Kairo. Drei Jahre ins Gefängnis müssen sechs ägyptische Christen, weil sie im Fastenmonat Ramadan ihr Café geöffnet hatten. Die sechs Brüder mit dem Familiennamen Morris Ghatas wurden zu Strafen mit schwerer Arbeit verurteilt. Am 13. September hatte die Polizei das Café in der Hafenstadt Port Said gestürmt, Tische umgeworfen und Mobiliar zerstört. Zwei der koptischen Christen erlitten einen Armbruch, ein dritter musste eine grosse Kopfwunde nähen lassen, die ihm die Polizisten zugefügt hatten. Es existiert kein Gesetz, das Nicht-Muslimen in Ägypten die Öffnung von Gaststätten im Ramadan verbietet. Die Brüder (Ashraf, Magdy, Osama, Nabil, Walid und Hany) versuchten sich zu verteidigen; dies führte nun zu einer verschärften Strafe.
Der Richter droht
Die Ägypterin Martha Samuel Makkar (24), die vor fünf Jahren vom Islam zum Christentum übertrat, wollte am 13. Dezember mit ihrer Familie nach Russland reisen, um Repressalien ihrer Verwandtschaft zu entgehen. Am Flughafen festgenommen, wurde sie am 24. Januar gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt – allerdings nicht ohne eine bedenkliche Drohung des Richters. Wie Makkar ihrer Anwältin erzählte, wollte der Richter Abdelaa Hashem nach langer Befragung unter vier Augen mit ihr sprechen. Dabei sagte er, wenn er ein Messer bei sich hätte, würde er sie umbringen. Bedrückt verliess die Frau das Gebäude. Konvertiten in Ägypten kämpfen um Identitätspapiere, die ihre neue Religionszugehörigkeit ausweisen. Dass solche ausgestellt werden, ist gesetzlich nicht vorgesehen.
Kampf um Identitätspapiere
Diesen Kampf führt Maher El-Gohary (56), ein Christ mit islamischem Hintergrund, für seine Tochter. Er war im Alter von 20 Jahren zum Christentum konvertiert, nun wehrt er sich dagegen, dass seine 14jährige Tochter Dina eine Muslima-Identitätskarte (diese Worte streichen) bekommt. Dies geschieht im Alter von 16 Jahre automatisch – obwohl sie Christin ist. Also stellte Maher im August 2008 offiziell den Antrag zur Änderung seiner Religion in den Identitätspapieren. Wenn sein Glaube als Christ anerkennt wird, geschieht dies automatisch auch für seine Tochter Dina.
Bei der gerichtlichen Anhörung am 6. Januar wies der Richter Mahers Rechtsanwalt aus dem Saal und verkündete: "Laut der Scharia, dem islamischen Gesetz, ist der Islam die zuletzt offenbarte, die kompletteste und die beste Religion. In ihr haben die Muslime bereits alle Religionsfreiheiten, die sie brauchen; sie können daher auch nicht ältere Religionen wie das Judentum oder das Christentum annehmen." Maher ist erst der zweite Christ, der es gewagt hat, bei der ägyptischen Justiz einen Antrag auf Wechsel seiner Religionszugehörigkeit zu stellen. Der erste, der es versuchte, lebt wegen Drohungen nun im Verborgenen.
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