Erdogan will Einigung im Streit um Kloster Mor Gabriel
Streitobjekt: Das Kloster Mor Gabriel in der Türkei. (Bild: Christian Koehn)
Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan hat sich in den Grundstücksstreit um das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel in Südostanatolien eingeschaltet. Erdogan soll die Behörden angewiesen haben, eine gütliche Einigung in dem Streit zwischen Kloster, Schatzamt und den umliegenden Dörfern zu erzielen.
Türkischstämmige Christen und mehrere Migrantenorganisationen hatten kürzlich in Köln gegen die drohende Enteignung des Klosters Mor Gabriel in der Türkei demonstriert. David Gelen, Vorsitzender der Föderation der Aramäer in Deutschland, beklagte, dass die wenigen verbliebenen Christen im Gebiet des Klosters eingeschüchtert und bedroht würden. "Die Türkei behandelt uns, als seien wir schon ausgestorben", sagte Gelen.
Vertreibungspolitik
Kubilay Demirkaya, einer der Sprecher der Initiative Mor Gabriel, kritisierte die türkischen Gerichtsverfahren gegen das Kloster. Die Klagen mehrerer Dorfvorsteher und staatlicher Behörden seien Teil einer gezielten Politik gegen die noch verbliebene christliche Minderheit. Er warnte, dass bei einer Verurteilung und Enteignung des Klosters die letzten Wurzeln des Christentums in der Türkei gekappt würden.
Gegen das Kloster im Südosten der Türkei laufen seit 2008 mehrere Gerichtsverfahren. Zu der Kundgebung, an der nach Veranstalterangaben mehr als 2000 Menschen teilnahmen, hatte die neu gegründete Initiative Mor Gabriel aufgerufen. Darin haben sich neben der Förderation der Aramäer auch der Zentralrat der Armenier, die Alevitische Gemeinde Deutschland und andere Migrantenorganisationen mit Türkeibezug zusammengeschlossen.
Strafanzeige zurückziehen
Der örtliche Parlamentsabgeordnete Cüneyt Yüksel von der Regierungspartei AKP sagte der "Hürriyet Daily News", er versuche, die Bürgermeister der umliegenden Dörfer zum Rückzug ihrer Strafanzeige zu überreden. Die Klage gegen das Kloster beschäftigt mittlerweile drei Gerichte und sorgt auch international für Aufsehen.
Recep Erdogan, türkischer Ministerpräsident. (Bild: World Economic Forum)
In dem Konflikt zwischen dem im Jahr 397 gegründeten Kloster und drei kurdischen und arabischen Dörfern der Umgebung geht es um rund 50 Hektar Boden, die bei einer Landvermessung im vergangenen Sommer strittig geworden waren. Sie werden inzwischen ausser vom Kloster und den Dörfern auch vom Schatzamt und vom Forstamt beansprucht. Ein Urteil ist noch in keinem der Verfahren in Sicht.
Nach Bericht von "Referans" wies Erdogan das Finanzministerium und das Forstministerium an, einzulenken und eine gütliche Einigung mit dem Kloster zu suchen. Auch den Gouverneur der zuständigen Provinz Mardin wies Erdogan an, zu intervenieren und eine Vermittlungslösung herbeizuführen.
Besorgnis der EU
"Wir werden diesen Konflikt gütlich beilegen und die Probleme unserer syrisch-orthodoxen Bürger lösen", wird der AKP-Abgeordnete Yüksel zitiert: "Das Kloster steht schliesslich schon seit 1600 Jahren hier." Der Zeitung "Referans" zufolge verfasste Yüksel einen Bericht über den Konflikt für die Europäische Union. Mehrere europäische Botschafter hatten ihre Besorgnis bekundet. "Wir wollen das Problem nicht zur internationalen Krise werden lassen", so der Regierungsabgeordnete laut "Hürriyet Daily News".
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