Väter in der Familie

Vater sein in Belgien, Schweden und Österreich

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Es gilt, die Kinder wieder ins Zentrum zu stellen.
„Wie Väter Beruf und Familie vereinbaren können": Das aktuelle Thema bildete den Inhalt des Forums Familienfragen der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen am Dienstag in Bern. Dabei ertönten auch gesellschaftskritische Töne.


Den meisten Familienorganisationen scheint der Fall klar: Väter müssen präsenter in der Familie sein. Nicht nur, weil dies der Wunsch ihrer Kinder ist, sondern auch, damit sie ihren Anteil an der Familienarbeit leisten und der Mutter Raum für ihre Berufstätigkeit geben.

Das Forum hat in Bern einen Blick auf Länder geworfen, die im Vergleich zur Schweiz Vätern relativ gute Voraussetzungen verschafft haben, um sich trotz Berufsarbeit genügend Zeit für die Familie zu nehmen.

Belgien: Abschied von der traditionellen Familie

Zum Beispiel in Belgien. Bernard Fusulier, Soziologieprofessor an der katholischen Universität Louvain, stellte die Situation in seinem Land vor. Die belgische Gesellschaft habe eindeutig vom „Übervater" Abschied genommen, der für das Einkommen der Familie verantwortlich sei. Überhaupt habe man Abschied von der traditionellen „Familie" genommen. Sie sei von den unterschiedlichsten Familienformen abgelöst worden. Fusulier sprach sogar von einem „Konzept der Entfamiliarisierung". Wichtig seien Gleichberechtigung und der Wunsch, verschiedene Rollen und Tätigkeiten miteinander zu vereinbaren, insbesondere Familie und Beruf. Dabei stehe der Wunsch nach Persönlichkeitsentfaltung über dem einstigen Pflichtethos. Noch vorhanden sei jedoch die Bereitschaft, sich für andere aufzuopfern: für die Kinder, Eltern, andere nahe Angehörige und Freunde.

Ein Haupthindernis für die stärkere Beteiligung der Väter an der Kindererziehung und dem Familienleben sieht Fusulier in der geringen sozialen Stellung von Hausmännern. Das berühre die Identitätsfrage der Männer.

Letztlich stelle sich aber die Frage: „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?" Noch stehe die Arbeit im Zentrum. Eine Alternative zur Arbeitsgesellschaft wäre eine multiaktive Gesellschaft, die auch Tätigkeiten wie die Elternarbeit besser anerkennt, weil sie entscheidend zur der Schaffung des Gemeinwohls beitrage. Dazu müsse aber auch die Politik die Weichen stellen.

In der Diskussion wurde der Soziologe noch deutlicher: „Wir müssen die gesellschaftlichen Reichtümer höher schätzen, auch die Elternarbeit", so Fusulier. „Eine Gesellschaft, die sich nicht reproduziert, hat keine Zukunft. Wenn wir heute unsere Aufgabe der Reproduktion nicht erfüllen, dann haben unsere Aktivitäten keinen Sinn." Es gelte daher, die Kinder wieder ins Zentrum zu stellen als ist ein „sinngebendes Projekt". Wir müssten unsere Zivilisation neu definieren und uns fragen: „Welche Gesellschaft wollen wir in der Zukunft haben?!"

Schweden: Elternurlaub

Schweden gilt vielen als Vorbild in der Familienpolitik. Das Land kennt einen Elternurlaub von insgesamt 480 Tagen, wobei die Zeit auf beide Partner verteilt werden kann. 60 Tage verfallen jedoch, wenn sie der Vater nicht selbst bezieht, wie Ursula Armbruster, Fachreferentin im schwedischen Ministerium für Bildung und Forschung in Stockholm, ausführte.

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Paare, die den Elternurlaub beziehen, weisen laut Ursula Armbruster eine Scheidungsquote auf, die 30% unter dem Durschnitt liegt.
Doch auch in Schweden führen verschiedene Hindernisse dazu, dass auch nach 30 Jahren seit Einführung des Elternurlaubs nur 22% der Väter den Elternurlaub auch beanspruchen. Das schwedische System ermögliche jedoch, dass sich Frauen nicht zwischen Mutterschaft und Karriere entscheiden müssten, betonte Armbruster. Zudem sei die Geburtsquote seit Einführung des Elternurlaubs wieder auf 1.9 Kinder pro gebärfähige Frau gestiegen (zur demografischen Stabilität wären 2.1 Kinder nötig). Paare, die den Elternurlaub beziehen, weisen laut der schwedischen Referentin eine Scheidungsquote auf, die 30% unter dem Durschnitt liegt. Tendenziell soll der Elternurlaub noch ausgebaut werden, wobei die Diskussion sich um die Frage drehe, ob der Bezug der Elterntage grundsätzlich freiwillig bleiben soll, oder ob dazu „sanfter Zwang" ausgeübt werden müsste. Schon heute können 60 Tage (von 480) nur vom Mann bezogen werden. Und wer Elternurlaub bezieht, geniesst auch steuerliche Vorteile. Interessanterweise beziehen mehr gut ausgebildete und verdienende Männer den Elternurlaub als solche mit niedriger Bildung und einer „schwachen Anknüpfung an den Arbeitsmarkt".

Österreich: Teilzeitarbeit für die Eltern

Österreich sei von einer konservativen Familienpolitik geprägt, befand die Wiener Familienexpertin Sabine Wagner. Trotzdem kennt das Land Regelungen, die über diejenigen der Schweiz weit hinausgehen. So haben Eltern von Kindern unter sieben Jahren einen Anspruch darauf, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, wenigstens wenn sie in einem Betrieb mit über 20 Mitarbeitenden angestellt sind. Allerdings müsse dieser Anspruch von Fall zu Fall auch erkämpft werden, betonte Wagner.

Bis zum vierten Altersjahr gibt es einen besonderen Kündigungsschutz. Der Mutterschutz dauert acht Wochen. Dazu kommt eine „Elternkarenz" nach dem zweiten Monat, also ein Elternurlaub sowie ein Kinderbetreuungsgeld von 440 - 800 Euro bis zum dritten Geburtstag des Kindes. Während der Elternkarenz, die von einem der beiden Partner bezogen werden kann, zahlt der Staat maximal 1250 Euro pro Monat.

Drei Jahre nach der Einführung sieht die Bilanz trotzdem durchzogen aus. Von den anspruchsberechtigten Eltern beziehen gemäss einer Befragung nur 6% Elternteilzeit, davon 86% Frauen. Auch hier sind es vor allem gut verdienende und ausgebildete Väter und Mütter.

Datum: 27.06.2009
Quelle: SSF

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