Chile: «Es ist Zeit zum Beten»

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Die Erdstösse dauerten unendlich lang, wird berichtet.
Aufgetürmte Autos, eingestürzte Häuser, kaputte Brücken und geteilte Strassen und Städte, die zum Teil fast völlig zerstört sind. Das Erdbeben vom Samstag, 27. Februar, hat Chile in einem desolaten Zustand zurückgelassen. Seit Sonntagabend patrouillieren zwischen den Trümmern zudem zahlreiche Militärs und Sicherheitsleute. Sie versuchen, die sich häufenden Plünderungen und das Chaos in den Katastrophengebieten im Zaum zu halten.

Am Samstag um 3.34 Uhr Ortszeit fing in Chile an, die Erde zu beben. Die Menschen wurden aus dem Schlaf gerissen und rannten unter Panik auf die Strassen. «Die Erdstösse dauerten unendlich lang», berichtet eine Augenzeugin aus Concepción. Die 200.000-Einwohner-Stadt an der Pazifikküste, rund 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile, wurde von dem rund anderthalb Minuten langen Beben der Stärke 8,8 am heftigsten in Mitleidenschaft gezogen. Das Epizentrum lag im Pazifischen Ozean, etwa 90 Kilometer von der Küste entfernt.

Auch Argentinien betroffen

Landeinwärts, in Santiago de Chile, wurde der internationale Flughafen geschlossen. Unter den Gebäuden, die in der chilenischen Hauptstadt eingestürzt sind, zählt der Glockenturm der Kirche Nuestra Senora de la Divina Providencia. Das Beben sorgte auch im Nachbarland Argentinien für Schäden. Dort starben zwei Menschen. Die Todesopfer in Chile wurden im Verlauf des Wochenendes immer weiter nach oben korrigiert. Inzwischen ist offiziell von mehr als 700 Toten die Rede. Präsidentin Bachelet wies zugleich darauf hin, dass viele Menschen noch vermisst würden, was die Opferzahl weiter erhöhen könne. Sie sprach von einem «Ausnahmezustand».

Unterdessen wächst die Kritik am Krisenmanagement der Regierung. So beklagen Einwohner der Krisenregion, dass bisher noch keine Hilfsgüter angekommen seien. Gleichzeitig zeigten Fernsehsender Bilder, wie Menschen aus Supermärkten und anderen Geschäften alles mitnehmen, was sie tragen können: Von Lebensmittel bis hin zu Waschmaschinen.

Nothilfe angelaufen

Als Folge sind die seit Sonntagabend in der Region stationierten Streitkräfte nicht nur damit beschäftigt, die Plünderungen einzudämmen, sondern auch die Verteilung von Lebensmitteln und Trinkwasser zu organisieren. Unterstützung erhalten die Soldaten in den nächsten Tagen von Helfern aus dem In- und Ausland sowie der Kirche. Caritas Chile leistet bereits Nothilfe in den betroffenen Gebieten. Hilfsorganisationen aus Deutschland haben Spezialisten entsandt. Das katholische Hilfswerk Misereor und der Malteser Hilfsdienst stellten einen Solidaritätsfonds von 30.000 Franken beziehungsweise 75.000 Franken zur Verfügung.

Auch das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sagte dem Land Hilfe beim Wiederaufbau zu. «Wir sind erschrocken über die Zahl der Opfer und die Höhe der Schäden», erklärte Geschäftsführer Bernd Klaschka. An der Pazifikküste seien bis zu 90 Prozent der Kirchen und kirchlichen Gebäude zerstört. Der Vorsitzende der Chilenischen Bischofskonferenz, Alejandro Goic, brachte seine Bestürzung in einem einzigen Satz zum Ausdruck: «Es ist Zeit zum Beten.»

Autorin: Camilla Landbö

Datum: 04.03.2010
Quelle: Kipa

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