Religion und Korruption

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Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff. (Foto: Universität Passau)
Auf der Jahrestagung des «Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik» stellte der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff Daten zu Religion und Korruption im Ländervergleich vor. Lambsdorff sprach auch über den Zusammenhang von Religion und Korruption.

Das Internetportal CSR-News berichtet, weshalb religiöse Menschen weniger korrupt sein sollen.

Weshalb dieser Unterschied zwischen Protestanten und Katholiken? Laut Lambsdorff bestechen Protestanten seltener als Katholiken, selbst dann, wenn sie im gleichen Land leben. Ein Sachverhalt für diese unterschiedlichen Einstellungen von diesen Glaubensgemeinschaften zur Korruption finde sich nicht.

Was könnte man vermuten?

Lambsdorff: «Ich sehe Erklärungsansätze auf individueller und kollektiver Ebene: Auf individueller Ebene hat eine Bestechungshandlung viel mit ökonomischem Kalkül zu tun. Wenn zu befürchten ist, dass der versprochene Vorteil ausbleibt, werden Bestechungshandlungen eher unterlassen. Nun geht der Protestantismus mit einem verstärkten Individualismus einher. Protestanten leben tendenziell in weniger verbindlichen Netzwerken. Und sie entwickeln möglicherweise weniger Zutrauen dahinein, dass der Bestochene die zugesagte Handlung erbringt.

Auf kollektiver Ebene ist zu beobachten: Protestanten konnten korruptionsresistentere Institutionen aufbauen, die dann wirken, wenn Individuen sonst der Versuchung nachgeben würden.»

Einfluss nicht so stark wie vermutet

Der Einfluss von Religionen auf Bestechungshandlungen sei nicht so stark wie vermutet. Aber: Wenn eine Religion in einem Land die Mehrheitsreligion darstelle, dann könne sie starken Einfluss entfalten. Anhänger einer Mehrheitsreligion, also einem religiösen Bekenntnis, das von mindestens 50 Prozent der Bevölkerung geteilt wird, besteche weniger. Und selbst bei den Anhängern der Minderheitsreligionen sei weniger Korruption erkennbar, wenn ein Land von einer Mehrheitsreligion geprägt sei.

Wird in reichen Ländern weniger bestochen? Lambsdorff: „Da gibt es weniger Korruption. Allerdings bleibt unklar, was dabei Henne und was Ei ist. Reiche Länder können eher korruptionsresistente Institutionen schaffen, Löhne zahlen, welche die Existenz sichern und eine effektive Strafverfolgung organisieren. Es gibt eine bessere Infrastruktur und sozialen Fortschritt, eins greift da ins andere.

Quelle: CSR-NEWS
Datum: 13.04.2010

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