Ein Schwesterchen zeugen, das mit einer Rückenmarkspende dem kranken Bruder vielleicht helfen kann? Der Fall eines Genfer Design-Babys hat die Diskussion über die in der Schweiz verbotene Präimplantationsdiagnostik neu angefacht.
Elodie wurde im Reagenzglas gezeugt, um als Knochenmarkspenderin ihrem Bruder zu helfen. Ihr Embryo wurde in einer Brüsseler Universitätsklinik selektioniert (was in der Schweiz verboten ist) und der Mutter eingepflanzt. Vor einem Jahr wurde Elodie in Genf geboren. Im vergangenen Januar diente sie als Spenderin von Rückenmark für ihren an chronischer Granulomatose erkrankten, heute sechs Jahre alten Bruder Noah. Diese Erbkrankheit schwächt das Immunsystem. Die Lebenserwartung ist für solche Kinder sehr gering. Die Knochenmarkspende eines passenden Spenders soll das Immunsystem neu aufbauen.
Internationale Regelung dringlich
Die Bischofskonferenz wolle sich nicht zum Richter über die Genfer Eltern machen, die in Umgehung der Schweizer Gesetze das "Design-Baby" in Belgien einsetzen liessen, sagte ihr Sprecher Mario Galgano. Er verwies jedoch auf die bischöfliche Bioethik-Kommission, die bereits im vergangenen Jahr im Hinblick auf die Diskussion in den Eidgenössischen Räten vor einer Zulassung der Präimplantationsdiagnostik gewarnt hatte. Das Beispiel macht laut Galgano deutlich, dass das Problem der Präimplantationsdiagnostik im internationalen Rahmen gelöst werden müsse.
Die Eltern von Elodie wollen die Diskussion über PID neu ankurbeln. Aus diesem Grund haben sie erlaubt, dass ein Fernsehteam den Eingriff im Januar im Zürcher Kinderspital filmte. Der Film wird dieser Tage auf den Schweizer Fernsehkanälen gezeigt.
Noah (6): Er erhielt im Kinderspital Zürich Knochenmark von Schwesterchen Elodie.
Bundesrat muss Gesetz ausarbeiten
Die Einführung von PID ist seit Jahren umstritten. Der Ständerat hat im vergangenen Dezember eine Motion zur Zulassung der Präimplantationsdiagnostik an den Bundesrat überwiesen. Dieser wurde mit 24 zu 18 Stimmen beauftragt zu regeln, unter welchen Bedingungen die Selektion des Menschen im Reagenzglas geschehen soll.
Unter dem Begriff Präimplantationsdiagnostik werden gentechnische Methoden zusammengefasst. Sie sollen dazu dienen, bereits vor der Einpflanzung bestimmte Erbkrankheiten und Chromosomenbesonderheiten zu erkennen. Üblicherweise wird dabei am dritten Tag nach der Befruchtung eine Zelle des Embryos entnommen und untersucht. Die Zelle wird bei diesem Prozess zerstört.
„Affront gegen Behinderte“
Die bischöfliche Bioethik-Kommission lehnt die Präimplantationsdiagnostik strikt ab. Diese sei eine "ausdrückliche Politik der Eugenik" und darüber hinaus ein "Affront für viele behinderte Menschen", betonte sie im Vorfeld der Diskussion im Ständerat. PID führe zu einer neuen Art von Selektion: Jeder Embryo werde vernichtet, dessen defekte Gene möglicherweise zu einer Erbkrankheit führen könnten. Die Unterscheidung von "akzeptablen" und "inakzeptablen" Embryonen sei jedoch "willkürlich", betonte die Bioethik-Kommission. Gemäss der "NZZ am Sonntag" wurden weltweit bisher zwölf Babys speziell gezeugt, um einem Geschwister zu helfen.
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