Marc Mettler, der Dorfpfarrer von Sumiswald, macht es vor. Am Sonntag, 25. Juli 2010 lädt er zu einem besonderen Gottesdienst - er spricht auf dem Biker-Treff des lokalen Motorradclubs «Dead Riders». Er tut damit exakt das, was Jesus tat und was wir Christen in den letzten Jahrzehnten dornröschengleich verschlafen haben: dorthin gehen, wo die Menschen sind.
Jesus sagte einst, dass wir hinaus in alle Welt gehen sollen, um die Menschen über seine frohe Botschaft zu informieren. Wäre sein Wunsch gewesen, dass sich seine Nachfolger in den Synagogen und Tempeln verschanzen, hätte er als gelernter Zimmermann dies anschaulich mit ein paar soliden Brettern und robusten Nägeln demonstrieren können.
Jesus lehrte nicht einzig in Gottesdiensträumen. Er war dort, wo die Menschen waren. Und er war für alle da. Als er während der Bergpredigt zu mehreren Tausend sprach und ihnen ein Essen anbot, galt dies für alle. Die Jünger sagten beim Verteilen nicht mit Mündern voller Brot und Fisch: «Erst wird konvertiert, dann erst diniert.»
Marc Mettler lädt nicht zum ersten Mal zum Treffen im Zelt. Das «Dear-Riders»-Treffen hat Tradition, und mittlerweile gehört der Gottesdienst dazu. Bei der Ausgabe 2008 strömten 2000 Leute ins Zelt. Ein Sprichwort sagt, man solle die Kirche im Dorf lassen. In Sumiswald gehört die Kirche während dem Töfftreffen ins Bikerdorf.
Jedes Dorf hat seine Kirche, seine Gemeinden, die man im Dorf lassen soll und damit zugleich dorthin bringen, wo die Menschen sind. Jesus hatte es vorgemacht. Hätte er gewollt, dass sich die Christenheit hinter verschlossene und verriegelte Türen zurückzieht, hätte er seine Jünger in eine Gesellentruppe umfunktioniert, Johannes zum Vorarbeiter erklärt und dann eine Synagogentüre um die andere mit schön getäfeltem Holz zugenagelt. In der Bibel hätte er eine Bastelanleitung hinterlassen, wie man die Tore verbarrikadiert und Petrus hätte sich in seinen Briefen mit der Beschaffenheit des Holzes, dessen Haltbarkeit und dem Bekämpfen der Holzwürmer befasst.
Jesus dagegen ermutigt zum Anklopfen - im Fall eines Biker-Clubs kann dies natürlich auch per Hupe geschehen.
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