Kommentar

Das Sehnen nach Orientierung und die Politiker

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Wie Klone: Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel.
Als wären sie geklont, hätten Merkel und Steinmeier gesprochen, sagte der Regisseur Claus Peymann nach dem Sonntagabend-Duell im ZDF. Als Pragmatiker hätten sie vor der Kamera agiert. Dabei «sehnen sich die Menschen nach Orientierung». Politiker sollten Menschen mit Leidenschaft sein, hiess es in Maybrit Illners Runde, «Menschen, die uns helfen können, einen Weg aus unseren Ängsten zu finden», fand Peymann nach den tödlichen Schlägen gegen den Mann, der sich in der Münchner S-Bahn für Kinder einsetzte.

Bei allen Gelegenheiten sagen die Politiker, dass es eine solche Krise seit dem Krieg nicht gegeben habe. Opel macht Schlagzeilen ohne Ende. Der wirtschaftliche Einbruch fordert tatsächlich alle Kräfte - der Werteverfall, der Ängste erzeugt, gerät aus dem Blick.

Für Orientierung und Wege aus den Ängsten braucht es mehr als Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Künstler. Von Ethik-Kommissionen, in deren Stellungnahmen sich Pro und Contra weitestgehend neutralisieren, haben die Bürger Europas genug.

Jenseits des Atlantiks reibt sich eine Nation die Augen, da der «Yes, we can»-Mann die Erwartungen, die er kühn weckte, nicht erfüllt. Mit dem Verlangen nach Orientierung, nach Wegweisung, nach dem, was trägt im Leben, sind die Verantwortungsträger im Staat, auch visionäre, weit überfordert.

Während viele Menschen mit dem Orientierungsmangel, diesem Grunddefizit der säkularen Gesellschaft, irgendwie leben, scheint die Zahl der Verzweifelten, Erschöpften, Nihilisten, Fanatiker und Schläger zu wachsen. Menschen, die haltlos sind oder ihr Leben ohne Rücksicht auf andere leben, bis sie genug davon haben.

Was leisten die Kirchen? Sie sollen Orientierung anbieten, so dass in ihrem Glauben Christus durchscheint. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat mit ihrem Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber und weiteren Persönlichkeiten Sprecher, die prägnant evangelisch reden und mit ihrem Glauben öffentlich hinstehen. Einen eindrücklichen Beitrag gab Verena Maria Kitz im Wort zum Sonntag der ARD. «Trotz allem: Beten lohnt sich!» Die Frankfurter Theologin sagte, warum sie nach dem Leukämie-Tod ihres Schwagers weiter betet. So viele Gründe fürs Gebet in schweren Zeiten gehen in vier Minuten selten über den Sender.

Die Kirchen haben - über alle möglichen Medien, zuerst die eigenen - Orientierung anzubieten, so dass nicht nur christlich-abendländische Werte zum Tragen kommen, sondern Jesus Christus selbst durchscheint. Denn er ist der, der Ängste, alltägliche und tiefe, ansprechen und lösen kann. Er ist der Anker des Vertrauens, der Einzelnen, Familien und Gruppen Halt gibt. Er hat Festigkeit, Solidarität und Verantwortung vorgelebt, Wort und Tat nachhaltig verbunden. Der Heilige Geist Gottes wirkt auf seiner Linie. Sollten die Christen Macht und gesellschaftlichen Einfluss verlieren, verloren haben - sprachlos dürfen sie nicht sein.

Link zum Thema: Verena Maria Kitz im Wort zum Sonntag der ARD

Datum: 14.09.2009

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