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Wenn Dabeisein nichts ist

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Das Fest ist vorbei. Nachdem die Schweizerfahne - getragen von Olympia-Sieger Dario Cologna - bei der Schlussfeier ein letztes Mal zu sehen war, gingen die Lichter aus. Was bleibt nach dem olympischen Spektakel?

«Citius, altius, fortius» («schneller, höher, stärker»): Das offizielle olympische Motto war in Vancouver Programm wie nie zuvor. Zu sehen waren Spitzenleistungen von menschlichen Hochleistungs-Maschinen. Mit unglaublichen Geschwindigkeiten umrundeten die Ski-Fahrerinnen ihre Tore - unter anderem bei einer Abfahrt ohne eine einzige komplette Trainingsfahrt. Die Snowboarder zeigten in der Halfpipe spektakulärste Sprünge - auch den «Double McTwist 1260», einen doppelten Rückwärtssalto mit dreieinhalbfacher Schraube, der schon zu zahlreichen Verletzungen führte. Die Rodler stürzten sich den extrem anspruchsvollen Eiskanal hinunter - was der Veranstaltung mit dem Tod des Georgiers Nodar Kumaritaschwili den dunkelsten Augenblick bescherte.

Dass man im Sport keine Grenzen mehr zu kennen scheint, wurde auch von Ski-Trainerlegende Karl Freshner kritisiert. Für Kurvenradien mit Tempi über 120 km/h sei der menschliche Körper definitiv nicht geeignet, sagte er im Interview mit der Basler Zeitung. «Wegen der Kommerzialisierung bekämpft man sich an der Spitze bis aufs Blut. Der olympische Gedanke "Dabeisein ist alles" spielt für die ersten 20 der Rangliste keine Rolle», so Freshner. Für sie gelte nur der Sieg, alles andere sei Niederlage, der Zweite interessiere niemanden mehr.

Am Ende geht es um Geld. Um viel Geld: Umgerechnet 3,8 Milliarden Franken wurden in Vancouver für Infrastruktur und Sicherheit ausgegeben, dazu kamen die 1,7 Milliarden Franken des operativen Budgets. Sponsorengeldern und der Verkauf von Übertragungsrechten bringen den Veranstaltern die nötigen Einnahmen. Doch damit das ganze System funktioniert, ist Spektakel gefragt. Nicht die Verlierer interessieren, sondern die Gewinner. Symptomatisch dafür sind die Übertragungen der Ski-Rennen im Fernsehen. Während vor einigen Jahren nach den Favoriten jeweils auch jene Fahrer mit 30 oder mehr Sekunden Rückstand für Unterhaltung sorgten, wird heute die Übertragung beendet, sobald die Besten den Berg runtergefahren sind.

Bewundernswert ist, wer zuoberst auf dem Treppchen steht - auch wenn die persönliche Leistung der Verlierer noch so gross sein mag. Bekannt ist die Aussage der Bibel zu diesem Thema: «Die Ersten werden die Letzten sein.» Hier scheinen andere Massstäbe zu gelten. Und doch sagt die Bibel nicht, dass der Wettkampf an sich falsch wäre. Sie zieht ihn sogar zum Vergleich mit dem Leben heran: «Lasst uns alles ablegen, was uns in dem Wettkampf behindert, den wir begonnen haben (...) Mit zäher Ausdauer wollen wir auch noch das letzte Stück bis zum Ziel durchhalten. Dabei wollen wir nicht nach links oder rechts schauen, sondern allein auf Jesus. Er hat uns den Glauben geschenkt und wird ihn bewahren, bis wir am Ziel sind» (Hebräer, Kapitel 12, Verse 1-3).

Auf die Perspektive kommt es an: Vergleiche ich mich mit den anderen links und rechts, oder fokussiere ich auf das Ziel, das ich erreichen will? Wer auf Jesus schaut, kann auch als Verlierer zum Gewinner werden. Er durchbricht die Gnadenlosigkeit, welche in unserer Zeit nicht nur den Sport beherrscht.

Datum: 02.03.2010
Autor: David Sommerhalder

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