„Fussball-WM bietet Profilierungschance für die Kirche“

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Hans-Georg Ulrichs
Die Fussball-Weltmeisterschaft bietet nach Ansicht des WM-Pfarrers Hans-Georg Ulrichs der Kirche eine gute Gelegenheit, sich positiv darzustellen. «Das Thema Fussball bewegt die Menschen, deshalb wird es auch die Kirche aufgreifen», sagte der WM-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Ohnehin werde in jeder Gemeindeveranstaltung und jeder Predigt versucht, das Evangelium mit der Lebenswelt des modernen Menschen in Beziehung zu setzen. Die Themen der WM seien für nahezu alle pastoralen Handlungsfelder von Interesse, von der Kinder- und Jugendarbeit über den Konfirmandenunterricht bis hin zur Erwachsenenbildung und zur Arbeit mit Senioren, erläuterte der Karlsruher Theologe. Konkret könne etwa über die Grunderfahrungen des Lebens gesprochen werden: über Erfolg und Misserfolg, Freude und Trauer, Miteinander und Konkurrenz. Aber auch speziell kirchliche Themen wie Einheit der Welt, Frieden und Gerechtigkeit könnten im Kontext des Fussballs aufgegriffen werden.

Geistliche Angebote

«Die vorherrschende Form der kirchlichen Präsenz während der Weltmeisterschaft werden jedoch geistliche Angebote sein», betonte Ulrichs. Neben dem zentralen ökumenischen Gottesdienst am ersten WM-Spieltag in München würden auch in anderen WM-Städten und an Flughäfen besondere Gottesdienste gefeiert. Akzente setze die Kirche auch mit der Notfallseelsorge und der Seelsorge an Beteiligten und Besuchern der Weltmeisterschaft.

Als Erfolg wertete der WM-Pfarrer die Resonanz der Gemeinden auf den Erwerb der nichtkommerziellen Fernseh-Übertragungsrechte durch die EKD. Bisher hätten sich mehr als 1000 Gemeinden dazu entschlossen, in ihren Räumen Spiele live zu zeigen.

Die Kirchen könnten mit ihrem Angebot zur WM indirekt auch missionarisch wirken, so Ulrichs. In erster Linie solle aber die jahrzehntelang aufgebaute Partnerschaft zwischen dem Sport und den Kirchen fortgeschrieben werden. «Es gilt, die WM mitzufeiern und mitzuhelfen, dass dieses globale Sportereignis ein Erfolg wird.»

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Auch Katholiken bleiben am Ball

Damals - 1954 -, als das "Wunder von Bern" passierte und Deutschland in der Schweiz Fussball-Weltmeister wurde, war er 18 Jahre alt und kickte im Turnverein Veringenstadt. "Man sagt, ich sei ein guter Techniker und ausdauernder Läufer gewesen", weiss Kardinal Karl Lehmann zu berichten.

Dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der im Mai 70 Jahre alt wird, nach wie vor ein Faible für den Fussball hat, ist bekannt. Und so liess es sich denn das Ehrenmitglied des Bundesligisten FSV Mainz 05 nicht nehmen, Initiativen und Angebote der katholischen Kirche zur Fussball-WM in Deutschland vorzustellen.

Das Turnier sei eine besondere Chance, "uns als gute Gastgeber und faire Sportler zu erweisen", so der Kardinal. Die Kirche wolle dazu beitragen, das offizielle WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" zu verwirklichen. Zur Angebotspalette gehören etwa so genannte offene Kirchen vor allem an den Austragungsorten.

Vorgelegt hat die Kirche auch "Die WM im Gottesdienst" - Meditationen zu biblischen Texten der "Weltmeisterschafts-Sonntage" und "21 Gebetstexte von A wie Abseitsfallen bis Z wie Zuspiel(er)". Die Seelsorger der rund 480 Kirchengemeinden für Katholiken anderer Muttersprache in Deutschland wollen sich während der WM den Mannschaften und den ausländischen Fans öffnen. Über ihr Programm zur WM informiert die Kirche im Internet unter der Adresse www.Kirche-am-ball.de

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Nein zur Zwangsprostitution

Heikle Themen angehen

Eine Kampagne unter dem Motto "Deine Stimme gegen Armut" und eine Initiative unter dem Leitwort "Nein zur Zwangsprostitution" gehören ebenso zum kirchlichen Angebot wie das Projekt "Fussball für Strassenkinder". Zum Auftakt der Weltmeisterschaft feiern Lehmann und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, am Vormittag des 9. Juni einen ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom; er wird vom ZDF übertragen.

"Wenn Gäste kommen, dann bieten wir ihnen das Beste an, was wir haben", betont Lehmann. "Wir öffnen unsere Kirchen und schaffen Raum für Begegnungen." Im Internet wünscht der Kardinal "Gottes Segen für viele spannende Spiele, ein sportliches Miteinander und bereichernde Begegnungen, nicht nur im Stadion und auf dem grünen Rasen". Er freue sich auf gute Spiele und faire Wettkämpfe. Dazu zitiert der Kardinal aus einem Gebet der Fussball-Nationalmannschaft Ghanas: "Herr, lass uns fair spielen. Lass unser Spiel in deinen Augen gut sein. Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen."

Quelle: epd/kipa


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