussball, für eine Mannschaft kann ich verstehen. Aber das ist schon traurig, wenn der Sinn des Lebens in Fussball besteht. Wer wird da angebetet? Und die Asche von einem toten Fan im Stadion verstreuen, wie in England, finde ich ziemlich trostlos.“

Fussball und das Leben

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Eigentlich ist das beim Fussball nicht anders als sonst im Leben. Leistung kann sich sehr wohl lohnen. Und doch: gerecht geht es nach unseren Vorstellungen im Leben oft nicht zu. Zufälle entscheiden über Schicksale. Den einen fällt scheinbar alles in den Schoss und andere mühen sich ein Leben lang ab und kommen auf keinen grünen Zweig. Das Bedürfnis, das eigene Erleben in einen grösseren Zusammenhang einzuordnen, liegt uns scheinbar im Blut. Im Alltag, aber eben auch in der Freizeit, im Sport. So wird der Fussballgott bemüht, wenn menschliche Erklärungsversuche im Blick auf Sieg und Niederlage zu kurz greifen.

Es gibt also einen Fussballgott. Aber er ist nicht identisch mit dem Gott der Bibel, mit dem Gott Jesu. Er ähnelt eher dem sogenannten "lieben Gott", der auch im Alttag oft bemüht wird, wenn wir Menschen Ungerechtigkeiten erleben oder beobachten. Von diesem „lieben Gott“ wird erwartet, dass er Glück und Unglück gleichermassen gerecht verteilt.

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Doch der Gott der Bibel ist mit diesem lieben Gott nicht identisch. Gott hat diese Welt so eingerichtet hat, dass nicht von vorneherein alles gleich und gerecht verteilt ist. Es ist möglich, dass einge ein scheinbar leichtes Leben haben und andere ein ganz schweres. Und, um auf den Fussball zurück zu kommen, niemand vermag sicher zu berechnen, wer das Endspiel gewinnt. Aber das macht den Reiz des Spiels aus: ich weiss beim Anpfiff nicht, wie es nach neunzig Minuten aussehen wird. Beim Leben ist es ähnlich: das Spannende und zugleich Aufregende ist die Tatsache, dass ich nicht weiss, wie es verläuft und dann endet. Wenn ich mich aber an die Regeln Gottes halte, dann weiss ich, wo es hinführt.

Zum Thema:

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David Kadel: Fussball Gott
Fussball Gott - David Kadel
Dossier zur Euro 08


Quelle: Jesus.ch

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