Kommentar: Die letzte Show

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Mit berauschendem Feuerwerk haben die Chinesen die Olympischen Spiele 2008 abgeschlossen. Und den neuen Rekord an Goldmedaillen gefeiert. Die Macher haben China an die Spitze der Sportnationen katapultiert.

Dass Chinesen mächtig stolz sind auf ihre Athletinnen und Athleten, kann man begreifen. Auch ihre Genugtuung darüber, dass der Riesenanlass ‚störungsfrei‘ über die globale Bühne ging. Dass das kommunistische Regime diesen Erfolg verwendet, um sich den Untertanen neu zu empfehlen, gibt weiter zu denken. Die Instrumentalisierung erinnert an Berlin 1936.

„Wir sind wieder wer“

Beobachter halten seit Jahren fest, dass die Machthaber in Peking ihren Herrschaftsanspruch allein noch über den Erfolg der wirtschaftlichen Entwicklung legitimieren. China hat sich von den finstersten Zeiten unter Mao tatsächlich weit entfernt.

Nun kommt ein zweites Erfolgserlebnis dazu. Es stabilisiert das Regime, da die sportbegeisterten und patriotischen Chinesen ihm die Spiele zugutehalten. „Wir sind wieder wer“: Der NZZ-Korrespondent schreibt, viele Chinesen hätten sich „beim propagandistisch unterstützten Medaillenzählen von einer Woge des binnenorientierten, nationalistischen Stolzes mitreissen lassen“.

Hohle Illusionen – für das Mega-Geschäft

Doch haben die Spiele, wie im selben Artikel zu lesen ist, alle Erwartungen, durch sie würde China freier und offener, endgültig als Illusionen erwiesen. Es war ein schöner Traum; die Olympische Bewegung träumte ihn zu gern, um der Realität ins Gesicht zu blicken. Und bis zum Schluss schwieg man zu den Propagandaparolen der Gastgeber. Man wolle sich nicht in innenpolitische Angelegenheiten einmischen, sagte IOK-Chef Rogge bei der letzten Pressekonferenz. Getreu der chinesischen Sprachregelung. So wird der Sport zur Manipuliermasse. Das Geschäft ist so erfolgreich (über 4 Milliarden Franken Gewinn in Peking), dass man es sich nicht von Menschenrechtlern verderben lassen will.

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Abschlussfeier im \"Vogelnest\".
Ins Geschäft sind lange schon die Medizinmänner eingestiegen (um von den Betreuern der Staaten zu schweigen, deren Athleten siegen müssen). Bei allem Sonnenschein in Peking – den die Veranstalter mit rigorosen Massnahmen hinkriegten –: Doping scheint für den Spitzensport wie ein Schatten zu sein, den er nicht mehr abschütteln kann.

Freiheit!

Den Chinesen (die für die Spiele teils gewaltige Opfer gebracht haben) ist Freiheit zu wünschen. Diese grosse Nation verdient ein besseres Selbstbewusstsein als jenes, das die roten Mandarine in Peking mit Olympia prägen. Ein Selbstbewusstsein, das den kleinen Völkern ihre Eigenständigkeit belässt, den Dissidenten ihre andere Meinung und den Gläubigen ihre Religion.

Die Spiele sind kein gutes Omen: Ein Gericht verurteilte zwei greise Chinesinnen (77 und 79) zu einem Jahr Umerziehungslager bedingt, wegen Störung der öffentlichen Ordnung. Die beiden hatten fünfmal das Gesuch gestellt, dagegen protestieren zu dürfen, dass ihr Haus abgerissen worden war. Wenn die Behörden vor und während der Spiele alles, was ihnen nicht passt, unterdrücken, was werden sie nachher tun, wenn die Welt abgereist ist?

Datum: 25.08.2008

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