Ein Verein im anatolischen Diyarbakir hat mit dem Bau der ersten nach Jesus benannten Moschee in der Türkei begonnen. Wie türkische Medien berichten, wolle der wohltätige Verein damit ein Zeichen für Frieden zwischen den Religionen setzen. Die christlichen Gemeinden in Diyarbakir äusserten sich erfreut über die Geste.
«Jesus gilt uns ebenso wie den Christen als Prophet», zitiert die Presse den Vorsitzenden des Moscheebauvereins, Mustafa Uzun: «Es ist uns eine grosse Freude, eine Moschee nach ihm zu benennen.» Auf die Namenswahl für die neue Moschee habe es in der Gemeinde sowohl positive als auch negative Reaktionen gegeben, sagte der zuständige Mufti Abdulkerim Melikoglu; allerdings überwiege die Zustimmung.
«Der Heilige Jesus ist ein Prophet, den Allah in sein Buch aufgenommen hat, sein Name wird vom Koran erwähnt», urteilte der Mufti: «Wir können seinen Namen daher in allen Ehren einer Moschee verleihen.» Die Namenswahl sei eine wichtige Initiative zur Eröffnung eines interreligiösen Dialogs in Diyarbakir.
Als «revolutionären» Schritt begrüsste der syrisch-orthodoxe Priester Yusuf Akbulut von der örtlichen Marienkirche das Vorhaben. Wahrscheinlich handele es sich um «das erste Mal in der islamischen Welt, dass eine Moschee nach Jesus benannt wird». Der protestantische Pfarrer Ahmet Güvener in Diyarbakir sprach von einem Symbol der Toleranz und einer «schönen Geste an die Christen, über die wir uns sehr freuen.»
Christen fast ausgestorben
Diyarbakir im Südosten Anatoliens hatte bis vor rund hundert Jahren grosse Gemeinden armenischer und syrisch-orthodoxer Christen. Sie wurden bei den Massakern von 1915 stark dezimiert und sind infolge von Armut, Auswanderungsdruck und Diskriminierung inzwischen fast völlig ausgestorben.
In der Türkei gibt es zwar bereits mehrere Moscheen, deren Name an Jesus erinnert, sie sind jedoch nach islamischen Würdenträgern benannt, die ihrerseits nach Jesus benannt waren. Eine echte «Heiliger-Jesus-Moschee» wie nun in Diyarbakir gab es bislang nicht.
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