Sex-Skandale als Dauerthema

Ottawa. Die Sexualskandale in der US-amerikanischen Kirche wären nach Ansicht zweier kanadischer Bischöfe vermeidbar gewesen, wenn früher ähnlich strenge Richtlinien wie in Kanada eingeführt worden wären. "Ich habe den Eindruck, dass es in den USA nicht dieselben Handlungsanweisungen gibt wie bei uns, oder dass sie nicht beachtet werden", sagte Vancouvers Erzbischof Adam Exner.

Die katholische Kirche Kanadas habe eine ähnlich schmerzliche Phase Anfang der achtziger Jahre durchgemacht, sagte Exner. 1992 seien nach zweijähriger intensiver Arbeit strenge Richtlinien für den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Priester veröffentlicht worden.

Darin seien insbesondere alle Gläubigen aufgefordert worden, "die Mauer des Schweigens zu durchbrechen" und alle Vermutungen über Missbrauch anzuzeigen. Quebecs Erzbischof Roger Ebacher Gatineau-Hull sagte, die US-Bischöfe müssten ähnliche strenge Massnahmen erlassen. Gleichzeitig müsse die Kirche auf diesem Gebiet "ständig wachsam" sein. - Der Erzbischof war massgeblich an der Erarbeitung der kanadischen Richtlinien beteiligt.


Britischer Priester wegen Sexualmissbrauch vor Gericht

London. Wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger muss sich ein katholischer Priester in Grossbritannien seit Freitag vor Gericht verantworten. Dem 68-jährigen ehemaligen Flughafenseelsorger in Gatwick, Michael Hill, wird vorgeworfen, zwischen 1960 und 1989 in 17 Fällen Jugendliche missbraucht zu haben. Eine weitere Anklage lautet auf Vergewaltigung.

Missbrauch: US-Diözese zahlte in 20 Jahren 27 Millionen Franken

Saint Louis.Umgerechnet rund 27 Millionen Franken Entschädigungsgelder hat die US-amerikanische katholische Erzdiözese Saint Louis in den vergangenen 20 Jahren an Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester und Ordensleute gezahlt. "Dabei ging es in erster Linie um die Bedürfnisse der Opfer", erklärte Fran Chauvin, Finanzchef der Erzdiözese.

Die Summen seien für medizinische Kosten, Beratungen oder andere Therapien eingesetzt worden, so der Geistliche. Teilweise stammten die Gelder aus Versicherungsleistungen, der Rest habe aus dem Etat der Erzdiözese genommen werden müssen.

Die meisten Schadenersatzzahlungen seien nach "begründeten Anschuldigungen" geleistet worden, sagte Chauvin. In einigen Fällen habe sich die Erzdiözese auch bei klar erwiesener Unschuld des Beschuldigten zu einer Zahlung bereit erklärt, da die Kosten einer juristischen Auseinandersetzung noch höher gewesen wären. Niemals seien die Geldzahlungen jedoch als Anerkennung einer Schuld zu verstehen gewesen. Über die Zahl der Missbrauchsfälle machte Chauvin keine Angaben. In der Regel werde mit den Opfern Vertraulichkeit vereinbart, da diese es so wünschten.

Erzbischof fordert neue Richtlinien für Umgang mit Missbrauch

Verschärfte kirchliche Richtlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Priester hat San Franciscos Erzbischof William Levada gefordert. Einen entsprechenden Vorschlag werde er bei der für Juni geplanten Vollversammlung der Bischofskonferenz machen, sagte Levada nach einer Meldung der Tageszeitung "San Francisco Chronicle". Die Bischöfe müssten neue landesweit geltende Regelungen ausarbeiten und diese dann dem Vatikan zur Zustimmung vorlegen.

"Wir leiden alle unter den Sünden von Priestern, die ihre eigene Lust über die Sorge für die Kinder gestellt haben, die ihnen anvertraut waren", so Levada. Gleichzeitig müsse die ganze Kirche "unter den Fehlern von Bischöfen und Verwaltungsmitarbeitern leiden, die den zukünftigen Schutz von Kindern nicht über ihren Wunsch gestellt haben, Priester zu schützen, obwohl diese sich angesichts ihrer Pflichten als unwürdig erwiesen haben". Der Erzbischof sprach bei einem Gottesdienst, an dem 400 Priester und rund 2.000 Gläubige teilnahmen.

