Die Lehrer haben es satt. Dies haben sie mit einem Streiktag und an einer Demonstration am 20. Juni gezeigt. Dabei gehe es ihnen nicht nur um materielle Vorteile, die ihnen davonschwimmen, versichern sie. Woher ihr Unmut kommt, hat der Oberstufenlehrer Hanspeter Amstutz an der Kundgebung ausgedrückt.
Als eine der wichtigsten Ursachen der herrschenden Malaise bezeichnete Hanspeter Amstutz in seiner öffentlichen Rede in Zürich die Erziehungskrise in der Gesellschaft. Er frage sich, ob nicht einer ganzen Generation der Mut zur Erziehung abhanden gekommen sei, sagte Amstutz vor 6000 versammelten Lehrerinnen und Lehrern aller Stufen. Der Schule würde damit zunehmend elementare Erziehungsarbeit zugeschoben. Die Schule sei jedoch keine „Reparaturwerkstätte der Gesellschaft“ und die Lehrer seien nicht Sozialarbeiter, führte Amstutz aus. Für den Erfolg seien nicht immer raffiniertere didaktische Konzepte und Therapien für halbe Schulklassen erforderlich, sondern eine neue Einstellung der Gesellschaft zur Erziehungsaufgabe. Die Mitarbeit der Eltern bei der Erziehung müsse wieder ein zentrales Thema werden.
Bildungsmaterialismus
Wütend seien die Lehrer auch über die Anspruchshaltung der Gesellschaft. Heute werde von der Schule gefordert, was direkt als nützlich gelte. Der hektische Bildungsmaterialismus führe dazu, dass das fundamentale Prinzip des Zusammenwirkens von Kopf, Herz und Hand nicht mehr erkannt werde. „Eine Schule, in der das direkt Nützliche völlig dominiert, zieht den ganzen Reichtum der Bildung in den Dreck“, sagte Amstutz.
In Bülach erklärte Schulleiter Alfred Meier an einer Protestkundgebung den Eltern, weshalb der biblische Unterricht nicht fallengelassen werden sollte: Heute würde man sich überall über die zunehmende Gewalt beklagen. Die einzigen Schulstunden, die aber noch Gelegenheit böten, mit den Kindern über ethische Fragen nachzudenken, wolle man kurzerhand abschaffen.
Mehr Wertschätzung erwartet
Die angekündigten Sparmassnahmen träfen die Lehrerschaft besonders hart. Die Belastung der Lehrkräfte sei durch zusätzliche Betreuungsfunktionen und durch die ständige Herausforderung durch Reformprojekte gross. Die vom Staat gemachten Versprechungen einer Besserstellung durch die lohnwirksame Leistungsbeurteilung seien bisher kaum umgesetzt worden. Gespart werde bei den Klassengrössen (geplante Vergrösserung der Klassen von 24 auf 28), bei den Stufenanstiegen des Lohnes und bei Dienstaltersgeschenken. Anstatt ein verlässlicher Partner zu sein, verunsichere der Staat durch seine Sparpolitik zunehmend die Lehrerschaft. Damit fehle aber das Wichtigste, die Wertschätzung der Lehrer für deren tägliche Arbeit.
Datum:
03.07.2003 Autor: Thomas Hanimann Quelle: idea Schweiz