Religion im Schulzimmer

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Bischof Michael Bünker
Der 21-jährige Sami hatte sich während seiner Schulzeit nicht über Kreuze aufgeregt, die in den Schulzimmern hängen - obwohl er Muslim ist. In Wien wurde letzte Woche über «Religion im Klassenzimmer?» diskutiert.

In der Akademie für islamische Religionspädagogik (IRPA) diskutierten der evangelische Bischof Michael Bünker, die Direktorin der IRPA, Amena Shakir, Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, die Gründerin des Liberalen Forums Heide Schmidt und Brigitte Moser von der Erzdiözese Wien. Shakir könne das Verhalten des jungen Muslims nachvollziehen, erklärte sie: «Für die muslimischen Jugendlichen ist das Kreuz selbstverständlich. Es ist historisch gewachsen und hat keinen Einfluss auf sie.»

Bischof Bünker kritisierte, dass die Religon zurzeit vor allem «in Publikationen des Innenministeriums diskutiert, unter dem Aspekt der Sicherheit» thematisiert werde. Das sei kein angemessener Umgang, da Religion doch auch auf sozialer Ebene, im Gender-Bereich oder der Bildung wichtig sei. Dem stimmte Shakir zu. Die Religion sei ein fester Bestandteil des öffentlichen und privaten Lebens. «Die Schule gibt das entsprechende Rüstzeug mit, um für das Leben gewappnet zu sein. Doch wie soll man Schüler auf das Leben vorbereiten, ohne die Religion zu thematisieren?»

Friedensstiftender Unterricht

Moser von der Erzdiözese Wien plädierte für einen « friedensstiftenden, integrativen Unterricht». «Religionen sind identitätsstiftend», so Moser. Nur wer seine Identität kenne, könne gut verankert in einer demokratischen Gesellschaft leben. Eine relevante Funktion der Schule sei es, Werte zu vermitteln und den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Identität zu entwickeln.

Bischof Bünker fehlt es nicht an den Fakten, die in der Schule vermittelt werden, sondern an den persönlichen Kontakten. «Wir haben die Informationen über die Weltreligionen, aber interessant wird es erst, wenn wir Erfahrungskontexte knüpfen». Die Hürden würden weniger in den Religionen als vielmehr im gegenseitigen Verständnis liegen. «Die Jugendlichen interessiert, wie die Religion tickt.»

Quelle: Der Standard
Datum: 05.03.2010

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