„Genf in Flammen“ – Festspiel zum Geburtstag von Calvin

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Den 500. Geburtstag des Reformators Johannes Calvin (1509-1564) feiert die Stadt Genf vom 1. bis 26. Juli mit dem Festspiel „Calvin Genève en flammes". Das Stück wurde von der reformierten Kirche Genf in Aufrag gegeben.

Die reformierte Kirche wünsche sich ein festliches und volksnahes Stück, erklärte deren Präsident Georges Bolay vor den Medien. Die Kirche geht ein grosses Wagnis ein: 23 Aufführungen sind geplant. Für jede Vorstellung stehen 1500 Plätze zur Verfügung. Die Preise schwanken zwischen zwölf und achtzig Franken. Bolay zur Preispolitik: „Uns liegt daran, dass das Jubiläum nicht nur von einer Elite wahrgenommen wird." Denn man müsse sich vor Augen halten, dass Calvin das Wohl der ganzen Bevölkerung am Herzen gelegen sei.

Genfs Reformierte haben den Agnostiker Michel Beretti als Autor für das Stück ausgewählt, der aus katholischem Elternhaus stammt. Mit der Inszenierung wurde François Rochaix beauftragt. Rochaix wurde schweizweit durch seine Inszenierung der „Fête des Vignerons 1999" und durch die Eröffnungsfeier der Expo02 bekannt.

Calvins Werk neu entdecken

Das Festspiel zeige nun einen „humanen" Calvin, dessen „dunkle Seiten" aber nicht ausgespart würden, heisst es von Seiten der Auftraggeber. Die Genfer hätten zu Calvin, sofern er ihnen überhaupt ein Begriff sei, bestenfalls ein zwiespältiges Verhältnis, meinte der Präsident der Vereinigung für das Jubiläum Calvin 09, Roland Benz, am Dienstag, 31. März, vor den Medien.

Calvin habe aber aus dem unbedeutenden Flecken am Ufer des Genfersees ein wichtiges Zentrum intellektueller Bildung und eine leistungsfähige Stadt geschaffen. „Alles, was man den Genfern anlastet, wird ihm aufgebrummt: Er galt als streng, diszipliniert, bestimmt sich selber gegenüber und eigenmächtig", führte Benz aus. Heute gehe es darum, sein Werk und sein Denken wiederzuentdecken.

Ohne Vergötzung und Bekehrungseifer

Benz warnte, dies müsse ohne Bekehrungseifer und ohne Vergötzung Calvins geschehen. Man dürfe ihn auch nicht auf sein religiöses Wirken einschränken, denn er habe auch im kulturellen, sozialen, juristischen, wirtschaftlichen und politischen Leben der Stadt Einfluss geübt.

Der Franzose Michel Beretti, Autor des Stücks „Calvin Genève en flammes", habe weder eine Heiligenlegende noch ein Porträt des Reformators geschrieben. Beretti erzähle vielmehr eine Geschichte, die auf einem profunden Wissen der Persönlichkeit des Genfers aufbaue. Berettis Calvin sei „widersprüchlich und gespalten". Er stehe einer Welt gegenüber, die sich im Chaos befinde. Die Entscheide, die er in der Not oder unter dem Druck der Notwendigkeit fälle, stünden in grossem Abstand zur Lehre, die er predige. „Sein Weg war durch Tragik gekennzeichnet", meinte Benz.

Das Volk und der Reformator

Im Zentrum des Stücks befinde sich nicht Calvin, sondern ein „konfliktgeladenes Kollektiv-Abenteuer". Calvin stehen die Bürger der Stadt mit ihren eigenen Bedürfnissen, Glaubensüberzeugungen, Wünschen und Leidenschaften gegenüber. Calvin sei im besten Fall eine moralische Autorität gewesen. Das Stück siedle das Geschehen in einer Art Übergangszeit an.

Rund ein Dutzend Schauspieler sind für die Inszenierung aufgeboten worden. Sie werden von einem Chor, Musikern und Statisten begleitet. Insgesamt ist für das Festival ein Budget von zwei Millionen Franken veranschlagt.

Das Festspiel wird bei schönem Wetter auf der Promenade des Bastions mit Blick auf den Genfersee gegeben. Bei schlechtem Wetter findet es im Théâtre du Léman statt. Um ein möglichst breites Publikum anzusprechen, wird es von deutschen und englischen Texten begleitet.

Calvinjahr 2009

Johannes Calvin, eigentlich Jean Cauvin, wurde am 10. Juli 1509 in Noyon in der französischen Picardie geboren. Er starb am 27. Mai 1564 in Genf. Mit verschiedenen Aktivitäten gedenkt die Stadt Genf des 500. Geburtstages ihres berühmten Bürgers. Das Genfer „Musée international de la Réforme" erweitert ab Ostern 2009 sein permanentes Angebot zur Reformation mit der Ausstellung „Ein Tag aus dem Leben Calvins". Die Texte der Ausstellung sind auf Deutsch übersetzt. Mit einem Zusatzbillet kann man zudem aus den Kellerräumen des Museums durch einen Gang direkt in die historischen Ausgrabungsstätten unter der Kathedrale hinüberwechseln.

Links zum Thema:
Weitere Informationen zum Calvinjahr
Genf startet ins Calvin-Jahr
„Calvin fasziniert mich"
Datum: 03.04.2009
Quelle: Kipa

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