Wie leben wir mit dem Tod? Am Ewigkeitssonntag ist der Frage nicht auszuweichen. Und: Was ist der Tod?
In unseren Breiten können wir dank medizinischen Fortschritten viele Jahre lang ein gutes Leben führen. Die Kehrseite: Wir neigen dazu, den Tod zu verdrängen. Ärzte stellen fest, dass heute nicht mehr gestorben werden darf. Jeder Tod wird als Niederlage im Kampf für ein Erdenleben empfunden, das anscheinend ewig dauern soll.
Verdrängungs-Experiment
Medizin und Technik leisten gute Dienste; sie entheben uns des Ernsts früherer Zeiten, des Ringens ums Leben in der Allgegenwart des Todes, das in den grossen Kathedralen Stein und Glas wurde. (Dass andererseits die Vorliebe für Krimis und Actionfilme den Tod allabendlich in die Stube einlädt, gehört zu den Merkwürdigkeiten dieser letzten Zeit.)
Der Teil der Menschheit, der in den Sonnenspots des Planeten, vorzugsweise in Monaco, Florida und Phuket, weilen kann, nimmt an einem umfassenden Verdrängungsexperiment teil. Doch seit seiner dreimonatigen Pazifikkreuzfahrt klagt der rüstige Grossvater über Schwindel. Schwäche, Vergreisung und Demenz drängen sich ins Bewusstsein derer, die dem Komfort huldigen. Den Boten des Todes entgehen wir nicht. Suizidorganisationen machen sich breit, werfen Schatten auf den langen Lebensabend.
Ein Leben, dann das Gericht
An diesem Sonntag, dem letzten des Kirchenjahrs, gedenken die evangelischen Kirchen der Toten. Der Ewigkeitssonntag konfrontiert uns mit denen, die vor uns ihre irdische Existenz beendet haben und nun auf Auferstehung und Gericht warten (Die Bibel, Johannes, Kapitel 5, Verse 28 und 29; Hebräer 9,27).
Die Protestanten betonen die Autonomie des Einzelnen. Damit fallen die Massstäbe Gottes des Ewigen nicht dahin. Das individuelle Handeln wird an ihnen gemessen, Rechenschaft muss abgelegt werden. «Wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, damit ein jeder empfange, was seinen Taten entspricht, die er zu Lebzeiten getan hat, seien sie gut oder böse» (2. Korinther 5,10).
Nickt Gott ab...
Diese Grundtatsache - im Tod ist nicht mehr Tun, nur noch Warten auf das Urteil über das Tun - ist mit dem Verweis auf das grosse Ja Gottes zum Menschen zunehmend verdrängt worden. Der Trend in manchen Kirchen kommt dem Selbstbewusstsein des säkularen Menschen entgegen, der sich erfrecht, Gott das Richten überhaupt zu verbieten, und ihm (sofern es ihn gibt) das Leiden der Kreatur anlastet.
...oder urteilt er?
Wie gewinnen wir eine bessere Welt - eine menschlichere Welt, nicht nur für Wohlhabende? Eine Welt mit weniger Hungernden? Das Mass aller Dinge sei der Mensch, proklamierten Humanisten schon in der Antike. Wir konstatieren, dass er, gierig nach mehr und neidisch auf Bessergestellte, im Globalen und Privaten nicht Mass hält und Lebensgrundlagen zerstört.
Auch der Autonome braucht einen Retter
Statt zur Kopenhagener Konferenz alarmiert die Glocken zu läuten, sollten Kirchen - gerade die protestantischen - die Verantwortung vor dem Schöpfer und Richter der Menschen neu verkündigen. Auch in den ethischen Debatten (meist überschattet vom Versprechen selbstbestimmten, längeren und heileren Lebens) ist wieder deutlich zu sagen, dass mit dem Sterben nicht die menschliche Existenz, nur die Autonomie endet. Wir werden in der Ewigkeit vor Gott gestellt. Allein Christus kann uns retten vor dem, was die Bibel den zweiten Tod (Offenbarung 20,14.15) nennt: der ewigen Trennung von Gott.
Mehr als würdig sterben
Auch wenn Dignitas und Exit dies zu vernebeln suchen: Es geht um viel mehr als um den selbstbestimmten, «würdigen» Tod per Barbiturat. Wenn das Herz zu schlagen aufhört, ist nicht das Ende da. Es geht ums Leben in der Ewigkeit. Über sie informieren weder Medizin noch Physik; die Bibel offenbart Einiges, an das wir uns halten können.
Augenmass
Von der Ewigkeit Gottes her gewinnen wir das Augenmass, um mit den aktuellen Masslosigkeiten umzugehen. Mit Jesus Christus, der aus der Ewigkeit kam und Mensch wurde, lernen wir dieses Leben herzhaft lieben, als vorläufiges, ohne es zu verabsolutieren. Ihn, der gekreuzigt wurde und auferstand, können wir vom Himmel her erwarten als Retter.
Jenseits des Todes lebt Christus
Einer Gruppe von Menschen, die dies eben entdeckt hatten, schrieb der Apostel Paulus (1. Thessalonicher 1,10): «Ihr habt euch von den nichtigen Göttern Gott zugewandt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und um zu warten auf seinen Sohn aus dem Himmel, den er von den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns rettet vor dem kommenden Zorn.» Das ist der Kern des Ewigkeitssonntags: Gott rettet uns durch Christus, der durch den Tod ins unzerstörbare, un-endliche Leben vorgestossen ist.
«Wie kann ich wissen, was Gott will?» Diese Frage ist bei grossen und kleinen Entscheidungen keine Nebensache. Es ist wichtig, zu wissen, was Gott zu...