Die Pyramiden – Ägyptens Wahrzeichen. (Foto: Rudolph A. Furtado)
Deutliche Kritik erhebt die «Internationale Gesellschaft für Menschenrechte» (IGFM) gegen Ägypten: Laut dem Werk mit Niederlassungen in über 30 Ländern nutzt die ägyptische Regierung Falschinformationen, um den jüngsten blutigen Anschlag auf Christen am orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar 2010 in Nag Hammadi zu rechtfertigen und unterschwellig die Situation weiter zu verschärfen.
Der Sprecher des Unterhauses des ägyptischen Parlaments, Fathi Sorour, deklarierte das Blutbad ausschliesslich als «Racheakt» wegen des «Mordes» an der zwölfjährigen Muslimin Yusra Abdelwahab durch den Kopten (christliche Ägypter) Girgis Baroumi im vergangenen Jahr. Tatsache ist laut einer IGFM-Pressemeldung, dass die junge Muslimin Abdelwahab lebt und morgen Mittwoch, am 17. Februar, vor Gericht gegen Girgis wegen «Vergewaltigung» aussagen soll.
Kein Rechtsbeistand für Angeklagten
Das forensische Gutachten hinsichtlich der Feststellung, ob Girgis der Täter war, bleibe jedoch unter Verschluss. Die islamistischen Attentäter vom 6. Januar hingegen können auf einen Freispruch hoffen, schildern die Menschenrechtler. Sie hatten nach einem Weihnachtsgottesdienst in eine Gruppe von Kirchgängern geschossen und sieben Kopten und einen muslimischen Wachmann getötet.
Auch ägyptische Rechtsexperten würden die Regierung kritisieren, weil sie jegliche religiösen Motive hinter dem Anschlag bestreitet. Der halbstaatliche nationale Rat für Menschenrechte habe nun einen Untersuchungsausschuss nach Nag Hammadi entsandt. Ziel der Hetzkampagne sei die Wiederherstellung des Images Ägyptens.
80 Christen als Geiseln
Noch einen Monat nach dem Anschlag befinden sich nach Angaben der deutschen IGFM-Abteilung achtzig Christen aus Nag Hammadi unbegründet in Haft. Sie werden vom Sicherheitsdienst als Druckmittel gegen die Kirche benutzt, damit diese ihre Strafanzeigen zurücknimmt. Und der Generalstaatsanwalt beeilte sich festzustellen, dass die drei muslimischen Attentäter aus eigenem Antrieb agiert hätten und es keine Beweise dafür gebe, dass sie im Auftrag gehandelt hätten.
Das Katharinenkloster. Die christliche Minderheit im Land der Pharaonen sieht sich zusehends angegriffen. (Foto: G. Piezinger)
Freispruch für Täter?
Die drei Täter - Mohamed El-Kamony, Korshy Aly und Hendawy Hassan - wurden wegen Mordes, Terrorismus, unerlaubten Waffenbesitzes, Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, vorsätzlicher Sachbeschädigung öffentlichen Eigentums sowie versuchten Mordes angeklagt.
Der Hauptangeklagte El-Kamony hat ein langes Strafenregister vorzuweisen, bereits zwölf Mal wurde er verurteilt, unter anderem wegen Vergewaltigung. Von 2002 bis 2004 befand er sich in Haft und gilt nicht nur als Auftragsmörder, sondern auch als Berufsschläger, der von Wahlkandidaten gezielt zur Einschüchterung von Wählern in Nagaa Hammadi beauftragt wurde. Jetzt zog El-Kamony sein Geständnis im Fall Nag Hammadi zurück und gibt Druck von Seiten der Staatssicherheit als Grund an. Hanna Hanna, internationaler Anwalt und Kopte, vermutet Voreingenommenheit auf Seiten der Regierung und rechnet dem Täter gute Chancen auf einen Freispruch aus: «El-Kamony wird die gegen ihn erhobenen Vorwürfe abstreiten und „Zeugen" vorführen, die die Staatssicherheit für ihn vorbereiten wird. Schliesslich wird es aufgrund „fehlender Beweise" zu einem Freispruch kommen.» Ein Team von 25 freiwilligen islamischen Anwälten hat El-Kamony allerdings schon auf sicher.
Menge fordert Todesstrafe
Die eingeleitete Hetzkampagne sollte die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Kopten Girgis und die mutmassliche Vergewaltigung der 12-jährigen Muslimin Yusra Abdelwahab im vergangenen Jahr lenken - mit Erfolg. Trotz mangelnder Beweise, fehlender gerichtsmedizinischer Berichte sowie widersprüchlichen Polizeiakten und Anklagen fordert die ägyptische Öffentlichkeit bereits vor dem Gerichtsurteil die Todesstrafe für Girgis.
Der Sündenbock
IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin erklärt: «Die ägyptische Regierung macht Girgis zum Sündenbock, um ihre eigene Interpretation des Anschlages zu rechtfertigen und das Image Ägyptens rein zu waschen.»
Menschenrechtler befürchten nun die Manipulation von Beweisen zu Girgis' Nachteil durch die Staatssicherheit. Angesetzte Gerichtsverhandlungen mussten wiederholt vertagt werden, bis Girgis schliesslich einen rechtlichen Beistand fand. Sein Anwalt Saeed Abdelmassih beobachtet seit Jahren die gezielte Manipulation der Justiz sowie Terrorisierung und Einschüchterung von koptischen Anwälten durch die Staatssicherheit.
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