Kommentar

Der neue Turm von Babel?

Zoom
Baut Google am neuen Turm von Babel mit?
Der US-Konzern Google verspricht: Schon bald sollen Handys in der Lage sein, simultan zu dolmetschen und das in 52 Sprachen. Was man schon in den 60er-Jahren in billigen Science Fiction-Romanen vorwegnahm, damals redete man von einem „Translator", wird jetzt realisiert.

Wer den Film "Per Anhalter durch die Galaxis" gesehen hat, der weiss vielleicht noch, dass dort auch schon diese Technik der Zukunft auftauchte: man steckt sich einen kleinen „Babelfish" ins Ohr und schon konnte man alle Sprachen des Universums verstehen.

Ob Handys irgendwann in der Lage sind, so gut wie Menschen zu übersetzen, ist noch offen. Vorerst will man Fremdsprachen simultan übersetzen, so dass man in Echtzeit verstanden wird. Diese Entwicklung kann man auch schon auf dem PC verfolgen. Mittlerweile gibt es auch auf Software basierte Sprachübersetzer, die mittels Spracherkennung gesprochene Sprache in Text umwandeln, diesen dann übersetzen und über eine synthetische Stimme in der anderen Sprache ausgeben und das in guter Qualität. Angeblich soll man gar nicht merken, dass die Stimme am anderen Ende der Leitung nur die computergenerierte Übersetzung aus dem Englischen ist.

„Babelfish", die Übersetzung im Ohr? Warum nicht? Der Name „Babelfish" ist bewusst gewählt. Beim Bau vom Turm zu „Babel" soll das Ereignis der Sprachenverwirrung eingetreten sein. Das ist noch eher bekannt. Weniger in Erinnerung ist, dass in der Bibel dort steht: „Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen; sie werden nicht ablassen von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun". Was sie sich vorgenommen haben, oder alles das, was sie sich überhaupt vorstellen konnten.

Hier schliesst sich der Kreis. Das gemeinsame Potential der Menschheit wurde nur über die gemeinsame Sprache erreicht und jetzt ist man daran, dass alle Menschen sich wieder verständigen können. „Der Turmbau zu Babel" - heute noch ein aktuelles Thema? Ein altmodischer Text erlangt wieder an Bedeutung.

Menschen, die sich nicht verstehen, bringen auch kaum etwas Gemeinsames zustande. Gemeinsame Wörter erleichtern Vieles. Gerade solche, die international tätig sind, wissen das nur allzu gut. Aber es gibt andrerseits auch noch eine andere Sprache. Wir können uns nicht verstehen, obwohl wir die gleichen Wörter brauchen oder manchmal sehr gut verstehen. Ob wir uns verstehen oder nicht, hängt nicht allein von der Wortwahl ab. Und genau dieses Verstehen unterbindet Gott in dieser Geschichte und bringt so das ambitiöse Unternehmen „Turm zu Babel" zu Fall. Und es drängt sich die Frage auf: Warum tut er das? Im Internet habe ich eine Diskussion zu dieser Frage gefunden. Die Antworten sind spannend.

Einer schreibt: „Gott ist eifersüchtig und verwirrt die Menschen, damit sie scheitern." - Ein anderer meinte, dass Gott generell nicht gut auf menschliche Ambitionen zu sprechen sei und ein Machtproblem habe. Er habe Angst, dass sie ihm das Wasser abgraben und ihn vom Thron stürzen könnten.

Liegt der Grund für das göttliche Eingreifen tatsächlich in seiner Eifersucht? Gönnt er uns den Erfolg nicht? Als Gott den Menschen den freien Willen mit ins Leben gegeben hat, da wusste er, dass daraus nicht nur Segen, sondern auch so mancher Fluch fliessen kann.

Zum Segen braucht es Leitplanken. Gott greift hier ein, weil er sieht, dass Menschen auf einem Weg der Zerstörung und Selbstüberschätzung unterwegs sind. Er weiss, was Menschen können, eben auch anrichten können. Und gerade wir wissen nur zu gut, welch absurdes und gewaltiges Zerstörungspotential Menschen inzwischen entwickelt haben.

Immer wieder hört man den Vorwurf: Warum unternimmt Gott nichts? Warum lässt Gott es zu? In Babel wird eine Geschichte erzählt, wo Gott aktiv geworden ist, wo er etwas verhindert. Und genau das wird ihm ebenfalls vorgeworfen.

Viele haben Mühe damit, weil Gott eben häufig anders eingreift als wir es gern hätten. Es ist menschlich, dass wir am liebsten wild drauflosleben, bauen, forschen, experimentieren und die Rohstoffe der Welt verbrauchen und dann von Gott erwarten, dass er hinter uns aufräumt und Zerstörungen wiederherstellt.

Dieses Wiederfinden einer «gemeinsamen» Sprache über Handys birgt genau die Gefahr in sich, dass die Welt und die Armen noch mehr ausgebeutet werden können. Die Globalisierung wird erleichtert und was sie uns bisher gebracht hat, haben wir alle bereits am eigenen Leib erfahren. Die Globalisierung der Finanzmärkte über das Internet, mit ihren Folgen beispielsweise.


Diese Artikel könnten Sie interessieren

Interview zu Pfingsten
Der Heilige Geist ist ein «mega Schatz». Er wohnt in jedem Menschen, der sich Gott anvertraut, doch er ist nicht einfach zu fassen. Das meinen zwei...
Dossier
Herzlich willkommen im Pfingst-Dossier!
Nur ein Gebet entfernt
Super, dass du auf diese Seite gelangt bist. Vielleicht hast du ziellos herumgesurft. Vielleicht hast du «gegoogelt». Wer du auch bist, ich ermutige...
Arche vor Köln
Europas erster Bibelpark ist eine Arche Noah im Massstab 1:2. Das kunstvoll eingerichtete Schiff ankert derzeit in Köln. Livenet.ch interviewte den...

Anzeige

Kommentar

Spannungsfeld Schule: Die Glaubensfreiheit ausüben
«In der Schule darf man ja immer weniger von seinem Glauben reden» oder «Die Schule wird ja immer...

Anzeige

VERANSTALTUNGEN

27. Mai, 19.30Uhr in Suhr
lebe deine Berufung – mach einen Unterschied in dieser Welt!
17. Juni 2012, 10 Uhr in Bad-Zurzach