«Die katholische Kirche kann sich so lange nicht erholen, wie ihr Heiliger Hirte als schwarzes Schaf im immer düster werdenden Skandal um sexuellen Missbrauch gesehen wird.» Man muss nicht zu derart spitzen Wendungen greifen wie Maureen Dowd, die Kolumnistin der New York Times. Sie fordert statt des «Pope» eine «Nope» - eine Nonne als Papst. «Der Papst steckt zu tief drin.» Wenn der Papst etwas nicht sei, dann unfehlbar, schreibt Dowd.
Passivität und Heimlichtuerei holen den langjährigen Vorsteher der Glaubenskongregation, der es auf den Stuhl Petri geschafft hat, ein. Kardinal Ratzinger mag seiner Kirche viele Waffen im Kampf gegen die gottlose Moderne geschmiedet haben - gegen die Empörung über das Zulassen und Vertuschen der Kirchenoberen, die im Internet-Zeitalter ungehemmt um die Welt rast, hilft keine.
Im Mittelalter, als die Päpste sich über die Könige Europas erhoben und mit der Inquisition zur Ausrottung von Abweichlern schritten, wurde der Zölibat zur Norm erhoben und durchgesetzt. Priester sollten ehelos wirken, keine Erben zeugen, nichts anhäufen, was sie vererben konnten - kurz: ganz der Kirche zur Verfügung stehen.
Die Kirchenführung, die sich (um dem Pfründenschacher und anderen Übeln zu wehren) das Eheverbot anmasste, muss tausend Jahre später für ihre Selbstherrlichkeit büssen. Mit der Heiligkeit der römischen Priesterkirche, die bei allen Verfehlungen ihrer Glieder gewahrt bleiben musste - man erinnert sich der gewundenen Entschuldigungsversuche von Papst Johannes Paul II. zum Millennium -, mit dieser Heiligkeit ist nicht mehr Staat zu machen. Eine Aufhebung des Zwangszölibats, so dringlich sie ist, wird darum das eigentliche Problem nicht beheben.
Am schlimmsten trifft es die Iren, die, von den Briten über Jahrhunderte gedemütigt, der katholischen Geistlichkeit im öffentlichen Leben der Insel eine weithin unbegrenzte Autorität gaben. In einer Zeitung rief die Rock-Sängerin Sinead O'Connor zum Boykott der Kirche auf, «denn wir brauchen sie nicht, um zu Gott zu gelangen». Ihre Autorität ist, so der Dubliner NZZ-Korrespondent, «zu Staub zerfallen».
Nicht ohne Grund: Von der Murphy-Kommission der Lüge überführt, hatte sich der Dubliner Erzbischof Connell auf den (von Jesuiten konstruierten) Behelf berufen, während des Lügens mental stumme Fussnoten über den wahren Sachverhalt anzufügen - dann lüge man nicht wirklich. Die vernichtende Urteil von Benedikt XVI. über die irischen Bischöfe wird laut NZZ auf der grünen Insel insofern relativiert, als «die Kirche in Irland ... bloss ihre Vorstellungen rückhaltloser umsetzen konnte als anderswo».
Nach wie vor gilt es zu unterscheiden zwischen den Tätern und der grossen Mehrheit der katholischen Geistlichen, die ihren pastoralen Dienst tun, ohne sich an Schäfchen zu vergehen. Dass die Skandale jedoch junge Christen davon abhalten, in ihre Fussstapfen zu treten, sollte in Rom auch bedacht werden.
Dem evangelischen Beobachter stellt sich die Frage: Werden ökumenische Beziehungen mit einer solchen Laissez-faire-Kirchenführung hierzulande auch das Image jener Kirchen in Mitleidenschaft ziehen, deren Gründer unter Einsatz des Lebens ihre Freiheit von Rom erkämpften?
Kirchliche Analphabeten unterscheiden Konfessionen immer weniger. Europäer treten wegen der Skandale, die im Vatikan verantwortet werden müssen, aus Kirchen aus, die einst im Aufstand gegen die römische Selbstherrlichkeit entstanden. Sie haben einen Vorwand mehr, um die Kirchensteuer zu sparen und - noch viel bedenklicher - sich dem Mann aus Nazareth und dem Anspruch des Evangeliums zu entziehen...
Super, dass du auf diese Seite gelangt bist. Vielleicht hast du ziellos herumgesurft. Vielleicht hast du «gegoogelt». Wer du auch bist, ich ermutige...