Blick auf die alte Kaiserstadt Kaesong, mit rund 340.000 Einwohnern eine der grössten Städte Nordkoreas. (Foto: Btxtsf)
Die Fussball-Nationalmannschaft von Nordkorea wurde nach ihrer Rückkehr sechs Stunden lang öffentlich gedemütigt. Sie war in Südafrika einer der grossen Verlierer. Ihr Trainer wurde zu einer Baustelle abkommandiert.
Es war keine Erfolgsgeschichte, die Nordkorea an der Fussball-WM in Südafrika schrieb. Einer beachtlichen Leistung - trotz Niederlage - gegen Brasilien (1:2) folgten die 0:7-Pleite gegen Portugal sowie die 0:3-Klatsche gegen die Elfenbeinküste. Mit 0:9 Punkten und 1:12 Toren flog die nordkoreanische Elf wieder heim.
Dort mussten die Spieler für den Pranger antreten und sechs Stunden vor dem Kulturpalast des Volkes in der Hauptstadt Pjöngjang strammstehen. Laut dem «Kurier» wurden sie von rund 400 Offiziellen und Sportlern kritisiert für ihren «Verrat am Vertrauen von Kim Jong-Un». Kim Jong-Un ist der Sohn des jetzigen Diktators Kim Jong-Il (69) und als dessen Nachfolger vorgesehen. Der 27jährige hatte einen Teil seiner Schulzeit in der Schweiz verbracht.
Der Kommentator während der Fernsehübertragungen aus Südafrika führte jedem Spieler die Fehler vor, die er begangen hatte. Anschliessend mussten die Fussballer dem Trainer dessen Fehler vorhalten. Laut mehreren Quellen wurde dieser aus der Partei geworfen und arbeite nun in Pjöngjang auf einer Baustelle. Damit hätte er noch Glück gehabt. Früher habe man erfolglose Athleten in Arbeitslager gesteckt, was andere Informanten auch für Trainer Kim Jong-Hun befürchten.
Nicht zur Rechenschaft gezogen wird Kims Regierung für das Darben seines Volkes; im Bild eine verwaiste Hauptstrasse in Pjöngjang. (Foto: Kristoferb)
Bereits nach den drei Tauchern in Südafrika hatte man befürchtet, dass der Empfang in Kim Jong-Ils Reich harsch ausfallen würde. Nun ist es tatsächlich so gekommen: Der Potentat zeigte sich unerbittlich und stellte die Söhne seines Landes öffentlich bloss.
Ein anderer Machthaber reagierte in einem ähnlichen Fall genau gegenteilig. Jesus erzählte von ihm in einem seiner Gleichnisse. Die Rede ist von dem Gutsherren mit den beiden Söhnen - der eine treu und arbeitsam, der andere ein Lebemann. Dieser forderte von seinem Vater seine Erbe, zog damit aus und verprasste es. Irgendwann war das Geld verjubelt, die Party vorüber, und die seine Freunde hatten sich aus dem Staub gemacht.
Der Weggereiste fand eine karge Arbeit als Schweinehirte. Schliesslich brach im Land eine Hungersnot aus. Das tägliche Brot war zu wenig, doch der Bauer untersagte es dem Gebeutelten, sich am Essen der Schweine zu vergreifen. Weil aber bei seinem Vater selbst die Knechte besser lebten, rang sich der Davongelaufene zu dem Entschluss durch, heimzukehren und als Knecht anzuheuern.
Das Torverhältnis seines Lebens stand schlechter als 1:12. Nicht ohne Grund musste er befürchten, dass ihm der Vater all seine Fehler um die Ohren schlagen würde. Doch als der seinen Sohn heimkommen sah, lief er ihm mit offenen Armen entgegen und fiel dem Rückkehrer um den Hals. Umgehend liess er für ihn ein Fest ausrichten. - Der Junge war bedingungslos willkommen, und zwar als Sohn, nicht als Knecht.
Genau so, meinte Jesus, empfängt Gott jene, die sich ihm wieder zuwenden, auch mit einem Leben voller Niederlagen. Er freut sich, wenn man heimkommt, auch wenn man meint, es längst nicht mehr verdient zu haben. Es warten nicht öffentliche Schmach und womöglich Gefangenen- und Arbeitslager, sondern Annahme, Vergebung und ein Neuanfang.*
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