Borderline

Sechs Prozent der Jugendlichen sind betroffen

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Einer von 16 Jugendlichen leidet an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). Zum ersten Mal widmet sich letztem Donnerstag in Berlin ein Weltkongress dieser Krankheit und bespricht ihre Ursachen und Therapien.

«Die BPS als Krankheit ist erst vor zehn Jahren in der Wissenschaft angekommen. Dass sich ein Weltkongress ausschliesslich mit dem Thema beschäftigt, ist jedoch überfällig», betont Frank Schneider, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, im pressetext-Interview.

Borderline ist eine schwere psychische Störung, die in der Jugendzeit beginnt. Sechs Prozent aller 15-Jährigen verletzten sich selbst, denken an Selbstmord oder beruhigen sich mit Drogen. Professionelle Hilfe suchen die wenigsten und bei vielen entsteht in Folge das Vollbild der Störung mit intensiven Gefühlsschwankungen, schweren Störungen des Selbstwerts und Hass gegen sich und den eigenen Körper. Das Eingehen von Beziehungen wie auch das Alleinesein fällt sehr schwer. Viele verletzen sich wiederholt selbst, versuchen den Selbstmord, nehmen Drogen oder entwickeln Essstörungen.

Nicht immer Folge traumatischer Kindheit

Der Rückstand im Wissen über BPS hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gebessert. Man vermutet heute, dass bei einem grossen Teil der Betroffenen schwerer sexueller Missbrauch oder schwere Vernachlässigung in der Kindheit die Hauptursachen sind. Entsprechend zeigen auch veränderte Gehirnstrukturen Spuren früher Gewalterfahrung. Allerdings haben über 40 Prozent der Patienten keine derartigen Erfahrungen hinter sich, was auf ein Mitspielen der Genetik deutet. «Wie die Neurobiologie des Patienten und sein Erleben genau zusammenwirken, muss erst erforscht werden», erklärt Schneider.

Heute weiss man auch besser, was bei BPS vor sich geht. Gestört ist die Regulation der Emotionen, wodurch Betroffene alle Gefühle intensiver, stürmischer und anhaltender erleben als gesunde Menschen. Teilweise sind die Emotionen so stark, dass das Körpergefühl völlig verschwindet, die Realität nicht mehr wahrgenommen wird und die Welt als Nebel erscheint. Die Selbstschädigung soll hier eine kurzfristige Beruhigung herbeizuführen, während jedoch die Mitteilung des Leidens nach Aussen extrem schwer fällt.

Verhaltenstherapie zeigt Erfolg

Ein Schwerpunkt für die Zukunft wird das Verhalten der Patienten und die Therapie bleiben. «Man muss weiter erforschen, welche Therapieformen in Frage kommen. Bisher sind die psychotherapeutischen Zugänge am vielversprechendsten», so Schneider. Als erste störungsspezifische Verhaltenstherapie hat sich die dialektisch-behaviorale Therapie etabliert und konnte sich auch in Studien als wirksam erweisen. Die stationäre Versorgung von BPS spezialisiert sich zunehmend an den Fachkliniken, arge Rückstände gibt es hingegen noch in der ambulanten Behandlung.

Datum: 04.07.2010
Quelle: pte online

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