Polen: Nach Missbrauchsvorwürfen tritt Posens Erzbischof zurück

Der Posener Erzbischof Julius Paetz (67) ist zurückgetreten. Ihm wird sexueller Missbrauch von Seminaristen und Priestern vorgeworfen. Wie der Vatikan mitteilte, nahm Papst Johannes Paul II. das Rücktrittsgesuch des Erzbischofs an und ernannte den Gnesener Weihbischof Stanislaw Gadecki (52) zu dessen Nachfolger.

Ende Januar hatte die polnische konservative Tageszeitung "Rzeczpospolita" berichtet, Paetz habe Seminaristen und Priester seiner Diözese sexuell belästigt. Betroffene hätten sich mit entsprechenden Klagen an die Bischofskonferenz und die Nuntiatur in Warschau gewandt.

Paetz selbst hatte bei der traditionellen Chrisammesse zum Gründonnerstag die Gläubigen seiner Diözese von dem Rücktritt informiert. Er beteuerte bei dem Gottesdienst erneut seine Unschuld. "Man hat meine Gutmütigkeit und meine Spontaneität ausgenutzt, meine Worte, meine Gesten und meine Handlungen falsch interpretiert", betonte der Erzbischof nach einer Meldung der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Auch habe der Vatikan "kein Urteil" über ihn gesprochen und ihn auch nicht "präzise beschuldigt oder befragt".

Johannes Paul II. hatte in seinem vor einer Woche veröffentlichten traditionellen Gründonnerstagsbrief an die rund 400.000 Priester weltweit den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Priester scharf verurteilt. Ohne auf die aktuellen Fälle wie etwa in den USA oder Kanada einzugehen, hatte er von "den schlimmsten Ausformungen des Bösen" in der Welt und vom Verrat am Weihesakrament gesprochen.

Pfarrer missbrauchte zwei bis drei Knaben

Alois Fritschi (63), seit 1997 Pfarrer von Walenstadt SG, hat laut Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen 1986 und 1997 zwei bis drei Knaben sexuell missbraucht. Auf Grund der langen Dauer und der Vielzahl der Übergriffe - diese geschahen zum Teil wöchentlich und an Fritschis früherem Arbeitsort in Uznach SG - sei von einem schweren Fall auszugehen, teilte der St. Galler Staatsanwalt Thomas Weltert mit. Gegen den Priester ist eine Strafuntersuchung wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen mit Kindern eröffnet worden.

Nach aktuellem Erkenntnisstand muss von zwei bis drei männlichen Opfern ausgegangen werden. Danach erfolgten die Strafhandlungen in Fritschis früherem Arbeitsort Uznach in den Jahren 1986 bis 1997. Ein Teil der Delikte sei möglicherweise verjährt. Die inzwischen volljährigen Opfer seien auf die Möglichkeit der Opferhilfe hingewiesen worden. Der Angeschuldigte ist geständig und bereut seine Taten. Er wird durch einen Rechtsanwalt verteidigt und von einem Seelsorger betreut. Die Wohnung und die Nebenräume des Angeschuldigten sind polizeilich durchsucht worden.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass im dritten Quartal des laufenden Jahres Anklage erhoben wird. Zur Diskussion stehen die Straftatbestände der sexuellen Handlungen mit Kindern beziehungsweise der sexuellen Nötigung. Der Angeschuldigte hat gegenüber seinen Opfern keine körperliche Gewalt angewendet.

Am Gründonnerstag war bekannt geworden, dass der Gemeindepräsident von Uznach von einem Mann Hinweise bekommen hatte, wonach Pfarrer Fritschi ihn als Buben sexuell missbraucht habe. Anzeige hat die Behörde jedoch nicht erstattet. Der Grund: Man habe dem Opfer nicht vorgreifen wollen.

Die Untätigkeit der Behörden könnte juristische Folgen haben. Gemäss Artikel 50 des Sankt Galler Einführungsgesetzes zum Zivilgesetzbuch unterliegt Kindesmissbrauch der Anzeigepflicht. Wer "von der Gefährdung eines Kindes an seinem leiblichen und geistigen Wohl zuverlässige Kenntnisse erhält", muss laut dieser kantonalen Bestimmung Anzeige bei der zuständigen Vormundschaftsbehörde erstatten.

Datum: 02.04.2002
Quelle: Kipa

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