«Dann begann der Athlet zu weinen!»

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Auch für Sportlerseelsorger Thomas Zindel haben die Olympischen Spiele begonnen. In Athen blickt er bereits auf erste bewegende Begegnungen zurück.

Thomas Zindel ist offizieller Seelsorger an der Sommer-Olympiade in Griechenland. Auf dieser Internetseite schildert er regelmässig seine Eindrücke. Zindel leitet auch die Bewegung «Athletes in Action» und gibt die «Bibel für Fussballer» heraus.

Daniel Gerber: Die Gebrüder Laciga und Judoka Aschwanden haben schon einen Termin bei Ihnen vereinbart?
Thomas Zindel:
Keiner dieser Sportler hat einen Termin vereinbart. Aber meine Telefonnummer ist in der Schweizer Delegation bekannt. Wenn sie wollen, können sie mich anrufen. Ich denke, bei Aschwanden ist die Enttäuschung so gross, dass er erst mal mit sich selber klarkommen muss. Später kann dann auch eine Begleitung nach den Spielen sinnvoll sein, sofern er das wünscht. In einem Interview hat er gesagt, es würde wohl Monate dauern, bis er das alles verarbeitet habe. Und die Beach-Volleyballer wohnen ganz woanders, nicht im Olympischen Dorf. Bei denen ist ja noch einiges offen.

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Man traute ihm Olympia-Gold zu, doch er schied in der ersten Runde aus: Sergei Aschwanden (Judo)
Wie viele Sportler sind bisher zu Ihnen gekommen? Was waren ihre Hauptanliegen?
In die Gottesdienste und zu den Gebetstreffen kommen immer mehr Leute. Mit einigen bin ich ins Gespräch gekommen und habe festgestellt, dass sie bereits eine Beziehung zu Jesus haben. Ihr Hauptanliegen ist, dass sie jetzt weiter auf Gott ausgerichtet bleiben. So hatte ich ein Gespräch mit einer amerikanischen Bogenschützin. Sie hatte gemerkt, dass ihr bei aller Hektik mit Reisen, Trainingslagern und sonstiger Vorbereitung die Beziehung zu Gott in den Hintergrund gerückt war.

Ganz wichtig sind auch Gespräche im Bus oder auf der Strasse, zum Beispiel mit einem Trainer für Beach-Volleyball. In den letzten Jahren hatte er ein Team aufgebaut. Nun hatte sich aber einer der beiden verletzt, und ein Ersatz musste her. Jetzt muss dieser Trainer zuschauen, wie sein Team ein Spiel ums andere verliert. Das schmerzt ihn enorm. In unserem Gespräch er sich verstanden gefühlt. Auch das ist für mich Seelsorge.

Was haben Sie in diesen ersten Athen-Tagen sonst so gemacht?
Am Anfang bin ich mit dem Bus im Olympischen Dorf herumgefahren, um es etwas kennenzulernen. 15'000 Leute leben da immerhin. Das ist eine kleine Stadt. Ich hab geschaut, wer wo wohnt. Jeden Tag hab ich das Schweizer Team besucht und dabei verschiedene Gespräche geführt.

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Bereits gestern morgen hätten sich die Gebrüder Laciga für den Beach-Volleyball-Achtelfinal qualifizieren können. Nun müssen sie sich diesen Platz im dritten Vorrundenspiel sichern
Was hat Sie selber am meisten beschäftigt?
Am vergangenen Dienstag bin ich auf der Strasse einem Sportler begegnet. In den letzten Tagen hatte ich im Gebet oft an ihn gedacht. Ich bin auf ihn zugegangen und hab ihm das erzählt. Dann hab ich ihm einen Bibelvers überreicht, den ich von Gott für ihn erhalten hatte. Er war sehr gerührt und fing an zu weinen. – Hinter jedem Menschen steht eine Geschichte und ein Druck.

Ich staune auch darüber, dass hier so viele Nationen auf so engem Raum versammelt sind. Was für eine gewaltige Schöpferkraft Gottes muss hier dahinterstehen! Und jede Nation, jedes einzelne Volk, hat seinen Beitrag zum Ganzen.

Dossier zum Thema: www.olympia.jesus.ch

Webseite: www.athletes.ch

Datum: 19.08.2004

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